Wall of Worry war gestern

21. April 2017 | Kategorie: RottMeyer

Von Bankhaus Rott

Vielen Anlegern steckt die Erfahrung der Aktienblase zur Jahrtausendwende noch in den Knochen. Die damals verbreitete Euphorie wird als Indikator gesehen, der zwingend einem Bärenmarkt vorausgehen muss. Wie der Einbruch 2008 und 2009 zeigt, kann man sein Geld auch ganz ohne vorherige Euphorie halbieren…

Schaut man sich verschiedene Sentiment-Indikatoren an, dann darf man wenn auch nicht von Euphorie so doch von einer schwer zu überbietenden Sorglosigkeit an den Aktienmärkten sprechen. Unabhängig ob man auf die verbliebenen Cash-Reserven der Fonds, auf die Margin-Debt oder auf die üblichen Umfragen unter Anlegern schaut, allenthalben befindet man sich in der Nähe historischer Höchstwerte.

Da dies zumindest in den USA auch für die Gewinnmargen und die Bewertung gilt, sollte man die gute alte Tabelle herausholen, wie viel man gewinnen muss, um bestimmte Verluste wieder wettzumachen.

  • Um 10% Verlust wieder aufzuholen sind lediglich 11,1% vonnöten.
  • bei 20% sind es dann schon 25%.
  • Bei 30% benötigt man bereits 42%.
  • Bei 40% Verlust sind es gar 67%.
  • 50% muss man sein Geld verdoppeln, um wieder beim Ausgangsniveau herauszukommen.

Nimmt man optimistische Erträge von 5% pro Jahr nach Kosten an so dauert es immerhin fünf Jahre um einen nicht sonderlich erschreckenden 20%igen Rückgang des Portfolios aufzuholen. Bei 30% Verlust muss man die Uhr spätestens gegen einen Kalender tauschen, denn es kann locker achteinhalb Jahre dauern, bis man wieder auf Los ankommt.

Viele Menschen überschätzen auf Grund der teils enormen Schwankungen innerhalb eines Jahres den oft geringen Raumgewinn, den der Gesamtmarkt am Ende wirklich schafft. Überschätzt wird hingegen auf Grund der auch medial munter begleiteten Auf- und Abschwünge am Markt die Stetigkeit der Kurssteigerungen. Aus den USA stammen diejenigen Aktienindizes, die über die längste Periode sehr positiv abschnitten. Dennoch macht auch der S&P 500 mal Pause. Manchmal auch etwas länger. So fanden sich die Kurse 1982 auf dem Niveau von 1968 wieder. 1974 fand man sich in etwa auf dem Niveau von 1959 wieder. Das Jahr 2009 brachte ein Wiedersehen mit den Niveaus von 1996 nachdem man sich zwischenzeitlich um 230% höher bewegt hatte. Vor zwölf Jahren stand der Index bei rund 1200 Punkten, heute notiert er bei 2350. Buchgewinne sind halt Buchgewinne.

Ohne das beliebte Beispiel Japans überstrapazieren zu wollen, seien die derzeit wachsende Gruppe der Freunde des passiven Anlegens daran erinnert, dass es durchaus möglich ist, auch nach 30 oder mehr Jahren noch lange nicht wieder am Ausgangspunkt angelangt zu sein. Wie in anderen Geschäftsbereichen liegt auch am Aktienmarkt der Gewinn im Einkauf. Auch beim passiven Anlegen ist der Anfangszeitpunkt durchaus relevant. Niedrige Gebühren sind wichtig, machen alleine jedoch nicht reich. Sie machen nur langsamer arm. Verdient werden muss das Geld abseits der Gebühren. 

Ausgehend vom aktuellen Niveau werden die Bäume vielleicht noch die eine oder andere Hungerblüte ansetzen. In den Himmel wachsen werden Sie auch dieses Mal nicht.

Print Friendly, PDF & Email

 

Schlagworte: , , , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.