Währungskrieg! Währungskrieg?

16. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek (Homepage)

Zackzack, und schon ist Chinas Währung Yuan (offiziell: Renminbi, kurz RMB) abgewertet. Das geht natürlich nur in einem Land, das solche Entscheidungen ohne langes Palaver zustande bringen kann. Aber es geht, und wie!

Westliche Kommentatoren hefteten dem Überraschungscoup gleich ein Etikett an: Abwertungswettlauf. Oder noch schlimmer: Währungskrieg. Mag sein, dass so etwas dabei herauskommt, doch allzu wahrscheinlich ist es im jetzigen Stadium nicht. Warum nicht? Weil China durch die Yuan-Abwertung nur eine von mehreren Stellschrauben bewegt, damit einerseits die Wirtschaft wieder in Schwung kommt und andererseits – noch viel wichtiger – der Yuan möglichst schon in absehbarer Zeit zur international anerkannten Reserve-, Investitions- und Transaktionswährung wird.

Wie soll das gehen?

Nun, es ist zum Teil schon gegangen, das heißt, auch andere Stellschrauben sind – weitgehend jenseits des westlichen Mainstreams – kräftig bewegt worden. Dazu nur zwei nachvollziehbare Beispiele: Der größte Teil des Yuan-Handels findet offshore statt, und zwar zu nicht weniger als vier Fünfteln über Hongkong, wo durchaus strenge Regeln herrschen, von denen sogar Handelsplätze wie Tokio, London oder New York einiges lernen können. Und nicht zu vergessen: Der 17. November 2014, als die Börsen von Hongkong und Shanghai einen Verbund bildeten, der es jetzt auch Nicht-Chinesen ermöglicht, in größerem Umfang als bis dahin sogenannte A-Aktien zu kaufen, die zuvor den Chinesen vorbehalten waren. Seltsam, dieses Datum hatten die meisten westlichen Medien nicht auf der Rechnung, wohl dagegen den jüngsten chinesischen Aktiencrash.

Der Westen sollte sich ohnehin von der Vorstellung verabschieden, in China gehe es wirtschaftlich überwiegend drunter und drüber. Gut, die von dort stammenden Statistiken sind mit Vorsicht zu genießen. Aber sind sie das nicht auch in Europa oder Amerika? Lassen wir doch einfach mal den üblichen Zahlenzauber beiseite und beschäftigen wir uns lieber mit den hochinteressanten Daten zum chinesischen Gold, denn diese Daten haben es in sich. China ist nämlich dabei, jenseits der internationalen Öffentlichkeit die eigenen Goldreserven massiv aufzustocken.

Wie das? Vorab: Offiziell hat das Land seine Goldreserven seit 2009 nur um 604 auf 1658 Tonnen erhöht. Davon waren Börsianer derart enttäuscht, dass sie den Goldpreis im Juli nochmals abwärts schickten – eine Fehlentscheidung, wie wir inzwischen wissen, denn der Preisrückgang ist einer Erholung gewichen. Insofern wird es spannend sein, zu beobachten, wie es weiter gehen und welche Rolle China dabei einnehmen wird.

In den vergangenen fünf Jahren hat das Land netto, also nach Verrechnung mit den Exporten, knapp 4000 Tonnen Gold importiert. Rechnet man die eigene Minenproduktion hinzu, ergeben sich annähernd 6000 Tonnen. Im Vergleich dazu wirkt die offiziell bekanntgegebene Erhöhung der Goldreserven um 604 Tonnen geradezu niedlich. Wie kommt es zu der relativ großen Diskrepanz? Ganz einfach, die fast 6000 Tonnen gehen überwiegend auf private Käufe zurück. Und es kommt noch dicker: Berücksichtigt man neben dem seit 2009 angehäuften chinesischen Gold auch das bis dahin vorhandene, kommen wir auf etwas unter 14.000 Tonnen – im Hinblick auf die Zukunft nicht schlecht für die Währung eines Landes, das sich anschickt, den Yuan international hoffähig zu machen.

Falls Ihre Anlagestrategie stark auf Gold ausgerichtet ist, erhalten Sie dafür mit den chinesischen Daten also eine wunderbare Bestätigung. Und falls Sie das Gefühl haben, noch nicht genug Gold zu besitzen, greifen Sie beherzt zu, am besten gestaffelt über einige Wochen oder sogar Monate. Zuletzt habe ich Ihnen immer wieder geraten, Geduld zu bewahren, wenn der Goldpreis sich zwischenzeitlich enttäuschend entwickelte. Von nun an zahlt Ihre Geduld sich aus. Wie lange und wie hoch wird der Goldpreis steigen? Niemand weiß es. Aber um Ihnen wenigstens einen ungefähren Anhaltspunkt zu geben: Einige Jahre dürfe der Anstieg schon dauern, natürlich immer wieder mit Unterbrechungen. Und nach oben gibt es keine Grenze; denn aus guten Gründen kann man davon ausgehen, dass der internationale Schuldenberg als wichtigster Treiber des Goldpreises weiter wachsen wird.

 

Ein Kommentar auf "Währungskrieg! Währungskrieg?"

  1. Manuel sagt:

    Bin auf weitere Beiträge gespannt!

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