Warum der starke Euro zu schwach ist und umgekehrt

29. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Wer sich am Wochenende auf die Jagd nach Ausverkaufspreisen im Sommerschlussverkauf macht, der sollte wissen, welche Sorgen dies dem Dienststellenleiter der europäischen Notenbank bereitet. Sinkende Preise sorgen den großen Vorsitzenden auf seinem langen Marsch ins Nirgendwo...

Die Hoffnung auf steigende Preise wird von vielen Autoren geteilt. Warum steigende Preise für den Bürger gut sein sollen bleibt generell offen. Keine Fragen, keine Lügen. Der beliebte Selbstversuch im Supermarkt kann jedoch schnell und sicher Aufschluss darüber geben. Werfen sie nach dem nächsten Einkauf einfach ein Zehntel ihrer Einkäufe in den Kamin. Wenn es Ihnen danach besser geht, schreiben Sie uns bitte einen Erfahrungsbericht.

In der Presse finden derartige Verirrungen meistens wenig Beachtung. Die Deflation müsse man halt bekämpfen, sonst komme doch eine Krise. Wie so oft wird das Sympton einer bestehenden Krise mit der Ursache einer künftigen Krise verwechselt. Aber warum sollte es auch anders sein in einer Zeit, in der es viele Menschen schaffen, auch eine Wechselkursveränderung nur aus einer Richtung zu betrachten. Gut für den Export, gut für den Export, gut für den Export. Was war noch mal mit den Importen und den Reisen ins Ausland? Viel zu kompliziert. Der Einfachheit halber werden künftig nur noch einseitige Medaillen hergestellt.

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Musterbeispiele für kompletten Unsinn finden sich in der Finanzberichterstattung reichlich. Ob diese aus Unkenntnis der Autoren oder anderen Faktoren resultieren ist für die Beurteilung der Qualität unerheblich. Oftmals beschreibt selbst das Wort „abenteuerlich“ die Texte manches Verfassers nur allzu ungenügend. Ein besonders hübsches Exemplar dieser Gattung findet sich im ausgewiesenen Fachblatt „Die Welt“.

Die Verfasser eines Artikels über den Euro vermitteln den Eindruck, vor der Arbeit einige amerikanische Actionfilme konsumiert zu haben. Vielleicht sind sie aber auch nur von ihrem eigenen Umgang mit großen Zahlen verwirrt. So klingt die Einleitung geradezu dramatisch.

(Die Welt) Amerikanische Hedgefonds und Großbanken wetten in unfassbarem Maße gegen den Euro. Allein in der letzten Woche legten sie 1,6 Milliarden Euro nach“.

Diese und weitere Milliarden wette die „Wall Street“ auf den „Abstieg Europas“. Insgesamt beliefen sich die Short-Positionen den Autoren zu Folge auf 15 Milliarden Euro. Die Spekulation auf fallende Kurse, liest man einige Zeilen später, habe „unerwartete Dimensionen erreicht“. Angesichts der doch eher unspektakulären Situation beim EUR/USD fragt man sich, wie die beiden Autoren wohl über die Kuba-Krise berichtet hätten… (Seite 2)



 

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6 Kommentare auf "Warum der starke Euro zu schwach ist und umgekehrt"

  1. Michael sagt:

    Handelt sich vermutlich um den Versuch Arbeit in Verbindung mit Geld zu bringen wie in sozialistischen Systemen durchaus gewollt so dargestellt. Weit ab jeder Realität in unseren Zeiten. Es wird ja auch dem Konsumenten vorgegaukelt, dass Produktpreise konstant wären.

    Menschen sind in Richtung auflaufende Kennzahlen konditioniert. In der Arbeitswelt gibt es eben Rhythmus 12mal im Jahr. Was sind Staatsanleihezinsen? Das Sparguthaben das man nie sieht 🙂 und das mittlerweile nähert sich erstaunlich (zwar noch nicht ganz) just jenem Teil der Geldmenge die notwendig wäre würde man die Sicht einnehmen man bekäme jeden Monat das selbe Packerl Tauschmittel auf den Tisch geknallt sofern der Einkommensbezieher es zuvor ausgibt.

    Aber Schuld an der Misere ist die Entwicklung des Tauschverhältnisses zwischen USD/EUR. Ganz klar… ein Schuldiger muss her.
    https://www.youtube.com/watch?v=wu9YCBxa0eg

  2. bluestar sagt:

    Wie immer grandioser Artikel vom besten Bankhaus was ich kenne.
    Der Marsch des großen Vorsitzenden mit seiner großen Vasallenhorde ins Nirgendwo hat nur das Ziel des Machterhalt um jeden Preis. Dabei wird es noch eine Unmenge an Kollateralschäden geben…

  3. MFK sagt:

    Es liegt mir zwar fern, den MSM zu verteidigen, doch ich interpretiere den Artikel der Welt anders. Natürlich gehört zu jeder Short-Postion auch eine Long-Position. Nun werden aber anders als die Short-Positionen die gegenläufigen Long-Positionen nicht von Hedge-Fonds gehalten (so jedenfalls wohl die These des Autors). Im Ergebnis will uns der Autor folgendes sagen: Hedge Fonds short, EURO fällt, was zeigt dass die hedge Fonds entweder überlegene Investoren sind oder aber über ihre Feuerkraft die Kurse beeinflussen können. Diese These hatten wir ja auch schon in anderen Bereichen (Rohstoffe). Dass natürlich auch diese These Unfug ist, möchte ich nicht unerwähnt lassen.

    • Michael sagt:

      Die Aufmachung des Artikels ist schon ein wenig blumig. Ich persönlich ‚wette‘ jederzeit gerne auf einen fallenden EURO.

      Bleibt die Frage welcher Eindruck der Artikel einem Leser hinterlässt der nicht ganz so geübt in der Lese und kaum auch nur eine Idee von Märkten hat und schon gar nicht von Devisenmärkten. Aus der Sicht steht, wenn man das über die letzten Jahre gebildete Sentiment berücksichtigt in der Breite, die bösen Spekulanten wetten im großen Stil gegen den EURO und versuchten ihn abzuschießen.

      Die Spekulanten machen einfach nur Geld, sie ziehen den Nutzen aus Bewertungsdifferenzen oder versuchen dies Zumindest.

      Der EURO wurde hochstilisiert zur Frage des Scheiterns EUROPAS und ist zu dessen Shejtan verkommen, da auch das ein Gelingen des EURO nie wurde in Verbindung gebracht mit dem Erblühen des Europ. Wirtschaftsraums. Der Mario Draghi ist jetzt eher der Priester der vor dem Demion warnt … müssen wir mal schauen, ob nicht Schatten am Foto zu finden sind. Das ist eigentlich die Message des referenzierten Artikel. Es wird ein Sturm kommen und die apokalyptischen Reiter formieren resp. reformieren sich am Horizont.

      Der EURO hat einmal geschwächelt gegenüber dem Dollar und das war zur Zeit der Umstellung auf den EURO – ob gewollt oder nicht – möglw ein ungünstiger Zeitpunkt zumindest nicht vorteilhaft dür .de. War es der Boom resp. die Phantasie in den U.S. oder aus anderen Gründen gewollt … die Kommunikation jetzt hat viel von der Zeit vor 2k. Es kann schon so sein dass bis 2020 durchaus wieder, wenn die 90er verdrängt sind, die Leut wieder reinfallen auf den Dollar und die Stimmung, so sie über den Atlantik überschwappt. Eher das ist ein fruchtbarer Boden für ungewöchnliche Tauschverhälntisse. Geld ist ja auch nichts anders als das ‚Recht‘ im weiteren Sinne beim Tausch im Rahmen von Transaktionen an der Bildung des Nenners oder Zähler teilnehmen zu dürfen.

  4. Bankhaus Rott sagt:

    Hallo MFK,

    möglicherweise liegen Sie mit der Vermutung richtig, und die Welt-Autoren wollen die von ihnen genannte These verbreiten, die natürlich Unfug ist. Die aufgelösten Hedge Fonds kann man allerdings nicht mehr fragen 😉

    Es ist schon verrückt, wie wenig offenbar in den Redaktionen über die beiden Seiten einer Position nachgedacht wird. So könnte man natürlich bezüglich der Long/Short Positionierung erzählen, dass jemand – wer auch immer – mit 15 Mrd. Dollar Long-Positionen auf den „Aufstieg der USA“ setzt.

    Beste Grüße
    Bankhaus Rott

  5. Max Josef Strauß sagt:

    Da fehlt nur noch die Live-Berichterstattung von der Kreditblase bei Roberto Blanco…

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