War da was?

22. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Als der DAX am Donnerstag mal etwas fiel, wurden Erinnerungen an den Börsencrash vom 19. Oktober 1987 wach. Dieser feierte seinen 30. Geburtstag. Alte Hasen erinnern sich noch. Die jungen Hasen aber glauben heute, so etwas gibt es nicht mehr…

Was war passiert? Kurz flammte der spanische Katalonien-Konflikt auf und ein ganzes (!) Prozent Börsenwert war weg, aber kurz danach auch schnell wieder da. Man sagte, der DAX hätte das alles schnell verdaut. Kurzer Rülpser, und schon ging es weiter nach oben. Der DAX verdaut inzwischen so ziemlich alles wie ein Mastschwein und hat entsprechend Speck angesetzt. Unterdessen sterben die Minuszeichen aus wie hierzulande manche Vogelart. Junge Finanzleute erschrecken inzwischen schon, wenn sie irgendwo ein Minuszeichen sehen.

Der Dow Jones hat die 23.000er Marke erreicht, der DAX die 13.000er geknackt. Alle Warnungen vor einem turbulenten Herbst waren nur Börsenmärchen. Im Gegensatz zu früher ist heute alles ganz anders. Crashs sind nur noch theoretisch möglich, praktisch jedoch ausgeschlossen. Und sollte es mal scheppern, dann kommen die Notenbanken mit ihren noch dickeren Billionen um die Ecke geschossen. Darauf ist Verlass! US-Notenbankchefin Janet Yellen beteuerte neulich noch, dass wir zu unseren Lebzeiten keine Finanzkrise mehr erleben werden. Ich fand das witzig, wissen wir doch nicht, wie lange wir leben.

Man könnte/sollte/müsste einen Crash auch ganz anders definieren im neuen Normal, also ganz anders als noch vor 30 Jahren: Es gibt nämlich auch die beliebten Crashs nach oben. Da fallen die 1000er Marken erst nur im Wochentakt und dann aber täglich. So etwas kann man derzeit live in Venezuela beobachten oder früher schon in Argentinien und Mexiko. Nur hat dort kurz danach das Geld aufgehört, Geld zu sein.

Das Schöne an den echten Börsencrashs war immer, dass es an solchen Tagen mit dicken Schlagzeilen und tiefroten Kursen gute Einkaufspreise gab, wenn man die Party verlassen hatte, bevor der Schnaps ausging. In welcher Phase stecken wir? Sind die Börsen schon zu sorglos? Oder wird es erst noch verrückter, bevor es wieder normaler wird? Fragen Sie am besten nicht den Anlagenverkäufer Ihres Misstrauens, sondern Ihren gesunden Menschenverstand.

P.S. Andere Zyniker werden jetzt einwenden, dass, wenn die Börse jubelt irgendwo anders Mitarbeiter in den Unternehmen überflüssig bzw. arbeitslos geworden sind. Das war dann meist nur eine Umverteilung den Geldes von unten nach oben – also was Positives – für die Börse.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , ,

2 Kommentare auf "War da was?"

  1. Na, ja, alles hat ein Ende, nur die Wurst hat 2.

    Wir haben beim S&P 500 bereits jetzt den 2. längsten Bullenmarkt aller Zeiten. Der längste Bullenmarkt begann Anfang Dezember 1987. Gerade einmal 6 Wochen nach dem berühmten schwarzen Montag. Und er dauerte knapp 4500 Tage. (https://seekingalpha.com/article/3987722-2nd-longest-bull-market-history)

    Davon sind wir immer noch mehr als Tausend und Eins Nächte entfernt. Falls der S&P 500 nicht einfach einen neuen Rekord aufstellt. Oder Janet Yellen nicht doch Recht behält.

    Ich bin mir mehr denn je sicherer, dass das dicke Ende noch kommt.
    Und so unsicher wie noch nie, wann

    Alles im Niedergang, man
    Markus

  2. FDominicus sagt:

    Ich war damals schon mit dabei. Es ging das schon grob her, aber wenn man es von heute aus betrachtet war es eine Sache die recht schnell vorbei war. Was wird passieren wenn wir mal 4-7 Jahre fallende Kurse erleben werden. Nehmen wir mal an speziell Anleihen fingen mal an zu fallen…..

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.