Warum die EZB mehr Anleihen kaufen wird

19. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Jeden November findet in Frankfurt traditionell die Euro Finance Week statt. Hier trifft sich die Prominenz aus der Finanzwirtschaft, zum Teil auch aus der Politik. Dieses Mal warteten alle gespannt auf die Rede von Jens Weidmann, trat er doch zum ersten Mal in seiner Funktion als Bundesbank-Präsident auf…

Er sprach von drei Herausforderungen, denen Europa sich stellen müsse: 1. Einzelne Länder sollten ihre hausgemachten Probleme entschlossen angehen. 2. Die Geldpolitik darf sich nicht mehr für finanzpolitische Zwecke vereinnahmen lassen. 3. Es muss zu einem politischen Richtungsentscheid über die Zukunft der Währungsunion kommen.

Klingt gut, ist vernünftig – und bleibt trotzdem nur ein Appell, dessen Umsetzung in die Tat illusorisch ist.

Zu 1: Die Menschen in Griechenland, Portugal, Italien, Spanien, Frankreich und anderswo lassen sich nicht gefallen, dass hausgemachte Probleme der Staaten (vor allem viel zu hohe Schulden) zu ihren Lasten gehen, und protestieren dagegen bis zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen.

Zu 2: Die Geldpolitik dient bereits so sehr der Finanzpolitik, dass ein Zurück unmöglich ist, mag EZB-Präsident Mario Draghi am Freitag in Frankfurt noch so vehement dagegen argumentiert haben.

Zu 3: Der politische Richtungsentscheid erfordert nicht nur die Einigung unter 17 Euro-Ländern einschließlich EZB, sondern auch, dass die 17 die Führungsrolle großer Länder wie Deutschland und Frankreich akzeptieren – mission impossible.

Doch das Leben geht weiter, die Euro-Krise ebenfalls. Zurzeit spitzt sie sich sogar wieder zu, weil – siehe Punkt 3 – die fehlende Aussicht auf einen politischen Richtungsentscheid spekulative Großanleger animiert, auf ein Zerbrechen der Euro-Zone zu wetten. Jetzt müsste, wenn schon die Politiker diesem Treiben kein Ende setzen können, wenigstens die EZB zum Gegenschlag ausholen. Sie wird es tun, daran besteht kein Zweifel.

Wie, hat Bundesbank-Präsident Weidmann in der erwähnten Rede beschrieben, und zwar in Form einer Warnung. Dazu zitierte er den Kobra-Effekt. Wörtlich: „Er ist benannt nach dem misslungenen Versuch eines britischen Gouverneurs, in Indien eine Kobra-Plage zu bekämpfen. Das auf Kobras ausgesetzte Kopfgeld bewirkte nämlich, dass die Bevölkerung begann, Kobras zu züchten und zu töten, um die Prämie zu kassieren. Und nachdem das Kopfgeld abgeschafft worden war, wurden die verbliebenen gezüchteten Kobras freigelassen, sodass es letztlich sogar mehr Kobras als ursprünglich gab.“

Derweil werden ernst zu nehmende Stimmen immer lauter, die nach mehr Kobras rufen, sprich, die EZB zu einer noch lockereren Geldpolitik auffordern. Ihr Argument ist bestechend einfach: Im Gegensatz zu 17 Euro-Ländern, die sich nicht untereinander einigen können und die eine einheitliche politische Führung vermissen lassen, sei die EZB imstande, souverän zu entscheiden. Wobei es darum geht, den Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB zu forcieren. Dafür müssten zwar deren Direktoriumsmitglieder einschließlich der 17 Notenbankgouverneure zu einem Konsens kommen, aber der ließe sich trotz einigen Widerstands – unter anderem durch Weidmann – zumindest mehrheitlich herstellen. Denn Frankreich, Italien, Spanien und die meisten anderen Euro-Länder sehnen den Aufkauf von mehr Staatsanleihen durch die EZB geradezu herbei… (Seite 2)


 

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5 Kommentare auf "Warum die EZB mehr Anleihen kaufen wird"

  1. Beobachter sagt:

    Was auch immer die Herren der Finanzwelt machen spüre ich jeden Tag in Form von Inflation. Im Supermarkt bekomm ich immer weniger für mein Geld, die KFZ Versicherung wurde grade um 50€ teurer und heute kam per Post die Meldung das ich bald 5% mehr für den Strom zahlen darf. XXL Aufschwung? Kommt bei mir leider nicht an, eher eine XXL Umverteilung weg von meinem Geld zu anderen.

    • FDominicus sagt:

      Kein Wunder den Märkte werden abgeschafft. Und für das wichtigste Gut nämlich Geld gibt es kaum noch einen Markt. Den gewisse Monopolisten können da schalten und walten wie sie wollen. Und damit ist die Inflation vorbestimmt.

    • Avantgarde sagt:

      Die Preise für das tägliche Leben sind gestiegen und die Lohnentwicklung hinkt seit Jahren hinterher.
      Dieses wie die letzten 10 Jahre gab es Reallohnverluste.

      Das „muß“ auch so sein weil wir alle ja so wahnsinnig stolz auf diesen blödsinnigen Titel des (Vizue)Exportweltmeisters sind.

      Denn nur mit niedrigen Löhnen können wir unsere Nachbarn an die Wand exportieren – anschließend dürfen wir sie dann fiskalisch retten.
      WELCH EIN WAHNSINN!

  2. mfabian sagt:

    Na ja, bleiben wir mal sachlich:

    Europa hat … :
    * Einen deutschen Papst
    * Einen italienischen Zentralbank-Chef

    Was also erwartet ihr?

    😀

  3. JayJay sagt:

    Die BadBank EZB wird unbegrenzt Anleihen aufkaufen, alles andere wäre eine Überraschung, auch wenn sich Deutschland noch wehrt. Irgendwann wird Deutschland einknicken oder als alternative die EU bzw. die Eurozone verlassen. Das sehe ich aber als sehr geringe Wahrscheinlichkeit.
    Desweiteren denke ich, wird es bis zur unbegrenzten Aufkauf von Schrottanleihen nicht mehr lange dauern, sicherlich noch in diesem Jahr.

    Gold & Silber Ahoi

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