Währungs-Wirrwarr, China-Gold, Xetra-Gold

9. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek

Der Euro ist wieder mal im Gerede. Warum, dafür haben einige Aussagen von EZB-Chef Draghi während seiner Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag so manchen Hinweis gegeben. Zum Beispiel, man wolle beobachten, „ob die Aufwertung von Dauer ist“. Aber die wirklichen Ursachen liegen tiefer verborgen…

Der aus 17 ganz verschiedenen Ländern mit jeweils anderen Strukturen und zum Teil entgegengesetzten Zielen bestehende Euroblock ist und bleibt in sich gespalten.

Nun werden Sie einwenden, das sei schon beim Eurostart Anfang 1999 so gewesen. Richtig, doch seitdem wurde der Euro im Vergleich zum Dollar, zu anderen Währungen und nicht zuletzt zur einzig wahren Währung, dem Gold, derart heftig durchgeschüttelt, dass man nicht mehr die Maßstäbe von einst anlegen kann. Er startete schwach, tauchte von Anfang 2000 bis zum Herbst 2002 sogar unter die Parität zum Dollar, also unter den Gleichstand, und legte danach – wie zuletzt bis Donnerstagmittag – so manchen Höhenflug hin.

Dass der Euro während Draghis Pressekonferenz dann auf einmal abkippte, reiht sich zunächst nahtlos in dieses Bild. Zumal der EZB-Chef die Lage an den Finanzmärkten als verbessert, aber fragil bezeichnete und zur Eurostärke während der vergangenen Monate anmerkte, man müsse abwarten, ob sie nachhaltig sei. Allerdings konnte Draghi sich nicht verkneifen, Wechselkursziele zu kritisieren – ein versteckter Seitenhieb auf Frankreichs Präsident Hollande, der zuvor just für eine aktive Wechselkurspolitik plädiert hatte. Erst der offensichtliche Knatsch zwischen den beiden Herren lässt das starke Abkippen des Euro vom vergangenen Donnerstag plausibel erscheinen.

Dazu beigetragen hat natürlich auch die Diskussion über den möglichen Einfluss der Finanzminister auf die Geldpolitik der EZB. Das heißt, Schäuble könnte mit seinem französischen Kollegen Moscovici und weiteren Finanzministern eventuell bestimmen, was Draghi mit seiner Mannschaft zu tun habe. Die Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik im Euroraum ist ansatzweise ja schon vorhanden. In den USA gilt sie als selbstverständlich. Und in Japan hat die Regierung so heftig Druck auf die Notenbank ausgeübt, dass diese nachgegeben und den Yen mit ihrer Geldpolitik in wenigen Monaten drastisch abgewertet hat.

Seitdem macht ein Begriff Schlagzeilen: Währungskrieg. Manche Leute vergleichen die aktuelle Entwicklung der Währungen sogar mit der vor 80 Jahren, als es einen Abwertungswettlauf gab. Doch das ist ebenso übertrieben wie die martialische Metapher vom Krieg. Denn wir haben es heute mit einer Reihe etablierter Währungen zu tun, die alle ihre spezifischen Probleme mit sich herumschleppen: Der Dollar ist zwar immer noch die Leitwährung, aber wegen der lockeren US-Geldpolitik nicht mehr dauerhaft zu retten. Der Euro bleibt eine Fehlkonstruktion, solange starke und schwache Länder ihn als Währung haben. Das britische Pfund hatte seine beste Zeit im 19. Jahrhundert. Der Schweizer Franken kann sich seit 2011 nur mit Ach und Krach gegen die weitere Aufwertung wehren; derweil kauft die Schweizerische Nationalbank fleißig Anleihen und sogar Aktien aus dem Euroraum. Der Yen: siehe oben. Und Chinas Yuan ist immer noch nicht voll konvertibel.

Wir haben es also insgesamt mit einem derartigen Währungs-Durcheinander zu tun, dass ein neues Weltwährungssystem eher heute als morgen vonnöten wäre. Doch wenn schon innerhalb eines Währungsblocks, beim Euro, die Interessen Frankreichs und der EZB weit auseinander gehen, wie soll es dann zu einer weltweiten System-Einigung kommen? Ausgeschlossen. Daraus folgt: Bis auf Weiteres kochen alle ihr eigenes Süppchen. Bald werden Währungsunruhen in immer schnellerer Folge über uns hereinbrechen. Aktien, Anleihen und andere Wertpapiere werden im Verlauf der kommenden Jahre wahre Achterbahnfahrten durchmachen. Gold wird in neuem Glanz erstrahlen und auch die anderen Edelmetalle glänzen lassen. (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , ,

9 Kommentare auf "Währungs-Wirrwarr, China-Gold, Xetra-Gold"

  1. katzbuckel sagt:

    Nur zögerlich und mit Wissen um den mächtigen Finger des Moderators zögert man eigentlich, sich zu beschweren mit der Bemerkung:

    „Och, immer dieses Börsen- und Währungsgeschwafel!“

    Denn es handelt sich hier noch um ein einschlägiges Organ, das dieses Sujet behandelt.

    Und trotzdem drängt sie immer wieder aus dem hohlen Bauche nach oben, diese bestimmte Ahnung, dass eben dieser „Rendite – Filter“ in der Betrachtung Teil des Problems sei und nicht etwa zu dessen Lösung beitrage.

    Betrachte man doch nur einmal die Tatsache, dass z. B. in Spanien 50 % aller Jugendlichen ohne Arbeit und Perspektive ist. Dabei wird man es unter den Jungen wohl meistens vorziehen, kinderlos durch das Elend zu krabbeln. (Mit gleicher Tendenz in anderen Ländern des ablebenden Industriezeitalters klassischen Formates.)

    Solch eine Gesellschaft ist doch einfach fertig.

    Die saturierten Alten hingegen glotzen derweil auf den Börsenticker.

    Ist das nun auch wieder „off topic“, liebe Rottmeyers?

    Rate dringend, die tieferen Probleme in den Blick zu nehmen sowie -jetzt ist das Maß bestimmt voll- den ultimativen Selbstbezug zu beenden und das Haupt endlich aus dem Allerwertesten zu bringen.

    • samy sagt:

      „… das Haupt endlich aus dem Allerwertesten zu bringen.“

      Aha. Tolle Streitkultur.

    • wolfswurt sagt:

      Aufzufordern den Allerwertesten zu bewegen, führt nach Umsetzung zwar zu Bewegung bewegt aber nichts.

      Nichts hat sich an der Ursache verändert, egal durch welche Bewegung oder Revolution.
      Siehe DDR-Auflösung. Heute stehen wir wieder vor selbiger Systemstruktur.
      Siehe Tunesien oder der arabische Frühling insgesamt. Die Bewegung und das Geschrei auf der Straße waren enorm ohne etwas Grundlegendes zu verändern.
      Siehe Stuttgart 21. Der Aufstand war groß mit Abwahl der Regierung und die neue ist in den selben Strukturen gefangen wie die alte.

      Erfahrung hat man mit zunehmenden Alter und diese lenkt den Blick auf das Wesentliche: Revolution oder Aufstand führen zur Beseitigung der alten Ordnung ohne das in der nachfolgenden Ordnung eine andere Struktur entsteht.

      Es geht eben nicht um den Anstrich einer maroden Fassade sondern um deren Beseitigung.
      Nur handelt es sich im Wesen von Strukturen nicht um statische Bauwerke sondern um biologische Einheiten und Prozesse, welche nicht abzureißen und zu erneuern sind.

      In Ruhe denken, dann durch Handlungen verändern bewirkt mehr als Geschrei von einer Masse die im Wahn am Ende alles kurz und klein schlägt.

      PS.
      Auch eine 50 oder 100% Arbeitslosigkeit von Jugendlichen wird nicht verändert durch Bewegung und Radikalität auf der Straße, sondern nur durch denken und handeln in seinem persönlichen Lebensbereich.
      Seit wann schaffen Proteste auf der Straße Arbeit, Einkommensmöglichkeiten und Perspektiven?
      Persönliche Anstrengung, Leistungsbereitschaft und vor allem klarer Verstand führen zur Verbesserung der Lebenssituation.
      Die Masse schlägt in ihren Forderungen nach einem noch bequemeren Leben an Staat und Arbeitgeber die Grundlagen ihrer Existenz kurz und klein.
      Beispiele gibt es genug.

      Eine Gesellschaft die fertig ist, ist fertig, weil der Einzelne in ihr fertig ist.
      Stimmt man diesem Zustand zu, erübrigt sich natürlich logischerweise jegliche Aufforderung den Allerwertesten zu bewegen, da dieser ja auch dann einem Fertigen gehört.

      • samy sagt:

        Na ja, nicht der Allerwerteste sollte bewegt werden, sondern der Kopf aus dem Selbigen. Das unterstellt, dass dieser auch gegenwärtig dort sei. Mit welchem Recht? Da klingt es wieder durch, „ich weiß alles-ihr nix. Ich sehe alles – ihr nix.“

        Was kann und was soll so ein Blog eigentlich leisten? Haben Rottmeyer, Querschüsse usw. ein politisches Mandat oder bewerben die sich um eines? Nö, ansonsten wüsste ich das gerne!

        Sollen die Kommentatoren die Massen auf die Straße bringen?
        Vielleicht, vielleicht nicht.

        Aber für mich persönlich sind solche Bloge Leuchttürme. Sie warnen vor den Untiefen und Riffen. Kapitän auf seinem Dampfer muss schon jeder selber spielen, gerne auch mit Kopf auf den Schultern.

        Selbstgefälliges Leuchtturmbashing führt nur zur Schließung des Leuchtturms. Nicht zur Sicherung der Schiffsruten.

        Grüße

      • Halbwissender sagt:

        …leider muß ich mich den schwarzsehern anschließen,

        die strukturen sind immernoch dieselben, damit sich was ändert muß das wirtschafts und Währungssystem doch erst komplett gegen die Wand gefahren werden.

        Davon abgesehen sind solche Blogs doch in ihrer Leuchturmfunktion nicht zu unterschätzen, sonst würde man das geschafel des örtlichen Sparkassenverkäufer immer noch für bare Münze nehmen.

        Denn diese und andere Banken machen weiter wie bisher, und verkaufen ihre Kunden für blöd, bzw. den letzten Schrott an selbige.

        Falls jemand noch einen anderen blog kennt, der mit derart feinsinnger Ironie mit hang zum sarkasmus daher kommt kennt, doch bitte mal posten !

        Reine akademische Faktenhuberei ist zwar notwendig, aber auf Dauer doch auch sehr langweilig.

        Wie sagte Herr Meyer so schön: …man will die Wirtschaft ankurbeln aber die Kurbel ist ab.

  2. wolfswurt sagt:

    Erledigt

    Grüße

  3. Dagobert sagt:

    …[Text] Einfuhr nach China 2012 114 Tonnen…

    gemäss Vontobel a l l e i n im Dezember 114,4 Tonnen; Total 2012 sogar 834,5(!) Tonnen – was etwa 30% einer Welt-Jahresproduktion entspricht!

    http://vontobel.onvista.de/issuer_news.html?ID_ISSUER_GROUP=54101&ID_NEWS=6549612

    …die Verschwörungsleugner dürfen nun darüber streiten, ob es sich um Subvention, Entwicklungshilfe oder einfach billige Altmetall-Entsorgung handelt…

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.