Warum 2016 Weichen gestellt werden könnten….

3. Januar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Aus Anlass eines Jahreswechsels macht man sich instinktiv mehr als sonst Gedanken darüber, was das neue Jahr wohl mit sich bringen werde. Eigentlich ließen sich die Gedanken auch auf den Frühlings- oder Sommeranfang konzentrieren, denn die meisten Ereignisse kennen keinen Kalender.

Doch da wir den Jahreswechsel gerade hinter uns haben, nehme ich ihn zum Anlass für einige Reflexionen über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus. Dabei sollen die für die Geldanlage wichtigen Indikatoren und Anlageklassen in den Mittelpunkt rücken: Zinsen, Währungen, Aktien, Anleihen, Edelmetalle und Rohstoffe.

Die derzeitigen Zinsen sind im Grunde genommen ein Witz, allerdings weniger zum Lachen als zum Weinen. Denn ihr niedriges Niveau zerstört die Ersparnisse der Bevölkerung und untergräbt deren Altersvorsorge. Dass sie sich positiv auf Immobilien und im Prinzip auch auf Aktien auswirken können, ist nur so lange von Vorteil, wie diese beiden Anlageklassen keine Preisblasen bilden. Man muss sich schon jetzt ernsthaft fragen, wie übel die Finanzmärkte reagieren dürften, wenn das Zinsniveau stiege. So hat allein die geringfügige amerikanische Leitzinserhöhung vom 16. Dezember Irritationen ausgelöst, die bedenklich stimmen. Ein weiterer Zinsschritt nach oben, und die Kurse von Anleihen wie auch von Aktien rauschen nach unten.

Das gilt natürlich auch für die Eurozone. Wobei hier aus konjunkturellen Gründen allerdings keine Erhöhung des Leitzinses angesagt ist, sondern – mangels Zinsspielraum nach unten, weil die Null praktisch erreicht ist – der wilde Aufkauf von Anleihen durch die EZB. Deren Präsident Mario Draghi betont zwar immer wieder, mit seiner Geldpolitik innerhalb des Mandats zu handeln – eines Mandats, das er selbst ausgedehnt hat. Aber wenn das so weiter geht, werden wir es am Ende mit einer monetären Mandats-Staatsfinanzierung zu tun bekommen.

Zweifellos befindet sich Draghi in der Zinsfalle: Nach unten hat er mathematisch, nach oben mit Rücksicht auf die Euroraum-Konjunktur keinen Spielraum. Hinzu kommt, dass er es den starken wie auch den schwachen Euroländern recht machen müsste – ein Spagat, der nicht gelingen kann. Folglich hält er es mit den schwachen, also mit der Mehrheit der im EZB-Rat vertretenen Länder. Wie lange das gut gehen kann, bleibt sein Geheimnis und das seiner treuen Anhänger. Da er auf Zeit spielt, besteht die Gefahr, dass die bereits erwähnten Ersparnisse der Bevölkerung und deren Altersvorsorge geradezu vernichtet werden.

Janet Yellen, Chefin der amerikanischen Notenbank Fed, hat lange auf Zeit gespielt und den Leitzins im Keller gelassen. Nun ist er ein kleines Treppchen höher, und das bei einer ganz und gar nicht robusten US-Konjunktur. Wenn man amerikanische Aktien nach dem vorauslaufenden Index der Transportwerte oder nach ungewichteten Indizes verfolgt, befinden sie sich schon im Abwärtstrend. Insofern ist die Leitzinserhöhung Gift für die Börse. Auch für die deutsche, denn große Börsen funktionieren meistens nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren. Und noch eine Beobachtung: Der neue Leitzins hat keine nennenswerte Veränderung beim Dollar-Euro-Verhältnis ausgelöst. Das spricht dafür, dass erst weitere Erhöhungen den Dollar nach oben treiben könnten. Aber wird es wirklich dazu kommen? Zweifel sind angebracht, denn die US-Konjunktur sieht alles andere als rosig aus.

Wir haben es also mit zwei wackeligen Währungen zu tun. Und weil auch andere Währungen unter Führung von Yen und Yuan kräftig wackeln, wird es höchste Zeit, an die Konsequenzen zu denken. Prominente Beobachter der Szene sprechen bereits von einem Währungskrieg. Weniger martialisch kann man behaupten: Die führenden Wirtschaftsnationen der Welt legen es darauf an, ihre Währungen zu schwächen, um sich Vorteile zu verschaffen, sei es beim Export, sei es – und da wird es brandgefährlich – bei der Staatsfinanzierung auf Pump. Deren Erfolg hängt vom Gelingen der finanziellen Repression ab. Die läuft bekanntlich auf den über Jahrhunderte bewährten Trick überschuldeter Staaten hinaus, ihre Schulden mit entwertetem Geld zu tilgen.

Dazu bedarf es noch der Inflation. Die lässt sich zwar bei Konsumgütern und Dienstleistungen nicht herbeizaubern; aber Immobilien, Aktien und Anleihen sind längst von ihr angesteckt. Die führenden Notenbanken werden alles unternehmen, damit es zur Ansteckung kommt – wirklich alles, wie EZB-Chef Draghi stets betont. Dann wird die Stunde der Edelmetalle und Rohstoffe näher rücken.
Manfred Gburek – Homepage

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.