Wahnsinn der BaFin

26. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Am Donnerstag veröffentlichte der Bundestag den „Entwurf eines Kleinanlegerschutzgesetzes“. Er beginnt mit dem scheinbar bedeutungsschwangeren Satz: „In jüngster Zeit haben Anleger durch Investitionen in Vermögensanlagen erhebliche Vermögenseinbußen erlitten, indem sie in Produkte investierten, die nur einer eingeschränkten Aufsicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht unterlagen.“

Damit war der Donnerstag für mich gelaufen. Statt bei strahlendem Sonnenschein am Frankfurter Mainufer zu verweilen und dort wie gewohnt mit anderen Börsianern über Anlagestrategien zu diskutieren, kämpfte ich mich durch die 74 Seiten des Entwurfs. Je mehr Details mir dabei durch den Kopf gingen, desto wütender wurde ich. Denn der Aufsicht, kurz BaFin genannt, sollen zusätzliche Aufgaben übertragen werden. Doch damit dürfte sie ebenso wieder überfordert sein wie mit der Überwachung von Kapitalanlegebetrügern in der Vergangenheit.

Schon vor Jahren hatte sie mehrfach versagt. Weder war es ihr gelungen, die betrügerische Göttinger Gruppe an den Pranger zu stellen, noch hatte sie rechtzeitig vor dem pleite gegangenen Phoenix Kapitaldienst gewarnt. Was sie dann in ihrem Jahresbericht 2005 zum Fall Phoenix schrieb, muss auf die Betrugsopfer wie blanker Hohn gewirkt haben:

„Auch eine 2002 von der BaFin angeordnete Sonderprüfung ergab keine Anhaltspunkte für eine Unterschlagung von Kundengeldern oder sonstige Unregelmäßigkeit im Handelsgeschäft des Instituts.“

Zuletzt sind an die 75.000 Anleger durch die Anlage in Genussscheinen des Windkraft-Financiers Prokon um den größten Teil ihres Einsatzes von insgesamt immerhin rund 1,4 Milliarden Euro ärmer geworden, und wieder hat die BaFin sie nicht rechtzeitig gewarnt.

Nun mag man der Meinung sein, die Hauptaufgabe der BaFin bestehe weniger in der rechtzeitigen Warnung vor Kapitalanlagebetrügern, von denen die besonders raffinierten wahrscheinlich immer ein Schlupfloch für ihre dubiosen Geschäfte finden werden, als in der Überwachung des Massengeschäfts, zum Beispiel mit Lebensversicherungen und Fonds. Doch da tut sich bereits das nächste Problem auf, und dagegen sind die Verluste der Anleger durch Phoenix oder Prokon geradezu Peanuts. Nichts verdeutlicht dies eindrucksvoller als das Ergebnis einer Studie der Ratingagentur Moody’s, die deutsche Lebensversicherer als die risikoreichsten der Welt einstuft. Andere Ratingagenturen kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

In Kapitallebensversicherungen tickt eine Zeitbombe. Sie ist auf die seit Jahren fallenden und nun ganz unten angelangten Zinsen zurückzuführen. Das ist nicht neu, denn man weiß ja, dass es sich um Anlagen handelt, deren Ergebnisse zu etwa neun Zehnteln von Zinsen abhängen. Und weil diese so niedrig sind, wird das Problem für die Versicherer von Tag zu Tag größer. Das weiß man auch in der BaFin, doch der Aufschrei aus ihren Kreisen bleibt aus.

Stattdessen entbrennt jetzt bei der Bundesregierung eine Diskussion über mögliche Hilfen für Versicherer. Von der Verbesserung der Infrastruktur ist da die Rede. Der Bau oder die Reparatur von Straßen, Autobahnen und sonstigen Verkehrseinrichtungen soll gefördert werden. Versicherer als Financiers könnten die Profiteure sein – ein Tropfen auf den heißen Stein, zu klein und zu spät.

Zwar sind die Versicherer unterschiedlich betroffen, aber falls einer in Schieflage gerät, werden alle darunter leiden. Sie haben bereits 2002 die Auffanggesellschaft Protektor gegründet, die ähnlich funktioniert wie die Einlagensicherung der Banken. Ich bin sicher, dass Sie in nächster Zeit noch viel über die Protektor-Aktivitäten hören und lesen werden. Als Anleger mit einer Kapitallebensversicherung sollten Sie sich indes keinen Illusionen hingeben. Denn gegen niedrige Zinsen kann auch Protektor nichts ausrichten.

Die tickende Zeitbombe wird das ganze deutsche Altersvorsorge-System treffen – bis zur Riester-Rente, deren Löwenanteil auf Versicherungsverträge entfällt. Erst mit großem Abstand folgen die auf Fonds basierenden Verträge, dahinter die Eigenheimrente (der sogenannte Wohn-Riester) und weit abgehängt Banksparverträge. Daran kann man ein Mal mehr erkennen, dass Versicherer es verstanden haben, ihre Vertreter rechtzeitig auf potenzielle Kunden loszulassen. Am Ende werden die Kunden dafür mit schlechten Anlageergebnissen büßen.

Manfred Gburek – Homepage



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