Wallstreet – das andere Hollywood Oder: Wann kommt die Kavallerie?

25. Oktober 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Die Geschichte der Bundesbank war über Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte. Ein Erfolg, der einigen Nachbarn offenbar zunehmend ein Dorn im Auge war, setzte die harte Deutsche Mark deren Währungen doch beständig unter Abwertungsdruck. Bundesbank und DM, sie mussten also weg. Im Gefolge der Wiedervereinigung bot sich die Chance, die ungeliebte „Wacht am Main“ zu demontieren…

Der Euro wurde geboren. Soweit die Geschichte. Heute ist die Bundesbank nur noch ein Schatten ihrer selbst. Eingegliedert in das EZB-System wird Geldpolitik zwar immer noch in Frankfurt gemacht, aber nicht mehr bei der Bundesbank, sondern ein paar Häuser weiter und ein paar Stockwerke höher, bei der EZB. Der Frankfurter Geist der Geldwertstabilität, er weht zwar noch, aber er wirkt nicht mehr. So paradox es klingt, je öffentlicher sich Bundesbankpräsident Weidmann für eine Rückkehr zur Stabilitätspolitik stark macht, desto augenfälliger demonstriert er damit, dass die Bundebank keinen bestimmenden Einfluss mehr auf die Gemeinschaftswährung hat. Wie schon zu DM-Zeiten vertritt sie eine Minderheitsposition – jetzt aber zahnlos.

Gesichtsverlust

Der Nimbus der einst hoch angesehenen Bundesbank ist also dahin. Und wie es so ist, wenn man einmal in die Defensive geraten ist, brechen auch jene Fragen wieder auf, die man einst, aus einer Position der Stärke heraus, noch an sich abperlen lassen konnte. Etwa die nach den im Ausland verwahrten deutschen Goldreserven. Natürlich wissen auch wir nicht, was damit los, was aber wirklich schlimm ist, die Bundesbank selbst weiß es offenbar auch nicht so genau. Denn Inventuren des Auslandsgoldes in Form von echten physischen Bestandsaufnahmen hat es offenbar noch nie gegeben. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Peter Gauweiler brachte diesen Stein vor ziemlich genau zwei Jahren mit einer Anfrage zu den Goldbeständen der Bundesbank erneut ins Rollen. Seiner Beharrlichkeit ist es zu verdanken, dass schließlich sogar der Bundesrechnungshof – als einer der zuständigen Prüfer der Bundesbank – aktiv wurde. Als Ergebnis forderte dieser nun die Bank auf, das Auslandsgold stichprobenartig zu überprüfen.

Goldiges Medienecho

Interessant ist, was unsere Flaggschiffmedien daraus gemacht haben: Schon im unmittelbaren Vorfeld dieser Entwicklung stimmte spiegel-online.de (SPON) seine Leser am 14.10. unter der Rubrik „Verschwörungstheorien der Wirtschaft“ mit dem Artikel „Das geplünderte Golddepot von Fort Knox“ auf die aktuelle Entwicklung ein. Dort wurde jeglicher Zweifel an der Werthaltigkeit und der Anzahl der vorhandenen Goldbarren ins Lächerliche gezogen – faktenfrei. Denn natürlich hatte auch Autor Diekmann keinerlei Einblick in die ausländischen Tresore. Offenbar traute man diesem Beitrag so wenig Wirkung zu, dass bei SPON nur 10 Tage später, also heute, Wolfgang Münchau mit der Kolumne „Die Gold-Michel vom Rechnungshof“ ran musste: Bemüht spricht er von „Goldkäfern“, „uralter deutscher Paranoia“ und meint „eine der amüsantesten Wirtschaftsgeschichten seit langem“ entdeckt zu haben. Aus der Verschwörungstheorie wurde nun also eine putzige Geschichte zum Mitlachen. Dumm nur, dass kaum einer bei Münchaus ungelenken Versuchen in Sachen Humor mitlachen will, schon gar nicht auf Kommando. Die Leserkommentare stellen seiner gehässigen Propaganda jedenfalls ein vernichtendes Zeugnis aus. Gewiss, uralte Paranoiker, was haben wir gelacht. (Seite 2)

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Ein Kommentar auf "Wallstreet – das andere Hollywood Oder: Wann kommt die Kavallerie?"

  1. JayJay sagt:

    Die gute, alte, ehrwürdige Bundesbank ist tot und begraben, sie möge in Frieden ruhen.

    Gold & silber Ahoi

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