Wahres Leben oft gewinnbringender als ein Studium

9. Juni 2011 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Wir wissen, dass Reichtum über Generationen angehäuft wird. Ich weiß das, indem ich mich nur umschaue. Meine Generation hat nicht viele der Häuser, die ich sehe, gebaut…oder die Felder urbar gemacht, auf denen Getreide angepflanzt wird…oder das Automobil erfunden, das Flugzeug, oder den Toaster. Wir haben diese Dinge geerbt, und noch viel mehr...

Ich weiß auch, dass man wahrscheinlich reicher sein wird, wenn man in New York geboren wird, als wenn man in Neu-Delhi geboren wird. Und ich weiß, dass man wahrscheinlich reicher werden wird, wenn man in eine reiche Familie in der Mitte Manhattans geboren wird, als wenn man in eine arme Familie in Harlem geboren wird.

Und dennoch – wie viele Menschen übernehmen die Verantwortung für den Reichtum ihrer Kinder? Wie viele überlegen, wie sie ihren Erfolg in die nächste Generation übertragen wollen…und darüber hinaus?

Es gibt viele Dinge, die mehr als eine Generation benötigen, um erreicht zu werden. Wenn man z.B. große Eichen in seiner Einfahrt haben möchte, dann denkt man besser in Generationen…oder man beginnt sehr früh. Olivenbäume können eine ganze Generation benötigen – 35 Jahre -, bis sie eine vernünftige Ernte liefern. Und dann können Sie Jahrhunderte leben.

Und was ist mit einer Fähigkeit, oder einem Ruf? Wie lange dauert das, sich einen Ruf als großartiger Bierbrauer zu sichern? Oder den eines großartigen Winzers? Eines großen Gitarrenherstellers? Oder den eines besonderen Bankers?

Nicht Jahre. Generationen.

Die Martin Familie begann im Jahr 1811, Gitarren herzustellen. Heutzutage hat jeder von Gitarren der Familie Martin gehört – und die Familie stellt immer noch welche her.

Die Beretta Familie stellt immer noch Pistolen her; sie begann damit im Jahr 1526.

Und die Rothschilds sind seit dem 18. Jahrhundert im Bankgeschäft tätig.

Die Lemoine Familie begann im Paris des Jahres 1772 mit dem Herausgeben von Büchern; das tun sie immer noch. Und die Hoshi-Familie in Japan betreibt seit 1.200 Jahren ein Hotel!

Natürlich sind das seltene Beispiele. Aber es gibt viele Geschäfte, die ungewöhnliche Vorgehensweisen erfordern, oder eine Art von spezialisiertem Wissen, das selten in der Schule gelernt werden kann oder innerhalb einer Generation. Die Eltern nehmen Hypotheken auf, um ihre Kinder in gute Schulen schicken zu können. Aber das Elternteil, das ein Kind dazu bestimmt, auf eine bestimmte Schule zu gehen, kann diesem vielleicht gar keinen Gefallen tun.

Allgemein wird geglaubt, dass Leute mit guten Abschlüssen mehr verdienen als Leute ohne. Statistisch gesehen stimmt das. Aber es ist irreführend. Das bedeutet nicht, dass jedes Individuum, das einen Abschluss erhält, mehr verdienen wird, als wenn er oder sie diesen Abschluss nicht gemacht hätte.

Alles, was es bedeutet, ist: Wenn man die gesamte Bevölkerung nimmt, dann haben durchschnittliche Menschen mit mehr Bildung tendenziell ein höheres Einkommen als durchschnittliche Menschen mit weniger Bildung. Ein Arzt verdient mehr als ein Schreiner. Ein Ingenieur mehr als ein Bauarbeiter. Aber eine durchschnittliche Person verdient ein durchschnittliches Gehalt. Offensichtlich gilt: Wenn man ein durchschnittliches Gehalt verdienen will, dann sollte man da sein, wo der Durchschnitt hoch ist…. (Seite 2)

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7 Kommentare auf "Wahres Leben oft gewinnbringender als ein Studium"

  1. Karl Napp sagt:

    Ich möchte mein Studium wieder zurückgeben – selbstverständlich nur gegen Erstattung der Kosten. Geht das?

    Am im ernst, wieder der kommerzielle Ami Käse. Schon mal was von Selbstverwirklichung gehört?

  2. samy sagt:

    Jup,

    und bei den vielen arbeitslosen Akademikern (u.a.) in den USA fällt mir Jim Rogers ein, der beklagt, dass das Durchschnittsalter des amerikanischen Farmers 58 Jahre ist.

  3. conan sagt:

    Hallo Herr Bonner,

    sehr treffender Artikel wie ich finde! Robert Kyosaki schreibt in seinen Büchern ganz ähnliches. Außerdem meint er, dass es zumindest für den erfolgreichen Investor besser ist wenig über viel zu wissen als viel über wenig.

    In eine ähnliche Kerbe schlägt Buckminster Fuller — Wider der Spezialisierung.

    IMHO ist dies auch ein großes Problem in der Gesellschaft und auch für die Industrie. Alle wollen Sie Spezialisten — die kennen aber nur IHR Fachgebiet und wirklich nichts drumherum… Das ist meiner Ansicht nach oft der Grund für so manche Fehlentscheidung. Hätten wir mehr Leute die sich in mehr Fachbereichen auskennen würden, würde das vielleicht nicht passieren.

    Für den einzelnen ist ein großer Schatz an Allgemeinbildung (und gesundem Menschenverstand) viel wichtiger als alles andere. Beides gewinnt man hauptsächlich durch Erfahrung. Nur dadurch wird man in die Lage versetzt gesellschaftliche Fehlentwicklungen zu erkennen und sein eigenes Handeln danach auszurichten. Verfügt man nicht darüber, läuft man Gefahr die Fehlentwicklungen zwar zu sehen, aber dann halt doch lieber auf den Rat der „Mainstream-Experten“ zu vertrauen. „Die werden’s schon besser wissen als ich kleiner doofer Otto-Normalbürger“.

    Gruß

    Conan

  4. Andre sagt:

    Was für ein guter Artikel!
    Stimmt in allen Punkten, allerdings hätten sich der Verfasser dieser wunderbaren Zeilen die Analogie mit den Rothschilds schenken können. Denn dies ist mehr als kontraproduktiv! Was haben wir den den Rothschilds und Rockefellern zu verdanken?

    Eines der größten Betrugssysteme der menschlichen Geschichte!

    Aber sei es drum. Das spiegelt auch nur meine bescheidene Meinung wieder.

    Leider ist Ihre beschriebene Meinung, der ich vollends zustimmen kann, nicht in der Gesellschaft angekommen.
    Für die Masse ist es immer noch viel wertvoller studiert(auch wenn nach neuartiger Bulimie Methode) zu haben. Eine gut fundierte Handwerksausbildung zählt da nicht sehr viel!

    So ist das nun einmal in dieser Gesellschaft! Aber wenn doch noch diese ungerechten Systeme kollabieren, dann wird sich zeigen wer auf das falsche „Pferd“ gesetzt hat. Ich bin ja schon neugierig wie die Versicherungsmakler Ihre Felder bestellen, oder die Banker versuchen eine Mauer zum Schutz vor dem aufgebrachten Mopp zu errichten – könnte spaßig werden.
    🙂

  5. holger sagt:

    @ Andre

    —>>>Eines der größten Betrugssysteme der menschlichen Geschichte!“

    Tja, das ist die größte Frage oder Aussage die man treffen kann. Ist es wirklich ein Betrugssystem? Ich habe mich nun durch etliche Seiten Literatur zu diesem Thema gewurschtelt. Und komme zu keinem Ergebnis. Je mehr ich darüber nachdenke, je öfter komme ich auf das Resultat, dass ich nicht ich wäre, wenn die „Hättiche“ und „Habichte“ nicht am Himmel kreisen würden. Zynisch? Ich weiß es nicht. Hat Schopenhauer nicht recht, wenn er auf die Frage, in einem Botanischen Garten bei Anblick eines Blattes und Studium einer Pflanze vom Aufseher gefragt wurde: „Mein Herr wer sind sie?“ antwortete: „Wenn ich das nur wüsste“.

    Schau mal… Murphys Law ist gran-dios. Hat ja der Meyer auch einen Fred gemacht. Da witzelte ich noch über @ lorandus wegen seiner, der Zugfahrt. Und prompt habe ich über 120 Minuten bekommen (am Mittwoch) Ziel Friedrichshafen in the ICE 599 (der kann sogar Rückwärts fahren). Weißt Du… da habe ich gelacht und an @rolandus gedacht, der nur 55 Minuten geschenkt bekommen hatte. Und wegen nachweislich unschuldiger Gurken um seinen Urlaub bangt. Aber der Hit war: Ich habe die Fahrkarte im Zug gekauft. Das kostet Aufschlag. Und ich habe sogar Trinkgeld gegeben. Die junge Dame (da war ich echt am überlegen 😀 ) gab mir sogar einen Gutschein über ein alkoholfreies Getränk später. Ganz freiwillig. ( da war ich immer noch am überlegen, wie die Bahn zu so einer kommt. Hach wär ich doch nur noch jünger). Naja, in Ravensburg habe ich dann, die 50% Rückerstattung eingetauscht. PS: Bahncard 100 Besitzer bekommen vermutlich nix 😀 42 Euronen habe ich „bekommen“ mit Bahncard 25. Hätte ich keine Bahncard, wären es 50 Euronen gewesen. Der, der das Formular ausfüllte/musste, nach einer herzhaften, „ernsthaften“ Diskussion, ging in den Modus Lachen über. Kann man so etwas verlangen von einem Angestellten im „öffentlichen“ Dienst, während der „Dienstzeit“? So betrügerisch kann das System nicht sein, wenn seine kleinsten Angestellten zum Lachen gebracht werden können. Und absolute Perlen Zugcheffin werden wollen und auch können.

    Also: Alles ist, manches kann sein. Kopf hoch.

    • Frank Meyer sagt:

      Vielleicht ist es auch nur eine Haltung, die man nach Prüfung der Dinge bekommt. Wer keine Haltung findet, kann auch keine Fehler machen. Und dann ist es vielleicht der größte Fehler des Lebens. Vieleicht ist das wie mit Ehen, Job. Wer keine Haltung findet, kann auch nichts revidieren.

      • holger sagt:

        Siehste Frank,

        das ist ja auch so ein Dingen mit dem „Fehler“. Heute bin ich echt dankbar, sie gemacht haben zu dürfen. Das hört sich zwar bekloppt an, ich kann darüber jetzt Lachen. Mit allen Konsequenzen. Und da kommen sie wieder die „Hättiche“. Ohne das was ich erleben durfte, wäre ich vermutlich nie auf Goethe gestoßen und andere. Revidieren… gutes Stichwort. Dafür wird man aber ein „Risiko“ eingehen müssen. Wo man aber auch nicht das Ergebnis kennt. Also im Grenzbereich sich bewegen. Dafür sind nicht alle geeignet. Eigentlich ist das ganze Leben ein Experiment. „Das Unmögliche zu denken, um das Mögliche zu schaffen“. In meinem paar Jahren, habe ich noch nie über „Sicherheit“ oder deren „Häfen“ nachgedacht. Junge… werde Beamter oder so, gibt es einfach für mich nicht. Gut, manchmal muss man auch Dreck „fressen“. Aber das komische daran ist, dadurch kann man ja auch Lehren ziehen. Und das sind auch wieder nicht die schlechtesten.

        Ich komme ganz einfach nicht zu einer Antwort. Vermutlich gibts auch gar keine. Vielleicht hat der Kölner ja recht: „Et kütt wie et kütt.“

        In dem Sinne: Guts Nächtle.

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