Warum er uns so fehlen wird. Gerade jetzt…

22. November 2013 | Kategorie: Gäste

von Andreas Hoose

Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: Die Europäische Zentralbank (EZB) denkt tatsächlich laut darüber nach, negative Einlagezinsen einzuführen…

Beim Börsensender n-tv war deshalb in dieser Woche ein Kollege zu sehen, der den Zuschauern mit wichtiger Mine erklärt hat, warum dieser Schritt sehr zu begrüßen sei: Endlich würden die Banken „gezwungen“ den Unternehmen mehr Kredite zu geben und Staatsanleihen der europäischen Krisenländer zu kaufen – anstatt das Geld bei der Notenbank zu parken.

Es ist das gleiche sinnlose Geschwätz, mit dem seit Jahren versucht wird, die Probleme klein zu reden. Ein kurzer Blick in das Krisendrehbuch zeigt das:

Wir schreiben das Jahr sechs seit Ausbruch der Finanzkrise. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) warnt vor einer weiter anhaltenden Wachstumsschwäche der Weltwirtschaft – trotz der seit Jahren rekordtiefen Zinsen wohlgemerkt.

Doch die so genannten Experten tun so, als werde ein Negativzinssatz von minus 0,1 Prozent (nach bislang 0,0 Prozent), wie er jetzt von der EZB ins Spiel gebracht wird, im Handumdrehen alle Probleme lösen.

Es ist geradezu unglaublich, wie sich viele Kommentatoren die Dinge so hinbiegen, dass sie irgendwie passen – nur um später möglichst unauffällig wieder zurück zu rudern.

Nehmen wir etwa das viel zitierte „Tapering“. Noch im Sommer waren laut Medienberichten 70 Prozent (!) der gerade erwähnten „Experten“ der Meinung, dass die US-Notenbank ihre Anleihekäufe innerhalb weniger Monate deutlich zurück fahren werde. Angeblich stehe die US-Wirtschaft wegen der niedrigen Energiepreise vor einem nie gesehenen Wirtschaftsaufschwung.

Mittlerweile stellt sich heraus, dass die Fed das genaue Gegenteil wird tun müssen: In dieser Woche hat Ben Bernanke einigermaßen kleinlaut eingeräumt, dass an ein Ende der ultralockeren Geldpolitik überhaupt nicht zu denken ist. Man hätte das vorher wissen können.

Doch die gleichen Experten, die sich mit ihrer Einschätzung zum Tapering so grandios geirrt haben, sind sich jetzt nicht zu schade, negative Zinsen zu bejubeln, anstatt den Menschen endlich reinen Wein einzuschenken.

Man könnte die Leute beispielsweise davor warnen, ihr sauer erspartes Geld noch länger im Bankensektor zu parken. Dass solche Vorsichtsmaßnahmen keineswegs übertrieben, sondern geradezu dringend geboten sind, das macht der jüngst vorgelegte Vorschlag des Internationalen Währungsfonds (IWF) deutlich. Dort heißt es, dass eine Zwangsabgabe oder „Schuldensteuer“ in Höhe von zehn Prozent auf das Nettovermögen notwendig sei, um die Staatsschulden etwa in Europa wieder auf den Stand von 2007 zurückzuführen.

Drahtseilakt?

IWF-Chefin Christine Lagarde hat kürzlich eine Vermögensabgabe in Höhe von zehn Prozent ins Spiel gebracht…

Eines sollten wir alle abseits des Geschwurbels der gut bezahlten „Experten“ allmählich gelernt haben: Je heftiger solche Vorschläge dementiert werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später umgesetzt werden.

Es dürfte sich daher lohnen, über den Vorschlag des IWF und seine potentiellen Folgen einmal etwas genauer nachzudenken. Eine Vermögensabgabe macht ja nur dann Sinn, wenn sie erstens ganz plötzlich kommt und wenn sie möglichst umfangreich erhoben wird. Wenn sie also nicht nur Sparvermögen, sondern auch Aktiendepots und insbesondere Immobilienbestände erfasst… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.