Wann ist man reich?

28. April 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Im Rahmen einer Umfrage von Fidelity Investments wurden unlängst 1.000 Dollarmillionäre zum Thema Reichtum befragt. Die Ergebnisse sind – zumindest für Nichtmillionäre – erstaunlich. Während der Normalbürger mit der schönen runden Schallgrenze von einer Million recht gut leben könnte, legen die besser Betuchten die Messlatte höher.

Jeder der Befragten besaß mindestens eine Million US Dollar. Das mittlere Vermögen betrug allerdings $3,5 Mio. wobei die Altersvorsorgekonten und Immobilienvermögen nicht in die Berechnung eingingen. Wir sprechen hier also über Dollars, die mehr oder weniger direkt ausgegeben werden könnten. Satte 42% der Befragten sagten, sie würden sich nicht als wohlhabend bezeichnen. Respekt!

Die Frage, welcher Betrag denn nötig wäre, um diesem Umstand zu ändern, ergab im Median die Zahl von $7,5 Mio. Neben mehr als vierzig Millionen Menschen, die regelmäßig ihre Lebensmittelmarken in Empfang nehmen, gibt es scheinbar eine ganze Menge anderer, die den Begriff wohlhabend durchaus abgehobener definieren.

Diese Bescheidenheit bei der Beurteilung der eigenen Situation im Millionärsleben erklärt auch die nicht auf den ersten Blick ersichtlich Volksnähe der Parlamente in den Vereinigten Staaten. Wenn sich in der BRD gescheiterte Politexistenzen gerne als eine Art überbezahlter Vermittlungsclown in der Bankenbranche verdingen, kann sich ein großer Teil der US Parlamentarier ganz in Ruhe der Frage widmen, ob für sie der Zustand des Wohlstand bereits erreicht ist.

So arm das Land derzeit an strukturellem Wandel ist, so reich sind die beiden Kammern in den Staaten mit Dollarmillionären bestückt. Im Repräsentantenhaus sind es immerhin 39%, im Senat hingegen liegt der Anteil der Millionäre sogar bei satten 62%. Der reichste Senator ist ein gewisser John Kerry aus Massachusetts, sie erinnern sich vielleicht an den hochdekorierten Helden aus dem ostasiatischen Busch. Es ist eben der John Kerry, der gegen George Walker Bush in der Präsidentschaftswahl unterlag.

Im Repräsentantenhaus repräsentiert Jane Harman mit einem Vermögen von rund $397 Millionen immerhin einen Wohlstand, der dem mittleren Jahreseinkommen von mehr als 16.000 US Bürgern entspricht. Da dürfte sich so manches Mitglied des deutschen Bundestages mit dem dunklen, mittelgroßen Audi vorkommen wie eine schludrig aufgebrezelte Landpomeranze.

Die Tendenz zum Großvermögen ist scheinbar nicht dem kurzfristigen Zeitgeist geschuldet. Der Konzentrationsprozess bei Gehältern und Vermögen zeigt sich in allen relevanten Statistiken, sowohl beim Vermögen als auch bei den Einkommen. Aufschlussreich sind nicht die alljährlichen Veränderungen in der Gehaltsentwicklung.

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