James Rickard: Währungsabwertung im Trio

19. Januar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

James G. Rickards, der Autor von “Currency Wars“, argumentiert, dass sich der US-Dollar, der Euro und der chinesische Yuan in einem Tanz befinden, der sich gen Abwertung bewegt – zunächst gegeneinander und letztlich gegenüber dem Gold. Der nachfolgende Text erschien im englischen Original auf King World News. Die Übersetzung für Rott&Meyer erfolgt durch persönlich gegebene Genehmigung von Jim Rickards…

Von Jim Rickards, Übersetzung Lars Schall

Die anhaltende Finanzkrise in Europa ist die größte Finanz-Geschichte in der Welt von heute und wird täglich behandelt. Die Geschichten sind voll mit Untergangsstimmungen und Prognosen des bevorstehenden Zusammenbruchs der Währung und der Währungsunion. Unserer Ansicht nach sind die Euro-Staatsanleihen in Not und die europäischen Banken sind zumeist zahlungsunfähig, aber das bedeutet nicht, dass die Währung scheitern wird.

Die Anleihen, die Banken und die Währung sind drei verschiedene Sachen, und das Scheitern der ersten beiden bedeutet nicht das Scheitern der dritten. Die Gründe dafür ruhen auf der Tatsache, dass die USA, China und Deutschland in ihrem Wunsch nach einem starken Euro vereint sind. Die USA und China benötigen beide einen starken Euro, so dass die Europäer mehr von ihren ausgeführten Waren kaufen können, um das Wachstum aufrecht zu erhalten. Der chinesische Hebel rührt von der Tatsache her, dass sie den europäischen Rentenmarkt mit frischen Einkäufen stützen.

Der Hebel der USA rührt von der Tatsache her, dass sie die Dollar-Liquidität bieten, die Europa über Zentralbanken-Swapgeschäfte braucht. Deutschland hat erwiesenermaßen die Fähigkeit, bis in die 1970er Jahre und darüber hinaus zurückreichend, ein Export-Kraftpaket selbst mit einer starken Währung zu bleiben, und ein starker Euro eliminiert beinah den innereuropäischen Wettbewerb. In diesem Sinne ist der Euro der größte Verlierer der Währungskriege.

Die chinesische Wachstumsstory wird als so selbstverständlich genommen, dass die Märkte und Analysten Schwierigkeiten besitzen, sich etwas anderes vorstellen zu können. Tatsächlich aber befindet sich das chinesische Wachstum am Rande des Zusammenbruchs – etwas, dass die Welt und die Märkte noch nicht vollständig eingepreist haben. Das chinesische Wachstum wurde zu etwa 70% durch Investitionen angetrieben, die vor allem von der Kommunistischen Partei getätigt wurden. Zunächst konnte dies effizient sein, da die niedrig hängenden Früchte solch ziemlich produktiver Projekte wie Häfen und Straßen durch den Einsatz von Schulden geerntet werden konnten. Das Ergebnis war eine “Maschine” der Schuldenherstellung, Infrastrukturentwicklung, Konstruktionen, Arbeitsplätze, Vetternwirtschaft, Bestechung, Schmiergeldzahlungen und neue Projekte, die sich an sich selbst nährten und in immer weniger produktive und sogar Wohlstand zerstörende Projekte wie “Geisterstädte”, Brücken ins Nichts und Hochgeschwindigkeitszüge fortsetzten, die aus den Gleisen fliegen.

Dieser Prozess wird gewiss in einem Schulden-Debakel enden und die Führung versteht dies. Sie werden die Investitionen abklingen lassen und Bankschulden abbauen, während sie die Bankreserven erhöhen und Schatten-Kreditgeber abschalten, wenn sie können. Dies wird bestenfalls problematisch und zeitaufwändig sein, und schlimmstenfalls die Gefahr eines Investitionszusammenbruchs und Bankruns heraufbeschwören. In der Zwischenzeit wird der viel gepriesene chinesische Verbraucher feststellen, dass seine Ersparnisse zur Stützung der Bankbilanzen unterdrückt werden, so dass nichts mehr für den Konsum übrig bleibt. Das Ergebnis wird bestenfalls ein Wachstum für die nächsten 10 Jahre von 4% sein, oder im schlimmsten Fall ein Zusammenbruch.

In der Zeit könnte China womöglich sogar seine Währung abwerten, entgegen allen Erwartungen der Aufwertung, um dem Wachstum zu helfen. Der kumulative Effekt wird sein, das Wachstum aus Europa und den USA abzuziehen, womit sich die globalen Probleme von zu viel Schulden und nicht genügend Wachstum verschärfen. (Seite 2)

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