Warren Buffet: Ein glücklicher Münzwerfer?

13. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

„Niemand sollte sich für glücklich halten, bis er tot ist.“, sagte der athenische Staatsmann und Poet Solon. Der Mann, dem Solon diesen Rat erteilte, war der reichste Mann der Welt zu jener Zeit (im 6. Jahrhundert v.Chr.) – Krösus, König von Lidyen.

Krösus war sich sicher, der glücklichste, lebende Mensche der Welt zu sein. Aber er hatte herausgefunden, dass das Schicksal sich gegen einen wenden kann, ganz gleich wie reich oder wie mächtig man ist. Sein Sohn starb bei einem Unfall. Seine Ehefrau beging Selbstmord. Und er wurde gefangen genommen und bei lebendigem Leibe angezündet von Cyrus, König von Persien.

Und nun muss der arme Warren Buffet das Feuer spüren. Er ist 84 Jahre alt und der erfolgreichste Investor aller Zeiten. Respektiert. Bewundert. Beliebt, vor allem bei den Tausenden von Menschen, die er zu Millionären gemacht hat. Und selbst „so reich wie Krösus“. Erst kürzlich feierte er das Goldene Jubiläum mit seinem Investmentkonzern, Berkshire Hathaway. Was für ein Erfolg! Aus jedem Dollar, den er 1965 investierte, hat er heute 182.616 Dollar gemacht.

30 Jahre lang hatte er nicht ein einziges Mal einen 10-Jahres-Durchschnittsgewinn unter 20% p.a.. Über 50 Jahre hinweg liegt sein gesamter Jahres-Durchschnittsgewinn bei 21% – oder anders gesagt, mehr als das Doppelte dessen, was der S&P 500 aufweisen kann, inklusive Dividenden. Wenn Geld alles wäre, was zählt, dann suchte Warren Buffett nach seinesgleichen. In dieser Welt hatte er einzigartigen Erfolg; sicherlich hat er auch ein Erste Klasse Ticket in die nächste.

Geschick oder Glück?

Was ist denn, wenn das Schicksal, das ihn so viele Jahre lang angelächelt hat, plötzlich beginnt die Stirn zu runzeln? Diese Idee kam bereits im Jahre 1985 bei einem anderen 50jährigen Jubiläum auf – der 50-Jahres-Feier nach der Veröffentlichung von Benjamin Graham und David Dodds klassischem Buch über Value-Investing, „Security Analysis“. Dieser Anlass wurde für eine Debatte genutzt.

Auf der einen Seite gab es Michael Jensen von der University of Rochester, führender Verfechter der Effizienzmarkthypothese (EMH). (Zusammengefasst: Investoren können keine überdurchschnittlichen Gewinne machen, ohne überdurchschnittliche Risiken einzugehen). Jensen argumentierte, dass Buffetts Erfolg auf Chancen beruhte. Auf der anderen Seite stand Buffett… der argumentierte, dass Geschick und nicht bloßes Glück hinter seinem und dem Erfolg einer Gruppe ausgewählter Value-Investoren steckte.

Jensen begann, in dem er anbrachte, dass wenn man eine Nation von Münzwerfer habe, es immer auch einige wenige gäbe, die, durch schieres, stupides Glück, die eine Serie von „Kopf“ werfen und dafür als „Gewinner“ angesehen werden. Ja, sagte Buffett, doch wenn all diese Menschen, die diese Serien werfen, dieselbe Technik benutzen (Value-Investing), sollte einen das doch stutzig machen.

Das wäre so, als habe man eine ganze Stadt in der kein einziger Mensch an Krebs erkrankt ist: da möchte man doch wissen, was die so zu Abend essen. Buffett, der selbst Student Grahams an der Columbia Business School war, schrieb seinen frühen Erfolg gleichermaßen dem obengenannten Buch Security Analysis, wie auch Grahams Buch The Intelligent Investor, aus dem Jahre 1949 zu.The Intelligent Investor war sozusagen das Alte Testament in Buffetts Investment-Bibel. Das Neue Testament musste er selber schreiben, in dem er die Prophezeiung seines Mentor erfüllte.

„Der, der nach mir kommen wird, wird vor mir gewesen sein.“, könnte Graham gesagt haben… hätte er gesehen, dass sein junger Ministrant aus Omaha dies erreichen würde.

Dating oder Ehebund?
von Bill Bonner

Wie Buffett in seinem 50. Schreiben an die Berkshire Hathaway Aktionäre erklärte, war es Benjamin Graham, der ihm das „Cigar Butt“-Investment beibrachte. Die Idee dahinter ist es, Unternehmen zu finden, die Schwierigkeiten haben (sinkende Gewinnmargen, überholte Geschäftsmodelle oder ähnliches)… um sie extrem billig zu kaufen und einen einzigen “Zug daran nehmen“, so dass sie wieder zu ihrem inneren Wert wachsen können. Das hat ein paar Jahre lang wunderbar funktioniert. Doch dann ging Buffett über Graham hinaus.

Er fing damit an, die gesamte Zigarrenfirma zu kaufen. Anstatt lediglich auf den Preis zu schauen, wie Graham es machte, fing Buffett an, nach Unternehmen zu suchen, die zukunftsfähige Wettbewerbsfähigkeiten hatten. Wie Buffett es ausdrückt, würde er eher ein komfortables Unternehmen zu einem fragwürdigen Preis kaufen, als eine fragwürdige Firma mit komfortablen Preis. Dies war entscheidend dafür, dass er in der Lage war, extrem langlaufende Investitionen einzugehen.

In seinem jüngsten Bericht an die Gesellschafter drückt sich Buffett so aus: „Auch wenn Randgeschäfte, die man zu einem geringen Preis erstehen kann, als kurzfristige Anlage attraktiv sein können, sind sie die falsche Grundlage für den Aufbau für ein umfassendes und langanhaltendes Wirtschaftsunternehmen.“

„Einen Ehepartner auszuwählen verlangt selbstverständlich anspruchsvollere Kriterien, als die welche man benötigt, um einen (zeitweiligen) Partner zu finden.“ Dieser Fokus auf Qualität eines Unternehmens war ausschlaggebend dafür, dass aus Berkshire Hathaway eine solche Gelddruckmaschine für Buffett und seinen Partner, Charlie Munger, geworden ist. 36 Jahre lang haben sie ihre Münzen geworfen und jedes Jahr „Kopf“ getroffen… (Seite 2)




 

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Ein Kommentar auf "Warren Buffet: Ein glücklicher Münzwerfer?"

  1. Jean sagt:

    Hallo Bill,
    ich hatte bis jetzt viel gehalten von deinen Texten. Nur bei diesem bin ich sehr enttäuscht.
    Hier meine Kommentare:

    „…36 Jahre lang haben sie ihre Münzen geworfen und jedes Jahr „Kopf“ getroffen…“
    Sie haben keine Münzen geworfen, denn sie haben nicht spekuliert sondern nach fundamentalen Gesichtspunkte investiert.

    „…Und, nachdem er nie ein Verlustjahr verzeichnet hatte… Im Jahr 2011 lag die Rendite von Berkshire Hathaway bei 4%, 2012 waren es 15,7%. Dann ging es von 13,6% im Jahr 2013 auf 8,4% im Jahr 2014….“
    Darauf legt Buffett nie Wert. Er handelt immer langfristig (die Rendite muss nicht jedes Jahr bei 20% liegen aber langfristig und im Schnitt darf sie ordentlich sein). Die Kunst liegt daran unterbewertete solide Unternehmen zu kaufen und Geduld zu zeigen

    Glauben Sie mir ich kenne Buffett und Munger sehr gut, ich verfolge sie seit zwei Jahrzehnten.
    Wer die Buffettology nicht versteht sollte auch nicht blind darüber schreiben.

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