Warum das 21. Jahrhundert ein einziger Flop ist…

26. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

In den kommenden Ausgabe des Tagebuchs wollen wir uns damit beschäftigen, warum aus unserer Sicht das 21. Jahrhundert ein einziger Flop ist. Zunächst wollen wir uns heute mit den hehren Erwartungen und Hoffnungen für das 21. Jahrhundert befassen…

Ja, liebe Leser, aus fast jedem Blickwinkel heraus betrachtet ist das 21. Jahrhundert – bis jetzt zumindest – ein großer, fetter Flop. Und das steht ganz im Gegensatz zum hoffnungsvollen Start in das neue Jahrhundert. In der Technik … Breitband-Internet, Mobilfunknetze und „Cloud“ … schienen sich neue großartige Möglichkeiten zu eröffnen.

Im neuen Jahrhundert sollte fast jeder unbegrenzten Zugang zu den Informationen, von denen der Fortschritt abhängt, haben. Es sollte dann ja nicht mehr nötig sein, zum MIT zu gehen, um zu lernen, wie man eine Atombombe baut. Alles steht ja im Internet!

Der Bedarf an altmodischen Ersparnissen, Ressourcen, Energie schien auch stark rückläufig zu sein. Das Wissen, das mit Lichtgeschwindigkeit um die Welt reiste, sollte alle alten physischen Barrieren durchbrechen. Die armen Nationen sollten nicht erst das Zeitalter der industriellen Revolution durchleben müssen; für sie war der Weg direkt ins Informationszeitalter geebnet und frei.

In der Politik hatte die Clinton-Regierung die Wachstumsrate der Staatsschulden reduziert … die Berliner Mauer war 10 Jahre zuvor gefallen … und George W. Bush wurde auf Basis seines Versprechens gewählt, als Regierung weniger störend zu agieren – vor allem in Übersee, wo er eine „bescheidenere“ Außenpolitik einforderte.

Auch in der Wirtschaft gab es Grund zum Optimismus. Nicht nur die neuen Informationstechnologien reduzierten die Kosten und versprachen schnellere Fortschritte, sondern auch die Corporate Governance verbesserte sich. Ein wachsameres Management und aktivistische Aktionäre drängten auf eine effizientere Nutzung von Kapital. Die diversen Zwischenhändler wurden nach und nach eliminiert, was den Weg von der Produktion hin zum Verbraucher verkürzte und die Preise senkte. Und die Globalisierung erlaubte den Ländern, das zu tun, was jeder am besten tat. Unter dem Strich wurde dadurch die weltweite Produktion weiter erhöht.

Für die Beschäftigung eröffnete das Internet neue Arbeitsmöglichkeiten auf der ganzen Welt; sie mussten nicht mehr physisch an der Wall Street sein, um die dicken Wall Street-Gehälter zu verdienen.

Ja, als das neue Jahrhundert startete, wuchs das US-BIP mit etwa drei Prozent pro Jahr… Gleichzeitig war die Arbeitslosigkeit in die Nähe von Rekordtiefs gefallen … die Aktienmärkte notierten auf einem Rekordhoch … die Finanzierung der Regierung stabilisierte sich … die Bedrohung durch Kriege war kaum vorhanden… und neue Technologie, reichlich Kapital und das Wissen aus 20 Jahrhunderten. Mit dieser Gemengelage konnte es eigentlich nur ein Super-Jahrhundert werden, oder.

Aber dann ging etwas schief. Oder, anders formuliert, viele Dinge sind schief gelaufen. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts reduzierten neue Technologien die Kosten. Aber diese schienen den Output nicht zu erhöhen. Käufer können Geld sparen, indem sie bei Amazon.com kaufen, aber das Unternehmen macht praktisch keinen Gewinn außerhalb des Cloud-Segments. (Die operativen Margen des E-Commerce-Geschäfts sind vernachlässigbar.)

Neue Technologie macht es möglich, alle Daten, Informationen und Unterhaltung, die sie haben wollen, in die Welt hinaus zu schicken und zu erhalten. Dies mag die Lebensqualität erhöhen. Oder auch nicht.

Es macht ein paar „Infrastruktur“-Unternehmen – Unternehmen wie Facebook und Google, die Benutzer mit Informationen und Werbung verbinden – sehr reich. Aber es schafft nicht die Art der Wirtschaftsleistung, die gute Arbeitsplätze schafft. Und normale Bürger (außerhalb von Silicon Valley) stehen danach nicht besser da.

Genau das Gegenteil ist der Fall: mehr als alles andere kann die neue Technologie ein Zeitverschwender sein. Es wird nun geschätzt, dass Amerikas Arbeitslose genau so viel Zeit mit den neuen Medien verbringen, wie sie in ihren Vollzeitjobs arbeiten würden, so sie denn welche hätten.

Schwache Wirtschaftsentwicklung

Das bringt uns zur Wirtschaft. Trotz der Wunder der neuen Technologie sind die Wachstumsraten gesunken. Während der achtjährigen, aggressivsten Geldpumpphase der Geschichte des Zentralbankwesens kam der Strom von neuen Gütern und Dienstleistungen nie über ein Rinnsal hinaus.

Jetzt ist das BIP-Wachstum – mit einer jährlichen Rate von nur 0,7% im ersten Quartal – fast zum Stillstand gekommen. Die durchschnittliche amerikanische Familie verdient heute kaum mehr als zu Beginn des neuen Jahrhunderts. Die Zahl der Eigenheimbesitzer ist auf das Niveau der 1960er-Jahre gefallen. Und es gibt jetzt in Relation zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter weniger Menschen mit Vollzeitstelle als vor 40 Jahren.

Männer leiden

Besonders schwer getroffen sind Männer mittleren Alters. Nicht nur, dass sie ihre Stellen im größten Ausmaß seit der der Großen Depression der 1930er-Jahr verloren haben; erschwerend hinzu kommt, dass sich infolge höheren Alkohol- und Drogenkosums und höherer Selbstmordraten ihre Lebenszeit reduziert hat. Mittlerweile versucht die Fed durch moderate Zinserhöhungen sich wieder etwas Spielraum, sprich Munition für die nächste Krise zu erarbeiten. Aber die Weltwirtschaft hat aktuell 215 Billionen Dollar Schulden. Das macht sie sehr anfällig für Zinserhöhungen.

Die Fed wird niemals in der Lage sein, noch viel weiter mit ihrem Zinserhöhungszyklus zu gehen. Sie wird gewungen werden, diesen bald zu beenden und wieder Notmaßnahmen zu ergreifen.

Schließlich war die Politik eine totale Enttäuschung. Statt eine bescheidenere Außenpolitik zu betreiben, begann Präsident George W. Bush den längsten, kostspieligsten und nicht zu gewinnenden Krieg der US-Geschichte. So „tief“ wie Bush Jr., Sohn eines Präsidenten und CIA-Direktor, konnte man nie in „Deep State“ gelangen. So war es nicht verwunderlich, dass er einen Krieg beginnen würde, bei dem nur Deep State Cronies gewinnen würden.

Dann wurde Barack Obama gewählt. Er versprach auch einen Richtungswechsel. Er sollte die Truppen nach Hause bringen und die sinnlosen Kriege in Übersee beenden. Aber er wurde entweder von Deep State sofort „gefangen“ genommen; oder es war schon zu Beginn seiner Kampagne klar, dass er ein „Deep Stater“ ist. Jedenfalls weitete er den Krieg im Ausland aus … und erhöhte das Niveau der Überwachung und Kontrolle zu Hause.

Ferner führte er eine gigantische Geldverschwendung im Gesundheitwesen ein, die den Staatsbankrott garantiert. Wenn die Baby-Boomer in den Ruhestand gehen, steigen die Kosten für Pillen und sonstige Ausgaben. Das kann man kaum oder gar nicht aufhalten.

Jetzt kam Herr Trump als aktueller Präsident mit dem gleichen Trick an die Macht. „Amerika wieder großartig zu machen“, das war der Tenor seiner Kampagne. Fast jeder glaubte auch, dass vor Obamacare, vor dem ewigen Krieg gegen den Terror, vor NSA und Homeland Security mit den ganzen Spionen, die uns überwachen und ausspionieren, Amerika auch großartig war.

Keine Wende in Sicht

Mr. Trump sagte so viele widersinnige und widersprüchliche Dinge, dass man nicht wirklich wußte, was er meinte. Aber nach drei Monaten im Amt ist klar, dass es keinen Richtungswechsel gibt. Obamacare wird nicht abgeschafft … der verrückte Krieg gegen den Terror geht weiter.. und auch die ganze Einmischerei, Wichtigtuerei und die Win-Lose-Deals der Cronies gehen weiter.

Tatsächlich ist alles nur schlimmer geworden und gekommen. Herr Trump scheint überhaupt keine Weisheit oder Feingefühl dafür zu haben, sich administrativ zurückzuhalten. So erbärmlich schlecht stehen wir also heute da. Wir sind im 17. Jahr des neuen Jahrhunderts und wir haben weniger Frieden, weniger Freiheit und weniger Wohlstand als am Ende des letzten Jahrhunderts.
Quelle: Kapitalschutz-Akte
Weitere Informationen: Investor Verlag

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2 Kommentare auf "Warum das 21. Jahrhundert ein einziger Flop ist…"

  1. markus45 sagt:

    Verwundert das ? Wir sind im Endstadium eines Wirtschaftssystems, das Menschen wegrationalisiert und daher vom Wirtschaftskreislauf ausschließt.

  2. Don_Juan_Matus sagt:

    Es kommt ganz auf den Stadpunkt an.
    Für die Superreichen war dieses Jahrhuntert ein sehr profitables und erfolgreiches!
    – Ein Raubzug toppte den anderen in neuen Höhen.
    – Der faschistische Staatsapparat ist nur noch Marionettentheater und zur Bevölkerungs-
    unterdrückung schon weitgehend eingerichtet und steht zum Einsatz bereit.
    – Medien sind schon (wieder) gleichgeschaltet und auf Nato-Kurs
    – Die Mutter aller Blasen ist prall aufgepumpt
    – Die Vorbereitungen zum Crash laufen auf Hochtouren und die Weichenstellungen für die NWO
    werden schon eifrig gelegt.
    – Kommunismus der Reichen eingerichtet
    – Alles läuft nach Plan…

    Nur leider ist es halt nicht der, der 99,9%.

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