Warum die Märkte pendeln

1. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Manfred Gburek

Kurz bevor der ehemalige Bundesbank-Präsident Axel Weber seinen Wechsel an die Spitze der Schweizer Großbank UBS verlauten ließ, äußerte er sich in der US-Wirtschaftszeitung „The Wall Street Journal“ zur Schuldenkrise Griechenlands und der EU…

Der Kern seiner Aussagen: Nicht allein Griechenland sollte durch eine Finanzreform ohne Wenn und Aber gerettet werden, sondern darüber hinaus auch die ganze Euro-Zone. Und dann Webers Clou: Am besten sei es, wenn die EU insgesamt für sämtliche Schulden Griechenlands garantiere.

Dem ließe sich nur noch hinzufügen: Willkommen in der Schuldengemeinschaft! Der Zeitpunkt für ihre Etablierung irgendwann in diesem oder im nächsten Jahr wäre ja gar nicht so schlecht gewählt, hat doch der Euro nach der vorläufigen „Rettung“ Griechenlands im Vergleich zum Dollar und sogar im Vergleich zum Gold temporär ganz ordentlich zugelegt. Die Versuche, ihn zu torpedieren, sind also einstweilen gescheitert. Dazu haben allerdings auch die USA in erheblichem Umfang beigetragen: zum einen wegen des andauernden Streits um die eigene Schuldengrenze, zum anderen wegen der offensichtlichen Amtsmüdigkeit von US-Finanzminister Timothy Geithner.

Wie geht es nun weiter? Bereiten Sie sich darauf vor, dass die anstehenden langwierigen Verhandlungen zur Bewältigung der europäischen und der amerikanischen Schuldenkrise bis auf Weiteres hin und her pendelnde Märkte mit sich bringen werden, und zwar bei Währungen, Anleihen, Aktien, Edelmetallen und Rohstoffen. Warum, liegt auf der Hand: Je nach Verhandlungsstand und Indiskretionen-Dichte wird das Pendel an den Märkten mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlagen. Das Aufkommen neuer oder das Wiederaufleben bisheriger Trends dürfte da bis zum September/Oktober auf sich warten lassen.

Was bis dahin mit dem Geld tun? Nichts, es am besten auf dem Euro-Tagesgeldkonto und in Form von Gold und Silber liegen lassen. Warum? Weil sich immer mehr abzeichnet, dass der US-Dollar als dominierende Weltwährung im Vergleich zum Euro, aber auch zu einem ganzen Bündel anderer Währungen an Bedeutung verliert. Hierbei handelt es sich zwar um einen schleichenden Prozess, aber ab und zu geht es aus dem Schleichgang in eine leichte Beschleunigung über. Das ist zurzeit wieder einmal der Fall. Auslöser ist die US-Schuldenkrise.

Die absehbare Folge: Die USA müssen höhere Zinsen zahlen, um ihre Staatsanleihen loszuwerden. Das wird die Renditen ihrer schon auf dem Markt befindlichen Anleihen in die Höhe treiben und Unruhe nicht allein an den Devisen-, sondern auch an den anderen Märkten auslösen. Dann kommen für Sie als Anleger Chancen, hier oder da günstig einzusteigen.

Das Umkippen von Märkten fand während der vergangenen Jahrzehnte auffallend oft in den Monaten August bis Oktober statt. Lassen wir die Ursachenforschung beiseite, zu der schon ganze Bücher geschrieben wurden, und nennen wir hier nur einige markante Wendepunkte: Crash im Oktober 1987 mit anschließender Erholung, Kuwait-Krise im August 1990 und Platzen der japanischen Aktien- und Immobilienblase, Asien-Krise von August bis Oktober 1997 mit begleitendem Sturz der Aktienkurse an den Weltbörsen, gigantische Fehlspekulation des Hedgefonds LTCM ein Jahr später mit ähnlichen Folgen an den Aktienmärkten, Ende der Goldbaisse im September 1999 wegen der von 15 Zentralbanken und vom Internationalen Währungsfonds beschlossenen Beschränkung der offiziellen Goldverkäufe, Pleite der amerikanischen Lehman-Bank im September 2008 mit anschließender internationaler Finanz- und Wirtschaftskrise… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Warum die Märkte pendeln"

  1. willibetz sagt:

    Andreas Popp von der Wissensmanufaktur weist in seinen Vorträgen immer wieder darauf hin,dass alle Länder,welche dem IWF beigetreten sind eine zu 80%Dollarunterlegte Währung haben.Sind die Debatten,welche Währung dem Dollar Konkurrenz bieten können damit nicht hinfällig?Herr Meyer hat den Euro mal als Klon des Dollars bezeichnet.Zielte Ihre Aussage darauf hin?Es ist nicht sehr einfach im Internet Antworten auf diese Frage zu bekommen,aber ich schätze Herrn Popp sehr und würde gerne wissen,was Herr Gburek/Meyer oder der Düsseldorfer von dieser Aussage halten.

  2. karlie sagt:

    ————bleibt es beim Umsortieren der Staatsschulden hüben wie drüben. Hüben ist der Anfang mit Griechenland gemacht, drüben sollten wir die nächsten Wochen bis Anfang August abwarten.———

    Ja, irgendwie ist das Ganze doch lustig.
    Die Ratingagenturen stufen die Griechen ab weil sie nicht genug sparen und den USA drohen sie mit Abstufung wenn sie die Schulden nicht erhöhen.

    Da muß wirklich noch einiges „umsortiert“ werden.

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