Warnung vor Warnungen

3. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

Glosse von Frank Meyer

Neulich baute ich einen Schrank zusammen. Auf der Verpackung für die Schrauben fand ich einen deutlichen Warnhinweis, man solle sich die Folie wegen Erstickungsgefahr nicht über den Kopf ziehen. Herrlich, als ob das zum Hobby für jedermann geworden wäre…

Auch die Schrauben sollte man besser nicht einatmen. Unser Alltag ist inzwischen voller Gefahren. Ist es nicht toll, wie toll man sich um uns kümmert?

…und trotzdem werden wir älter – was erklärt, dass das Wirken der Weltverbesserer eindrucksvoll ist. Sie kümmern sich um uns, weil wir dazu selbst nicht mehr in der Lage sind, glauben sie. Sie wollen immer nur unser Bestes. Und dann nehmen sie es sich das anderweitig weg. Aber darum soll es hier nicht gehen. 

Dumme Leute tun oft dumme Sachen. Die Zahl der Warnhinweise in unserem Leben lässt vermuten, dass entweder die Gefahren größer oder die Leute dümmer werden. Davor wird aber nicht gewarnt. Wenn sie einen Zentner Folie einatmen würde, vielleicht wäre die Welt dann danach wirklich besser. So aber werden die Leute abgehalten, das Richtige zu tun, das Falsche zu lassen und das eine mit dem anderen zu verwechseln.

Doch wir stehen erst am Anfang. Wenn es künftig jemand schaffen sollte, einen Schrank einzuatmen, wird vermutlich zeitnah auf allen Schränken davor gewarnt. Offenbar gab es früher einige Leute, die auch Feuerzeuge eingeatmet oder verschluckt haben. Normalerweise tut man das ja nicht, wie man das auch nicht mit Kaffeemaschinen und Mülleimern tut. Aber woher soll man das denn bitteschön wissen, wenn es ihnen niemand beibringt. Also tut man es.

Starbucks warnt inzwischen, dass der Inhalt eines Kaffeebechers heißt sein könnte. Aber das hat den Leuten auch niemand beigebracht, sonst würde ja davor nicht gewarnt. Auf den Verpackungen aus der Tiefkühltruhe müsste normalerweise auch vermerkt sein, man es zu Erfrierungen, zumindest aber zu Erkältungen der Hände kommen könnte. Und wenn man diese Produkte einatmet, können sie auch allerhand Schaden anrichten. 

Neulich habe ich im Baumarkt ein paar Blumentöpfe gekauft. Auch dort gab es Warnhinweise, Alpenveilchen, Primeln und Stiefmütterchen wäre nicht für den Verzehr geeignet. Dabei fehlte der Hinweis, dass die Blumenerde nicht als Kaffeeersatz taugt. Kommt aber noch! Und es gibt heute bestimmt Leute, die über ihre Primeln eine Salatsoße kippen. Anders lassen sich di Warnungen nicht erklären. Besonders schlimm, wenn es Fachkräfte inmitten des Fachkräftemangels tun.

Selbst ein Oleander war mit einem Warnhinweis versehen. Zum Glück! Aufgeklärt wie man heute ist, könnte der eine oder andere auf die Idee kommen, diesen klein zu schneiden und als Salat zu verspeisen – zur Freude der Ärzte und Rechtsverdreher. In Amerika könnte man damit heute inzwischen etliche Milliarden Dollar vor Gericht erfolgreich erstreiten. Ja, Unternehmen brauchen Rechtssicherheit. Ganz klar. Die Zahl derer, die auf die Lücken als Gelegenheit warten und dann Schrankwände einatmen, verhält sich proportional zum Pisa-Faktor. 

Gut gemeint ist jedoch noch lange nicht gut, aber das merkt man erst später. Sicherlich gibt es hier und dort den einen oder anderen, der Acrylfarbe auf sein Butterbrot streicht – oder mit einem Feuerzeug, dass er noch nicht eingeatmet oder verschluckt hat, den Füllstand seines Benzinkanisters überprüft. Ich vermute, seit es die vielen Warnungen in der Öffentlichkeit vor Stufen gibt, brechen sich die meisten Leute die Beine. Man hat den Eindruck, die Leute müssen inzwischen vor allem gewarnt werden. Nur vor sich selbst warnt sie niemand. Das wäre aber oft nötig.


 

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2 Kommentare auf "Warnung vor Warnungen"

  1. bluestar sagt:

    Nötig wären auch Warnungen vor der GROKO und dessen Sprachrohre, der EZB, dem Politbüro der EUdSSR sowie vor Nobelpreisträgern und dessen Kommandogeber.

  2. cicero sagt:

    Lieber Frank,
    die zunehmende Anzahl von Warnungen auf Produkten ist leider nicht unbegründet.
    Nur erreichen sie die steigende Anzahl von Menschen in unserer Bevölkerung nicht, für die sie geschrieben sind, da die Adressaten oft nicht mit der Kunst des Lesens vertraut sind.

    Kleines Beispiel aus meinem Betrieb im Jahr 2014.
    Ein Kunde möchte telefonisch etwas bei uns bestellen. Gefragt nach seiner Adresse, folgende Antwort: „Oh, das weiß ich gerade leider nicht. Man schickt sich ja selber selten ein Paket zu.
    Da muss ich mal eben gucken gehen…“

    Viele Grüße
    Cicero

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