Wahnsinn in Unzen

20. Oktober 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man hört immer mal wieder seltsame Zahlen aus Studien zum Goldbesitz der Welt. Neulich staunte die Öffentlichkeit und wohl auch die Expertenschaft, denn nach einer Studie des World Gold Councils, dem Lobbyverband der Goldindustrie, sei Deutschland der größte Goldkäufer der Welt.

Jeder Deutsche kaufte im letzten Jahr, statistisch gesehen, 1,3 Gramm des gelben Metalls und damit mehr als die Türkei (0,9 Gramm) und sogar China (0,65 Gramm). Ist das nicht Wahnsinn in Unzen?

So haben die Deutschen im letzten Jahr 187,6 Tonnen Gold gehortet, davon 76,8 Tonnen in angeblich goldgedeckten und börsengehandelten Wertpapieren. Vor allem die bereitwillige Auskunft darüber erstaunt dann doch!

Mancher Experte schrieb von einem mysteriösen Goldboom. Wirklich? Genau betrachtet hat 2016 jeder Bundesbürger 43 Euro in Gold investiert bzw. sagenhafte drei Euro im Monat und damit weniger als für Butter oder Küchentücher ausgegeben. Die Deutschen lieben in Wirklichkeit weiter ihr zinsloses Risiko in Versicherungen und auf Sparbüchern.

Sie sparen trotz der Nullzinsen stur und größtenteils auf herkömmliche Art, was eher die Frage nach einem mysteriösen Papierboom statt Goldboom aufkommen lässt und man sich fragt, warum monatlich Milliarden in diese Sparformen fließt. 

Nach den Zahlen des World Cold Councils spielte bis zur Finanzkrise 2007/08 Gold hierzulande kaum eine Rolle. Damals lagen die Käufe bei 36 Tonnen und haben sich bis 2016 auf 134 Tonnen vervierfacht. Augenfällig war zu Beginn der Finanzkrise, dass die Leute erst dann Gold kauften, als die Banken und der Finanzmarkt schon längst brannten – nicht aber zuvor.

Die steigenden Goldkäufe der letzten Jahre allerdings sind noch Peanuts, und dennoch der Ausdruck eines steigenden Misstrauens in unsere Gemeinschaftswährung. Manche meinen ja, man sollte den Euro lieber ein paar Jahre früher in Gold oder auch Silber tauschen als eine Stunde zu spät. Da könnte was Wahres dran sein.

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