Warum eine Rezession sehr wahrscheinlich ist…

10. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Die Wall Street konnte sich zumindest in den letzten Tagen ein wenig berappeln. In den diversen Agenturberichten der Nachrichtendienste ist von einer positiven, sich aufhellenden Datenlage zu lesen. Wir sehen das gänzlich anders. Was wir sehen, sind negative Daten…

Schauen wir uns nur die jüngsten Daten zu den Autokrediten etwa genauer an. Morgan Stanley hat hier schon einen neuen Begriff „kreiert“: „Deep Subprime“. Dieses schlechteste Marktsegment umfasst nun etwa ein Drittel des Subprime-Autodarlehen-Marktes. Kreditnehmer leisten ja ohnehin bei den meisten Subprime-Autodarlehen keine Zahlungen mehr. Aber im „Deep Subprime-Segment“ schnellt die Zahl der Ausfälle regelrecht nach oben. Selbst Bloomberg berichtet davon, dass dieses Segment signifikant wachsen würde.

Und auch bei den Unternehmen, bei den Unternehmenskrediten gibt es zunehmend Probleme. Die Zahl der Ausfälle wächst. Noch beachtlicher ist allerdings, dass in den letzten drei Monaten das Volumen ausgereichter Bankkredite sank. Und zwar um beachtliche fünf Prozent. Das ist die schärfste Kontraktion bei der Kreditgeldversorgung seit dem Jahr 2008.

Gigantisches Kreditwachstum

Ja, liebe Leser, das ist wahrlich beachtlich. In der Zahl steckt wahnsinnig viel drin. Also, wir leben ja in einem System, das abhängig ist von Krediten und weder auf echtem Geld basiert noch davon abhängt. Im Laufe des letzten halben Jahrhunderts ist die Kreditgeldversorgung ausgehend von einem Volumen von einer Billion Dollar auf 66 Billionen Dollar gewachsen. Das war die Quelle, der Ursprung für das sog. Wachstum der Wirtschaft. Und es war auch großteils die Quelle für die „Preiserhöhungen“ an der Wall Street.

Es gibt keine Möglichkeit, in einem solchen System still zu stehen. Entweder erhöht sich die Menge neuer Kredite (Schulden) oder die alten Schulden laufen ab. Das führt dann zu einer Verringerung der Geldmenge und verursacht einen Einbruch.

Der Ökonom Richard Duncan, der die sog. „Kreditierung“ der Weltwirtschaft in den Fokus nimmt, hat klugerweise errechnet, dass ohne ein Kreditwachstum von mindestens zwei Prozent im Jahr eine Rezession unvermeidlich ist. Duncan sagt, dass im vergangenen Jahr 2016 das Kreditwachstum bei 2,6 Prozent lag. Es konnte also gerade noch eine Rezession vermieden werden. In diesem Jahr, so seine Prognose, werde das Kreditwachstum nicht mehr über die zwei Prozent hinauskommen. Das stelle eine ernste Gefahr für die Wirtschaft dar.

Unsererseits wissen wir, dass Korrekturen stattfinden – sowohl am Aktienmarkt als auch in der Wirtschaft. Wir wissen aber nicht, wann sie passieren. Wir wissen auch, dass ein Zinserhöhungszyklus fast immer mit einer Korrektur einhergeht. Aber die Fed wird niemals freiwillig zu einem „normalen“ und vom Markt entdeckten Zins zurückkehren. Die Insider, die das System kontrollieren, hängen von billigem Kredit ab. Sie werden das nie und nimmer freiwillig zulassen.

Deep State wird gierig bleiben
von Bill Bonner

Geben Sie einfach mal den Namen der Bundespräsidentin der Schweiz „Doris Leuthard“ bei Google ein. Sie erhalten etwa 450.000 Treffer. Machen Sie das gleiche mit „Donald Trump“ – und sie kommen auf fast 400 Millionen Treffer. Das sind 87.900 Prozent mehr Treffer bei „The Donald“ als bei Frau Leuthard.

Die Presse der Welt ist so fasziniert von Präsident Trump und gleichzeitig gegenüber Präsidentin Leuthard anämisch gleichgültig. Was wird Frau Leuthard als nächstes tun? Welchen unverschämten neuen Tweet wird sie aussenden? Wen wird sie angreifen? Niemand scheint sich darum zu kümmern …

Leuthard versus Trump

Und doch haben wir einen leisen Verdacht. Wir haben ja weder „The Donald“ noch Frau Leuthard bisher getroffen. Frau Leuthard ist wohl anständig, ernst und vielleicht sogar ein Vorbild. Sie hat niemanden getötet, und es würde ihr wohl schwerfallen, andere Menschen ständig zu beleidigen.

Andererseits ist da Herr Trump aus ganz anderem Holz geschnitzt. Er scheint wohl selbst gegenüber dem Höllenfeuer keinen Respekt zu haben; kurzum, er ist wohl besonders gut geeignet für die Rolle, die ihm zugewiesen wurde.

Herr Trump beschuldigte sog. „Konservative“, seine Gesundheitsreform zu blockieren. Die Konservativen sagen, sie wollen echte Veränderung, nicht eine Fake-Reform. Das war gestern. Heute sagt er ihnen der Washington Post zufolge, dass sie gehorchen sollten. Denn wer weiß, andernfalls könnte er mit den Demokraten eine Allianz schmieden, um seine Gegner innerhalb der Republikaner zu überrumpeln.

In der Schweiz kauft wegen der Präsidentin kaum jemand eine Zeitung; die Kinderschänder und die gefallenen Sporthelden werden da kaum von ihr aus den Schlagzeilen verdrängt. Wenn Frau Leuthard im Fernsehen auftritt, gehen die Leute ganz normal aus. Oftmals wissen Sie auch gar nicht, wer sie ist. Und es ihnen vermutlich auch egal. Denn es spielt ohnehin keine Rolle.

Die Schweiz hat keine Truppen im Ausland. Sie versucht auch nicht, sich aktiv im Irak oder sonstwo militärisch einzumischen. Die Präsidentin der Schweiz erlässt auch keine Einreiseverbote per Dekret; sie schustert auch den diversen Crony-Industrien nicht mehr Finanzmittel zu und kürzt den Städten in der Schweiz die Gelder.

Die politische Macht in der Schweiz ist lokal. Sie wird durch lokale Versammlungen, lokale Wähler und lokale Bräuche eingeschränkt. Ähnlich wie in den USA vor dem Bürgerkrieg haben die Staaten der Schweiz, die Kantone, immer noch eigene Macht. Es ist eines der dezentralsten Systeme der Welt. Jeder Kanton gibt seine eigenen Schuldtitel aus. Und jeder leidet an den Konsequenzen, wenn es zu einem Zahlungsausfall kommt.

Vorteile lokaler Politik

Generell ist lokale Politik – so idiotisch sie auch im Einzelfall sein mag – weniger pompös und grotesk als nationale Politik. Bayern ist nicht in Polen eingedrungen, das Deutsche Reich sehr wohl. Anne Arundel County, Maryland, war gegen Obamacare; der Kongress (unterstützt von Tausenden von Industrie-Insidern) sehr wohl dafür.

Ein lokaler Wähler ist zu nah an den Tatsachen dran. Es ist schwer, lokale Wähler mit irgendwelchem Unsinn zu überlisten. Er sieht den Humbug ähnlich wie ein Klempner einen Abwasserkanal sieht. Er weiß, wie es funktioniert und weiß, was drin ist. Und er weiß, dass er am Ende dafür die Rechnung bezahlen muss. Er ist auch nah genug am Geschehen, um seine „Führer“ vor Ort zu sehen; allen voran ihre Mängel und Unzulänglichkeiten. Die „Wahrheit“ liegt direkt vor seinen Augen.

USA als Imperium

Aber heute sind die USA keine Konföderation von Staaten mehr wie die Schweiz oder eine „bescheidene“ Republik wie Finnland oder Argentinien. Der Nervenkitzel des Imperiums zieht sich ähnlich wie beim Konsum von Crystal Meth schon lang hin. Jetzt kann die USA nicht einfach NEIN zur Droge sagen, obwohl der Konsum schon zu merklichen Symptomen wie bevorstehendem Zahnausfall geführt hat. Ein Imperium braucht einen Imperator, einen Kaiser. Nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung wird ihn persönlich kennenlernen. Aber jeder schaut genau darauf, was er tut.

Ja, liebe Leser, Imperien folgen verschiedenen Regeln und Mustern. Der durchschnittliche Bürger hat wenig Wissen darüber, was sich in den Hallen und Räumen der Macht hinter den Kulissen wirklich abspielt. Er hat wenig Einfluss darauf. Am Ende konzentriert sich die wahre Macht in den Händen einer besonderen Gruppe von Insidern:

Deep State

Alles in allem, im Kollektiv mag diese Gruppe zwar auch realisieren, dass das Imperium auf Untergangskurs ist. Der Punkt und entscheidend ist, dass rein individuell betrachtet die einzelnen Füchse, Zombies und Kumpels, die ja letztlich Deep State sind, wenig bzw. keinen Anreiz haben, ihr gieriges Verhalten zu ändern. Es ist wie bei einer Gruppe von Süchtigen, die alle Geld mit der gleichen Kreditkarte ausgeben. Sie können zwar sehen und wissen vielleicht auch, dass sie unter dem Strich pleite gehen werden, aber niemand will derjenige sein, der seine Ausgaben zurückfährt.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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3 Kommentare auf "Warum eine Rezession sehr wahrscheinlich ist…"

  1. bluestar sagt:

    „Ein Imperium braucht einen Imperator, einen Kaiser.“
    Und Kohorten von Lakaien, Schmarotzern, Kriminellen sowie korrumpierte Führer in den besetzten Prorektoraten samt eifriger Hofberichterstattung und Propaganda. Dazu noch Brot und Spiele für die Untertanen und fertig ist die Sicherung der Macht. Nur wenn die Gier des tiefen Staates zu groß wird und es im Herzen des Imperiums brodelt geht wird es etwas gefährlich.
    Dann müssen Angst, Orientierungslosigkeit, äußere Feindbilder, Terror und Bedrohungsszenarien die Untertanen gefügig machen. Für den Machterhalt sind Kriege und Verwüstungen, welche natürlich immer außerhalb Roms stattfinden, unerlässlich.
    Scheint so, als ob die Menschheit seit Jahrtausenden auf der Stelle tritt.
    Aber vielleicht gibt es ja bald eine App für Bewusstseinserweiterung und Überleben als Gattung…

  2. Michael sagt:

    Die Verlockungen eines Wirtschaftssystems welche mit den Gütern gleich die Gutscheine übergibt und nach der Rückübergabe der Gutscheine (abgebildet mit Geld) die Güter wegwirft kann nicht Bestand haben. Das hilft auch nicht Kredit zu verwenden um den Umfang der im Rahmen eines Einkommens übergebenen lokalen Geldmenge im Zaum zu halten.

    Eigentlich wird in unserer Übergabelogik an eine Insel übergeben auf der in einem Haus (ehem Dorf) steht, davor ein Ladentisch hinter dem ein Güterempfänger (Konsument) verweilt, genauso wie auf einem Betriebsgelände. Eigentlich liegen Münzen auf dem Tisch (Geldmenge im lokalen Markt) und die Schiffe der Hersteller kommen einmal im Monat vorbei und werfen ihre Güter auf die lokale Müllhalde in Wahrheit zusammen mit den Food Stamps.

    In Österreich haben wir im Gegensatz zu bspw. den Begriff der Hockn mit dem eine Geldmenge in Verbindung steht. .de kennt eher Arbeit = Beschäftigung und auch in den U.S. geht der Trend in diese Richtung, obwohl er eigentlich davon weggehen sollte. Wenn alle beschäftigt sind, dann kann keiner mehr sparen. Wenn alle arbeiten geht es einem selbst gut und die gelungen Aktivitäten in eine selbst gestaltete Zukunft. Marktwirtschaft verteilt die Ergebnisse gelungener Aktivitäten. Dafür bedarf es aber Geld und nicht die Abbildung des scheinbaren Rücküberreichen von Foodstamps (called EURO oder Dollar) and den Güterbereitsteller.

    Das kann auf Dauer nicht gut gehen.

    • Michael sagt:

      Hockn ist bei uns ein Metabegriff der sich wandelt. An der Besetzung sprich der Hinterlegung der mit Bedeutung lässt sich einfach erkennen, ob eher Arbeit en vogue ist oder eher das Verweilen auf einem Betriebsgelände. Der Begriff wandelte sich vom Betrieb (Ort an dem Aktivitäten gelingen) bis heute hin zur Ausnahme in der das Gelingen (lassen) einer Aktivität direkt anstrengend war.

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