Warum der Brexit möglich ist

6. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die Dramatisierung der möglichen Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU hat derzeit Hochkonjunktur. Es ist bemerkenswert, wie viele wieder einmal ganz genau wissen, was exakt passieren wird, wenn die Briten sich vom Brüsseler Apparat verabschieden.

Deutliche Meinungen werden auf der Insel nicht nur von vermeintlichen Protestwählern, was auch immer das sein soll, geäußert. So verglich Boris Johnson, der Londoner Bürgermeister, den Austritt aus der EU mit dem Ausbruch eines Häftlings aus dem Knast. Auf Grund welches Vergehens die Briten im Knast gelandet sind, sagte er nicht. Man mag auf aktive Nachlässigkeit plädieren, fahrlässiger Beitritt sozusagen.

(The Telegraph) Boris Johnson exclusive: There is only one way to get the change we want – vote to leave the EU.

In Großbritannien wie auf dem Kontinent verändert sich seit Jahren die politische Landschaft. Der pointiert formulierende Nigel Farage von der UK Independence Party (UKIP) zeigt regelmäßig und massentauglich die Absurditäten des EU-Apparats und seiner Nomenklatura auf. Der Zuspruch, den die UKIP erhält ist enorm. In den Parlamenten zeigt sich dieser Zuspruch nicht, was am britischen Wahlrecht liegt.

Das kann man verteufeln, wir finden aber immer mehr Gefallen daran, wenn ein Parlamentarier seinen Wahlkreis gewinnen muss um ins Parlament zu ziehen. Mit den Listenplätzen, die sicherlich nicht nur auf Grund hervorragender Eignung vergeben werden, können wir herzlich wenig anfangen.

Auch ohne eine hohe Anzahl an Sitzen im Parlament hat die UKIP einen wachsenden Einfluss auf die britische Politik. Man sollte davon ausgehen, dass der hohe Zuspruch in der Bevölkerung genügend Potential hat, sich der von der Partei genannten Punkte zumindest in Teilen anzunehmen. Mit dem wachsenden Zuspruch, den die Partei erfährt, sollte eine wachsende Antipathie gegenüber Brüssel direkt korreliert sein.

Dazu gesellen sich viele Wähler anderer Parteien, die mit der EU und der zunehmenden Einflussnahme von außerhalb nichts anfangen können. Die Briten sollte man diesbezüglich nicht unterschätzen. Wegducken und Dinge einfach hinnehmen, mag dem Michel mittlerweile in die Wiege gelegt sein. Auf der Insel ist das sicher anders.

Die Wahrscheinlichkeit eines Austritts der Briten aus der EU wird gerne an einigen Wettbörsen festgemacht. Die Umfragen sehen derzeit wieder die Befürworter eines Austritts vorne, beim Buchmacher liegen die entsprechenden Quoten bei 3,5 für 1. Auf die Wettbörsen würden wir nicht allzu viel geben, auch wenn das Argument, wer Geld auf etwas setzt, nimmt die Sache ernster als jemand der nur an einer Umfrage teilnimmt.

Man sollte sich zunächst auch das Volumen anschauen, dass bei den Wetten platziert ist. Wir haben spaßeshalber bei einem großen Wettanbieter versucht eine nennenswerte Wette zu platziere. Wir erhielten den freundlichen Hinweis, die Wette sei auf ein paar Euro Einsatz begrenzt. Wir haben also nicht gewettet, aber von einem freien Markt mit freier Bildung der Quoten kann man bei derart albernen Restriktionen wohl kaum sprechen. Aber es war natürlich nur ein großer Wettanbieter, bei dem wir es versucht haben.

ukpoll

Das schöne am Wetten ist, man muss nur abwarten. Das Ergebnis kommt bestimmt. Vielleicht wird es auch so wie seinerzeit in Tallahassee. Aber das ist doch eher etwas für die US-Wahlen.

 

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3 Kommentare auf "Warum der Brexit möglich ist"

  1. Lickneeson sagt:

    In der Tat, ein Brexit ist möglich und wäre sicherlich eine Initialzündung für andere Staaten mal mit Brüsssel über bessere „Bedingungen“ zu diskutieren, oder vielleicht auszutreten. Was ein Brexit bedeutet kann ich mir nur vage vorstellen, die Motive kann ich teilweise gut verstehen. Auch dürften die Amerikaner in dem Falle deutlich mehr Einsatz „Resteuropas“ in der Nato einfordern und es nicht bei humatitärer/ pekuniärer Hilfe belassen. Zündstoff.

    Es wird wirklich Zeit, das man sich ernsthaft damit beschäftigt, weshalb europaweit „die Populisten“ so erfolgreich sind. Qualitativ kann man Nigel Farage sicher nicht mit Herrn Gauland vergleichen, entscheidend ist ja, das immer mehr Bürger für diese Botschaften empfänglich sind.

    Warum? Das Flüchtlingselend war nur der letzte Tropfen. Eigentlich wird immer mehr Leuten klar, das die Globalisierung vor allem dafür sorgt, dem Grosskapital wie VW- Manager u.ä. in geradezu absurder Höhe die Taschen vollzustopfen (spätrömische Dekadenz?), während der Pöbel sich über einen Mindestlohn nebst zwangsläufiger Altersarmut freuen darf.

    Da ist es fast ein Zwangsmechanismus sich nach den alten (nationale begrenzten) Zeiten zurückzusehnen. Das wird genauso wenig funktionieren wie die Rückabwicklung der Automatisierung oder des Internet. Es hilft wirklich nur ein neues, gründlich überarbeitetes Europa mit weniger Bürokratie, mehr Gerechtigkeit und gemeinsamen Gesetzen u. Steuern.

    Die Wahl 2017 wird auf jeden Fall interessant. Vor allem, wenn in 2 Wochen die Briten aussteigen.

    MfG

  2. Reiner Vogels sagt:

    Daß die EU insgesamt eine undemokratische Machtstruktur ist, wird von niemandem ernsthaft bestritten, auch wenn manche Politiker euphemistisch und verharmlosend vom „Demokratiedefizit“ sprechen.

    Daß ein einheitlicher europäischer Superstaat, der dann auch noch demokratisch ist, auf absehbare Zeit nicht möglich sein wird, sollte jedem einleuchten, der die unterschiedlichen Völker, Sprachen, Staaten, ökonomischen Strukturen und politischen Traditionen betrachtet.

    Angesichts dieses Sachverhalts stehen die Völker und Staaten Europas vor einer ganz einfachen Alternative. Sie lautet: Entweder Demokratie oder EU-Superstaat. Tertium noch datur!

    Als überzeugter Demokrat freue ich mich daher, daß überall in Europa EU-kritische Parteien an Zulauf gewinnen. Mögen die Altparteien diese Parteien als „populistisch“ beschimpfen und mit sie Haß und Hetze überziehen, die Wähler werden es besser wissen.

  3. JayJay sagt:

    Einen sogenannten Brexit oder andere Exit wird es nicht geben, dafür sorgt schon unsere allwissende, gottgleiche, unfehlbare, politische kaste in Brüssel, Berlin, Paris u.s.w.

    Den die Wissen was gut für den gemeinen EUDSSR Bürger ist und nicht die, welche an einen Austritt aus der Union der europäischen Sowjetrepubliken denken.

    Daher ein Hoch auf die EUDSSR, vorwärts immer, rückwärts nimmer.

    😉 (Ironie aus) 😉

    Gold & Silber Ahoi 🙂

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