Wann dämmert es?

21. August 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Wenn der Staat auch noch Bank spielt, wird es teuer. Die faulen Schiffskredite der HSH Nordbank hängen wie Mühlsteine am leeren Staatssäckel der Stadt Hamburg und von Schleswig Holstein bzw. am Hals der Steuerzahler…

Die Verursacher des Desasters sind straffrei über alle Berge verschwunden und die Anteilseigner der HSH bleiben auf dem Schaden sitzen.

Für fünf Milliarden Euro haben sie kürzlich einen Teil der Gespensterflotte der HSH abgekauft. Damit ist die Bank keinesfalls besenrein. Von faulen 16 Milliarden Euro sind noch elf Milliarden übrig. Doch nun gibt es gute Nachrichten (oder Absichten?) von der HSH Nordbank.

Ihr neuer Chef, oder auch Nachlassverwalter Stefan Ermisch, ist begeistert.

„Zugegeben, die Altlasten sind gruselig, aber die Kernbank funktioniert sehr gut und ist für den Norden wichtig.“

…sagte er in einem Interview. Wirklich? Na, da sind wir ja wirklich beruhigt. Er hätte sich eine größere Entlastung gewünscht, als die fünf Milliarden Euro, an denen sich Hamburg und Schleswig Holstein gerade verschlucken. Da kommt auf den Norden noch einiges zu.

Laut EU-Dekret muss die HSH bis spätestens 2018 verkauft werden und kann bis dahin mit frischem Geld noch etwas Bank spielen. Vielleicht für einen Euro? Gelingt der Verkauf nicht, wird sie abgewickelt. Das wäre dann die teuerste aller Varianten, sagte Ermisch und glaubt, dass das die Länder sehen. Noch teurer?

Vielleicht übernimmt ja die EZB den Laden, alle Schulden und die Schrottschiffe, wenn die Stahlpreise wieder steigen. Bis dahin feiern wir den Aufschwung, wo auch immer der stattfindet, nur die Schifffahrtsbranche wurde auch nach neun Jahren Dauerkrise nicht eingeladen. Kein Land in Sicht auf hoher See, wo sich die Wellen der Verluste noch höher auftürmen und später das Land und die Stadt finanziell überfluten. Auch diesmal sind die Defizite von heute die Steuern von morgen.
© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachhrichten

 

Schlagworte: , , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.