Wanderung der Köpfe: Warum es mehr Geld für Bildung nicht richtet

1. August 2013 | Kategorie: Auf die Ohren, Kommentare, RottMeyer

vom Smart Investor

Mehr Bildung durch Geld? Deutschland hat ein Problem – nicht nur eines. Aber eines wird im Wahlkampf besonders gerne artikuliert: Bildung. Zwar werden die Akzente, wie Bildung konkret auszusehen hat vor dem Hintergrund unterschiedlicher Weltanschauungen verschieden gesetzt, in einem sind sich aber alle einig…

Wir brauchen mehr Geld für Bildung, denn Bildung ist das Zukunftsthema schlechthin und die Voraussetzung für den Standort Deutschland. Wer solche Forderungen aufstellt, offenbart damit entweder eine gewisse Unredlichkeit oder hat selbst ein Bildungsproblem. Denn wäre Bildung tatsächlich so wichtig und zukunftsträchtig wie behauptet, dann sollten die Bildungsausgaben doch ganz oben auf der Ausgabenliste stehen und nicht immer erst da, wo gerade das Geld ausgegangen ist.

Angesichts von Rekordsteuereinnahmen des Staates sollte es bei richtiger Setzung der Ausgabenprioritäten also an genau einer Sache nicht fehlen: Geld für Bildung. Die Denkfehler in diesem Zusammenhang gehen aber noch weiter: Der Umstand, dass Bildung in Teilen der Bevölkerung überhaupt keinen Wert mehr hat, wird sich durch ein Mehr an Geld nicht korrigieren lassen – es fehlt ein Mehr an Einsicht. Denn für ein rohstoffarmes Hochlohnland wie die Bundesrepublik sind gut ausgebildete Arbeitskräfte eine schlichte Überlebensfrage.

Und da kommen wir bereits zum dritten Denkfehler: Entscheidend ist nicht der Vorgang des Ausbildens, sondern der Verbleib bzw. die Zuwanderung von Gebildeten und gut Ausgebildeten. Eine hervorragende Ausbildung bringt nämlich rein gar nichts, wenn die Anreize im anschließenden Berufs- bzw. Wirtschaftsleben so gesetzt sind, dass diejenigen mit überdurchschnittlichem Potenzial ihr Glück lieber jenseits der Landesgrenzen suchen. Manchmal lohnt es sich also, im anstehenden Wahlkampf etwas genauer hinzuhören – meistens allerdings nicht.

Brems- und Überholmanöver

Eine andere Worthülse, die beständig auf das Publikum abgefeuert wird, ist die der „europäischen Solidarität“. Ein großes Wort in dessen großen Windschatten sich in der EU klammheimlich wieder der gute alte Protektionismus breitzumachen scheint.

Bekanntlich knirscht es in der westeuropäischen Autoindustrie gewaltig und die großen Fahrzeughersteller haben eine regelrechte Rabattschlacht angezettelt, um mehr Käufer für ihre Produkte anzulocken. Das hinterließ Spuren in den Halbjahreszahlen. Selbst VW, denen es – etwa im Vergleich zu den südeuropäischen Herstellern – relativ sehr gut geht, sprach gestern von einem „schwierigen Marktumfeld“. Zwar war der Gewinn für das Halbjahr geschrumpft, im 2. Quartal konnte aber operativ(!) überraschend wieder etwas mehr verdient werden. VW-Aktien gehörten daher heute zu den stärkeren Titeln. Die Lage aber bleibt unübersichtlich.

Relativ übersichtlich ist sie dagegen beim französischen Autobauer PSA Peugeot Citroen. Auch dort sieht man zwar erste Anzeichen einer Erholung, das Zahlenwerk jedoch bleibt tiefrot. Da ist es praktisch, dass die EU gerade die Umstrukturierungsbeihilfen für den maroden Konzern in Form einer Sieben-Milliarden-Euro-Staatsgarantie genehmigt hat. Diese werde „keine allzu negativen Auswirkungen“ auf die Wettbewerber haben, meint man in Brüssel. Da durch das künstliche Überleben des Konzerns aber vermutlich insgesamt nicht mehr Autos gekauft werden, ist jeder gekaufte Subventions-Peugeot ein Auto, das in der Bilanz eines marktwirtschaftlich agierenden Herstellers fehlt – „keine allzu negativen Auswirkungen“.

Die französische Regierung hat sich zur Abwehr deutscher Auto-Importe noch einen weiteren Schachzug ausgedacht: „Der Umwelt zuliebe“ müssen vier Mercedes-Modelle in Frankreich erst einmal draußen bleiben. Die Zulassung wurde verweigert, weil in den Klimaanlagen dieser Fahrzeuge das falsche Kühlmittel zirkuliert. Ein Thema, das zufälligerweise in jenem Land eines wurde, das seiner kränkelnden Autoindustrie gerade so freundlich unter die Arme greift.

Nun ist die Marke Peugeot zwar kein direkter Konkurrent der Marke Mercedes, aber es dürfte hilfreich sein, jene luxuriösen Fahrzeugreihen zu diskreditieren, die man selbst gar nicht im Programm hat. Der „Neue Mensch“ fährt Kleinwagen. Ein Beispiel, das auch anderenorts Schule machen dürfte, zumal man den eigenen Protektionismus nicht so nennt, sondern als verantwortungsvollen Beitrag für das Klima kaschiert. Dabei haben die deutschen Hersteller gar keinen Grund so hoch auf dem Ross zu sitzen. Zwar wurde hier vieles früher und richtiger gemacht, aber die Nachfrageausfälle in der EU wurden im Wesentlichen durch entsprechendes Wachstum in den Emerging Markets und China (teil-)kompensiert – Länder in denen die wirtschaftliche Situation inzwischen auch einigermaßen angespannt ist… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Wanderung der Köpfe: Warum es mehr Geld für Bildung nicht richtet"

  1. Lickneeson sagt:

    Alle Jahre wieder wird zur Wahlkampfzeit der beliebte Phrasenmäher ausgepackt.Politiker aller Coleur entdecken ihr Herz für “ das was den kleinen Mann unter den Nägeln brennt“.Aus dem kleinen Mann ist in den letzten Jahren eher ein armer und frustrierter geworden.

    Themen wie Bildung, Kitaplätze und soziale Gerechtigkeit sind immer beliebt.Wer sollte etwas dagegen haben.Ähnlich hohl wie ein Sticker mit der Aufschrift „Ich bin gegen Atomkrieg“.Konkretes wird erst gar nicht hervorgeholt oder wird in diffusen Arbeitsgruppen so zerschwurbelt, das am Ende die Ausgangsposition als Erfolg verkauft wird.

    Nein, ähnlich dem Gebaren in der Schuldenkrise werden Probleme eben NICHT angepackt, sondern a la Christo neu verpackt und als erfolgreiches Krisenmanagement verkauft.Wäre die Autoindustrie nicht mit einer so starken Lobby verknüpft, würde wohl kaum jemand darüber reden.

    Wie gross die „Liebe“ der Politiker zum kleinen Mann ist kann man auch an der direkten und indirekten Geldentwertung ablesen.Rente unsicher, private Vorsorge wird durch Kapitalertragssteuer bestraft,
    Zinserträge über Lebensversicherungen und Spareinlagen ein Minusgeschäft.Leiharbeit wird zum Selbstzweck.Fragen Sie mal in einer mittelgrossen Stadt nach wieviele Zeitarbeitsunternehmen es gibt.Über ein Prozent des derartigen Angebots an Ärzten würde sich manche ostdeutsche kleine Kommune freuen.Bei gleichzeiter Stagnation der Kaufkraft seit ca. 20 Jahren sowie steigenden Mieten und Nebenkosten muss man sich langsam fragen warum überhaupt noch jemand wählen geht.

    Zur Wahl heisst da es wohl wieder :Ohren zu und durch – erwarten sollte man nichts.

    MfG

  2. sunshinegeorge sagt:

    zuerst einmal muss man sich fragen, was ist eigentlich bildung ?
    das auswendiglernen von zahlen, das unkritische nachplappern von managementweissheiten ? das absolvieren von unmengen an qualifizierungsmassnahmen ( mit entsprechenden zertifikaten )oder ist bildung vielmehr ?
    eines der ziele meines studiums ( lang ist es her ) war die erziehung zu kritischen demokraten ( im rahmen eines studium universales ) die herausbildung der fähigkeit und des willens zu denken in zusammenhängen und alles kritisch zu hinterfragen. ich bin überzeugt gerade das will man heute nicht.
    des weiteren denke ich das bildung nichts nutzt ohne das vorhandensein von entsprechenden ( und gut bezahlten ) positionen nach der weiterbildung.
    was nutzt es einem facharbeiter , zb fachkraft für lagerlogistik wenn er nach weiterer qualifikationen immer noch stapler fährt oder regale ein-und ausräumt, was nutzt es einem mitarbeiter in einem supermarkt wenn er nach weiterqualifikationen anschliessend an der kasse weiter im akkord verpackungen scannt…
    gruss georg

  3. Michael sagt:

    Die Wahl selbst dient dem Zweck der Findung von beschlussfähigen Kombinationen aus Einzelpersonen die repräsentativ für die Interessen der Bevölkerung stehen sollte. Es gibt Themen die aus der Bevölkerung kommen zu Gunsten der Mehrheit und andere die gegen die Interessen der Mehrheit durchzusetzen sind. Parallel dazu existiert die Parteienlandschaft. Parteien haben mal mit Demokratie an sich wenig zu tun. Sie klinken sich als Gatekeeper in Demokratische Entscheidungsprozesse ein.

    Falsch ist aber das verkauft Bild, dass Parteien respektive deren Vertreter Interessen des Individuums wahrnehmen. Das wird versucht über Themenkonformität mit einer Zielgruppe im Angebot.

    Nicht zu einer Wahl zu gehen ist mal nicht undemokratisch. Das heißt allein, man vertraut nicht mehr auf die Fähigkeit repräsentativer Demokratie bezogen auf eine spezifische Abstimmungsorganisation Entscheidungen im Sinne der Bevölkerung zu treffen. Ein überzeugter Nichtwähler kann auch auch ein Demokrat sein. Wenn der dafür Themen in das Sichtfeld der Öffentlichkeit bringt und die Gesellschaft ihre Schlüsse zieht, jeder für sich – dann braucht es auch keine Gesetz oder Regel.

    Wen man wählt ist nebensächlich. Daumen mal PI – ist das Thema für die Bevölkerung wichtig. Wahlenverfahren gehen halt davon aus, dass es genügt dass das Individuum sich mit seinen Themen wiederfindet.

    Bei einer Wahl geht es nicht darum, dass das Parlament die Interessen der Bevölkerung vertritt – das sollte sowieso das Interesse des Politikers sein. Es geht allein um die Fähigkeit einen Mehrheitsbeschluss zu fällen. Das sind 2 verschiedene Paar Schuhe.

    Die Wahlbeteilung sagt – Wieviel Einfluss soll Politik nehmen dürfen. Einfluss auf Gesetzte sollte sie in jeden Fall haben. Wenn ein repräsentative Demokratie mal soweit mit dem Staat einher geht, dass Gesetze erfunden werden, damit die Bürokratie ihre Existenz rechtfertigt, Anwälte von der Gesetztesflut profitieren und Politik die Gesetztesflut treibt – das ist das Endstadium. Das ist die Dekadenz.

    Zu der Globalisierung. Die Idee die ursprünglich verkauft wurde war. Die spezialisierten Volkswirtschaften verkaufen und transportieren ihre Produkte in alle Herren Länder. Das war es dann nicht. Und jetzt muss man halt die Köpfe zur ‚Fertigungsstätte‘ bringen. Teils geht das überregional. Am Ende wird sich jeder die Mitarbeiter die er braucht selbst ausbilden, selbst wenn bestausgebildete Ingenieure von Rumäninen nach China wanderen … Für .fr und .de bleibt der unterbezahlte in ständiger Konkurrenz zu Maschine und billigen Arbeitskräften überall wo anders stehende Industriearbeiter in jeder Qualifikationsstufe … mhhhh. Ob das gut geht … 😉 Für das Individuum existiert das Problem mit den Rahmenbedingungen in einer Volkswirtschaft allein im Kontext des Staatsbürger. Ein Landfläche auf der 90Mio Menschen wohnen ist nicht die Welt … Das Tor zur Welt ist am Walserberg.

    Mach Urlaub bei Freunden. Also nicht in Kentucky sondern Tirol beispielsweise – das ist zwar ähnlich aber uns verbindet die gemeinsame Sprache.

    Aber macht euch keine Sorgen – im Süden nichts neues. Erlaube mit Falco zu zitieren. ‚Wir hab’n die Medizin, der Dekadenz hab’n wir an Preis verlieh’n, dabei san wir moralisch überblieb’n‘ (Falco Wiener Blut – Nordösterreichisch)

    Die Medizin – Ein Vorschlag die deutsch – österreichische Freundschaft zu vertiefen. Nach der Wahl einigen sich Wien und Berlin auf einen neutralen Beobachter und entsendet diesen in den Bundestag und nach Brüssel – Kaiser Wilhelm III+ von Habsburg und etablieren den Maria Theresien Thaler Silberwährung als Ersatzwährung für den Euro. Illustre Anreicherung der Medienlandschaft in .de – Spree Demokratie. Finden die Alliierten und Brüssel vermutlich ungewöhnlich und verwirrt diese vermutlich im ersten Moment, aber eine neutrale Figur als Repräsentant der Belange des kleinen Mannes ginge der schon durch. 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen.

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