Warum der Goldpreis woanders viel schneller steigt

13. Januar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ach, in der Türkei müsste man leben! Oder in Mexiko. Nicht wegen des Wetters! Die Goldpreise dort steigen wie eine Silvesterrakete. Goldbugs bekommen feuchte Augen. Wir leben hier nur im falschen Land! Woanders fallen die Rekorde täglich. Nichts wie auf und dorthin!

Nein? Wieso nicht? Dort gibt es doch täglich goldene Festtage, wenn man alles richtig gemacht hat, also das Bare gegen Wahres getauscht hat, solange das noch was wert war. Schauen Sie mal in die Türkei: Wie stolz doch die türkische Lira früher da stand, also vor rund 30 Jahren. Seitdem hat der Goldpreis um 1,5 Millionen Prozent zugelegt. Na gut, die Lira hat gegenüber Gold entsprechend abgewertet. Die von damals sind nichts mehr wert.

Wir haben ja hier den Euro. Einer davon kostet derzeit vier Lira. Moment, war da nicht was?

Ja… der 1. Januar 2005… Damals fand in der Türkei die letzte Art von Währungsreform statt, ohne dass man das so nannte. Man strich einfach sechs Nullen der Währung. Für eine Million alter türkischer Lira bekam man eine neue Lira. Alles war schein-bar wieder gut. Und wo Reform darauf steht, ist meistens auch Betrug drin. Geschichte mag sich nicht wiederholen, aber sie reimt sich. Wie es aussieht, steht die türkische Lira in nicht allzu ferner Zukunft vor ihrem nächsten Schüttelreim.

Gold merkt sich das. Binnen zwölf Jahren hat die türkische Lira gegenüber dem Euro um mehr als die Hälfte abgewertet. Gold ist von 713 Lira pro Unze Gold auf jetzt 4.511 Lira gestiegen, also um 632 Prozent. Die Leute wissen dort schon, warum Gold mehr taugt als die Währung der Regierung. 

turkliragold

Wird die Türkische Lira wieder schwach, erstrahlt der Goldpreis. Mehr kann das gelbe Blech nämlich nicht. Und dann steigt es in dieser Währung. Aber Gold wird ja nur in USD gemessen. Was für ein Schwachsinn. 

Neulich appellierte Staatschef Erdogan an die Türken, ihr Gold und die ausländischen Währungen in Lira umzutauschen – nach dem Motto Gold und Dollar gab ich für Papier. Seitdem hat die Lira um ein weiteres Fünftel abgewertet. Tolles Geschäft! Nominal hat sich jedoch nichts getan auf den Lira-Scheinen. Wie überall in der Welt, sollte man der Regierung in finanziellen Dingen  misstrauen. Sie wollen nur das Beste der Leute… Geld als Steuer oder Gold und US-Dollar aus patriotischen Gründen. Und dann ihre Freiheit. Die Türken sind in geldlichen Dingen offenbar schlauer, denn sie sparen ihre Kaufkraft in Gold.

Was interessiert uns hier die türkische Lira, außer man fährt in den Urlaub dorthin? Das Prinzip ist das Gleiche. Die Weichmacher in einem Papiergeldsystem wirken in einem Land schneller als in einem anderen, aber im Prinzip in jedem Geld der Welt.

Auch Großbritannien macht Furore. Auf einer Banknote des noch Vereinigten Königreichs stehen noch immer 50 oder 100 Pfund. Wahrscheinlich wird sich daran in den kommenden hundert Jahren auch nichts ändern, nur daran, was man damit einkaufen kann. Das ist die große Unbekannte in dieser Gleichung. Nicht anders ist es hierzulande. Geldscheine sind geduldig, nicht aber ihr Wert. Denn sie haben gar keinen. Binnen eines Jahres ist das Pfund gegenüber dem Gold um 30 Prozent gefallen. Dabei ist es immer witzig, wenn man den Goldpreis in US-Dollar analysiert, selbst auf der süßen kleinen Insel.

Dort bekommt man heute 30 Prozent weniger Gold für seine Pfund, weniger Euros für den, der sie mag, weniger FTSE-Aktien und auch weniger Immobilien. Von wegen Bares ist Wahres!

Gold war 2016 die stärkste Währung der Welt, auch wenn man es immer anders liest. Wahrscheinlich kommt es darauf an, wo man wohnt. Auch die Goldbugs in Mexiko freuen sich ein zweites Loch in die Unze, ist diese doch allein in diesem Jahr um 9,3 und in den letzten zwölf Monaten um 34 Prozent teurer geworden. Am schönsten ist es derzeit wohl in Venezuela. Wir haben keine Ahnung, wieviele Bolivar man derzeit auf den Tisch legen muss, um eine Unze Gold dort kaufen zu können und ob es noch Gold gibt. Aber vielleicht ist es gar keine gute Idee in einem Land zu leben, wo Gold soviel kostet im Vergleich zum Normaleinkommen der Leute, trotz des Wetters.

Die Ursache ist überall in der Welt die Gleiche: Unsolide Staatsfinanzen und Falschgeld, was aus der Druckerpresse kommend, die Fehler wegdrucken kann… übergangsweise und auch hierzulande. 

Um das zu verstehen, muss man sich nur etwas auf den Kopf stellen, also nicht Papier als den Maßstab nehmen, sondern Gold. Und man muss Dinge ignorieren, die die „Lücken-Presse“ aus Platz – und Zeitmangel übergehen muss. Da heißt es verkürzt, Gold wäre ein Krisenmetall. Unsinn! Genauer genommen leuchtet Gold erst dann preislich auf, wenn die Währung die Krise bekommt. Selbst der US-Dollar, die angeblich stärkste Währung der Welt hat gegenüber dem Gold in den letzten Jahren gewaltig abgewertet. Warum wohl? 

Print Friendly

 

Schlagworte: , , , , , , ,

6 Kommentare auf "Warum der Goldpreis woanders viel schneller steigt"

  1. FDominicus sagt:

    Ich fasse das ganze kurz zusammen:
    Wer kein Gold hat, legt keinen Wert auf Vermögenserhalt. Punkt.

    Mir ist es inzwischen egal – mein Wunsch ist da und wird sich wohl so bald nicht ändern. Ich möchte Gold als Geld und ich möchte mit Gold aka Münzen bezahlen können. Wer eben € benutzen will soll das machen, solange ich es nicht mehr muß wäre es mir recht.

    Aber warum stoppen Sie bei der Türkei. Wie wäre es mit Gold in Bolivar, in Zimbabwe Dollar? Derzeit mit am „beeindruckendsten“ der Goldpreis in CHF aber trotzdem:
    http://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis/chf Auch hier in nur 15 Jahren 150 % plus was ungefähr 10 % im Jahr ausmacht.

    Egal mit welchem gesetzlichen Zahlungsmittel verglichen wird. ALLE haben gegen Gold verloren. Wie realistisch ist eine Änderung wenn man sieht wieviele Billionen neues Geld erzeugt wird?

    Mit die größte Lüge und Betrug auf dieser Erde sind Zentralbanken und Staaten mit ihren „Zahlungsmitteln“.

  2. Insasse sagt:

    „Um das zu verstehen, muss man sich nur etwas auf den Kopf stellen, also nicht Papier als den Maßstab nehmen, sondern Gold.“

    Das man die Geld-Welt nur verstehen kann, wenn man sich auf den Kopf stellt, ist eine gewollte Verkomplizierung durch „unsere Lenker und Denker“. Die wissen nämlich, dass die meisten Menschen dies aus Unfähigkeit nicht können oder aus Bequemlichkeit nicht wollen. Und deshalb können diese Menschen auch nicht verstehen, was mit dem von ihnen verwendeten Geld passiert. Die Profiteure dieser Verkomplizierung sind bekannt – allerdings auch nur den Leuten, die sich die Mühe machen, sich auch mal auf den Kopf stellen.

  3. Dominik sagt:

    Wenn ich so einen aufbauenden Artikel lese, fühle ich mich wieder bestärkt in meiner Entscheidung des letzten Jahres, mehr oder weniger all-in bei Gold und Silber gegangen zu sein.
    Ich interessiere mich noch nicht sehr lange für die Themen rund ums Geld- und Finanzsystem; bis vor 2 Jahren hätte ich noch gesagt, die Zentralbank ist für die Geldschöpfung verantwortlich (schön wär’s, da hätten wir weniger Probleme…).
    Nach gründlicher Recherche habe ich dann den Entschluss gefasst, meinen Bausparvertrag zu kündigen und bei ca. 1200$ die Unze (kurz vorm Brexit) in physisches Gold einzusteigen. Erstmal ging es Bergauf, bis dann die Talfahrt seit der Trump-Wahl folgte. Jetzt sind wir erfreulicherweise wieder ungefähr bei meinem Einstiegskurs. Auch wenn es nach meiner Meinung sicherlich das vernünftigste ist, langfristig in Gold investiert zu sein, kamen da zwischendurch schon einige Zweifel hoch.
    Danke für diesen tollen Artikel, diese Seite ist wirklich eine sehr gute Quelle, sich im Bereich Geldpolitik zu informieren. Weiter so

  4. Avantgarde sagt:

    Ich wiederhole mich da vermutlich: Aber aus eben diesen Gründen bin ich keinesfalls (wie manche Hartgeldler) an einem plötzlichen sehr hohen Goldpreis interessiert.
    Denn die Welt wird dann auch bei uns hier eine völlig andere sein.

    Gold ist ein industriell ziemlich nutzloser Artikel. Man holt es mit hohen Kosten aus dem Dunkel der Erde und verwahrt es anschließend auch wieder in einem dunklen Safe.
    Dennoch aber wird es seit vielen Generationen immer wieder in der Geschichte als Geld betrachtet.
    Logisch oder nicht – ist halt so.

    Man sollte etwas davon haben – aber es hoffentlich nie brauchen.

  5. Argonautiker sagt:

    Sicherlich sind die Edelmetalle ein wertigerer Wertespeicher als Papiergeld, allerdings hilft es einem in einer echten Krise auch nicht viel. Erst nach der Krise entfaltet sich das Potential eventuell wieder, und das Danach muß man erst mal erreichen.

    Man hat ja nun an dem eh schon immens fragilen Geldsystem mittels Gelddruckens weiter an der Stellschraube gedreht, um mehr Inflation zu erreichen. Das System ist allerdings träge, also hat man gedruckt und gedruckt und gedruckt. Nun setzt sie ein die Inflation.

    Die Frage wird sein, fängt sie irgendwann an zu galoppieren, die Inflation, und wird man dann wieder eine andere Stellschraube finden, und vor allen Dingen auch schnell genug zur Wirkung bringen können, um sie zu drosseln? Durch diese Planwirtschaftliche Stellschräubchendreherei schaukelt es sich das Finanzsystem schon seit einiger Zeit auf, bis es dann irgendwann wirklich zusammenstürzt. Man hat das Finanzsystem auf die Schultern weniger geladen, anstatt darauf zu vertrauen, daß das Verteilen auf Alle dem Lebensprinzip eher entspräche.

    Wenn die Märkte jedoch wirklich zusammenstürzen, und das werden sie, je monopolisierter man sie macht, passiert neben dem Wertverlust der offiziellen Währungen aber vor allen Dingen Eins, die Waren zirkulieren nicht mehr, da das Tauschsystem durch das Geld nicht mehr geschmiert wird, weil dem Papiergeld, dem man gemeinsam vertraut hat, nicht mehr vertraut wird.

    Wird Gold und Silber das dann aber gleich auffangen können? Wahrscheinlich nicht, weil man auch Gold und Silber nicht essen kann. Man wird sich also überlegen, ob man es gegen etwas wirklich wichtiges eintauschen wird. Was dann wirklich wichtig ist, wird da Regional sehr unterschiedlichen Charakter haben.

    Denn dort wo man Regional auf Einseitigkeit gesetzt hat, wird es besonders übel. Man sitzt dann an diesen Orten auf dem Produzierten, wird es aber nicht mehr los, und es kommt woanders auch nicht mehr an, sodaß man vielleicht Edelmetall haben wird, aber man kann damit trotzdem nur schwerlich etwas kaufen, weil eben nichts kaufbares da ist, weil es nicht vor Ort kommt.

    Da sitzen die Bauern in einem reinen Kartoffelanbaugebiet auf ihren Bergen von Kartoffeln, können sie aber nirgends zum Eintauschen hin transportieren, weil sie vielleicht kein Sprit haben, und anderswo sitzen sie auf Fässern von Sprit, haben aber keine Transportfahrzeuge um ihn zu nutzen. Etc, etc.

    Eine Währung die alle akzeptieren ist ja die Schnittstelle des Warentausches. Fragen Sie mal die Alten wie das bei dem Zusammenbruch der Wirtschaft war. Der Handel stockt, weil das Geld ihn nicht mehr zirkuliert. Dann nützt auch kein Edelmetall, wenn einfach nichts da ist, was sie brauchen um es mit Edelmetall kaufen zu können.

    Interessant in diesem derzeitigen aufschaukeln ist auch, daß der Euro sich nominal so langsam dem Dollar nähert. Was für ein Zufall aber auch. Da könnte man doch auf Ideen kommen. Es fusioniert doch derzeit alles was Rang und Namen hat, weil man meint, daß man der Krise durch monopolartiger Größe begegnen kann, warum also nicht auch Währungen. Das käme aber nichts anderem, als der Erschaffung einer noch größeren Geldmonokultur gleich, die eigentlich die Ursache für diese Krise ist.

    Handel hatte den ursprünglichen Sinn, das zu tauschen, was an einigen Orten zu viel ist und an anderen Orten zu wenig. Erschafft der Handel hingegen selbst wieder Zentren von künstlicher Monokultur, also Dominanz, dann zerstört er damit seine eigenen Sinn, den Sinn Ausgewogenheit herzustellen, und damit schwingt sich das Größerwerden immer mehr zu einem Wanken des Großgewordenen auf, das dann final wieder Zusammenbricht und sich dadurch wieder besser verteilt.

    Regionen, in denen autarkes Leben noch möglich ist, die also auf Vielfältigkeit, dem Prinzip des Lebens gesetzt haben, und nicht auf Massenhaftes, sind da wesentlich besser dran. Ich halte also ein Monokulturhaftes investiert sein in Edelmetall ebenso zum Scheitern verurteilt, wie alles Andere auch.

    • Avantgarde sagt:

      Nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten.
      Klar – wenn das totale GameOver stattfindet dann hilft freilich gar nix mehr. Allerdings auch kein autarkes Leben oder Kartoffelacker.

      Ansonsten aber gilt für Mexico, Türkei, Ukraine, Venezuela…… daß man mit ein wenig in Gold gespeicherter Kaufkraft wohl doch noch etwas anfangen kann.
      Zumindest hat man die Chance, daß man damit eine Zeitlang der Krise trotzen und vielleicht so das Tal besser als andere durchschreiten kann.
      Und irgendwann ist so eine Krise ja auch mal wieder vorbei – hoffentlich.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.