Wählen, weinen, weiterwursteln

6. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Nachdem die etablierten Parteien nach der Europawahl erneut ein bisschen weniger etabliert sind als voher, nehmen die Veränderungen in Europa ihren Lauf. Ebenso wie Grenzen sind auch die Verhältnisse der Parteienlandschaft nicht statisch. Man darf auf die ersten Panikreaktionen gespannt sein …

Nach Jahren der Warnungen vor dem Weltuntergang, sollten es unerwünschte Parteien ins Europaparlament schaffen folgte nach der Europawahl zuerst trotziger Katzenjammer und dann das Schwingen der Extremistenkeule. Ganz schön tolerant zeigten sich da die Friedensengel, aber bei anderen Meinungen muss halt auch mal Schluss sein mit dem Respekt.

So dürfte ausnahmsweise auch eine schwierige Kindheit nicht als Ausrede für Andersdenkende ausreichen. Schließlich handelt es sich bei der Diskussion möglicher Alternativen zur Einheitswährung nicht um eine harmlose Messerstecherei (selbstverständlich ohne Tötungsabsicht). Vielmehr ist diese Kritik  nicht mehr oder weniger als das Rütteln an den Grundfesten der freiheitsliebenden EUdSSR, die sich von schlimmen Nichtmitgliedern der Eurozone wie etwa Schweden oder der Schweiz absetzen will. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder Dahergelaufene mit nur einem Fünftel der Wählerstimmen meint, er müsse die „Friedensmacht Europa“ mit seiner Meinung belasten.

Undank ist der Welt Lohn klagen die selbst ernannten Friedensparteien, aber frei nach Lenin wird man auch die widerspenstigen Falschwähler, die „Europa nicht verstanden haben“ auf die eine oder andere Art zu ihrem Glück zwingen. So manch trotzige Äußerung von Politikern der zweiten Reihe riecht allerdings ein wenig nach Panik. Ist es die Angst, dass sich die Dienerei der letzten Jahre nicht gelohnt haben könnte? Da robbt man jahrelang die dunklen Gänge der Parteihierarchie herauf, hält sich an die Kaderdisziplin nur um dann festzustellen, dass die eigene Partei nicht genügend Sitze erhält, um auch den unbekannten Kadern über Listenplätze das monetäre Gnadenbrot zu sichern.

Der Vorwurf, es gebe noch Menschen, die „Europa nicht verstanden“ hätten, zeigt nur die Hybris langgedienter Parteimitglieder, die sich wohl aus dem Dauerjubel im eigenen Nest nährt. An großen Wahlerfolgen kann es jedenfalls nicht liegen. Wem jedoch daheim auch beim größten Unfug nicht widersprochen wird, der tut sich mit Kritik von außen halt schwer. Da schreit man auch mal mit 200 Puls und verzerrter Mine in der Gegend herum und behandelt die Wähler wie pubertierende Jugendliche. Das ist zumindest respektlos, wenn man es ganz höflich ausdrücken will.

Während man bei einer Friedensdemo die Schreihals-Nummer aufführt, schaut man andernorts einfach weg. Denn wenn es um den großen Frieden geht, nimmt man es gnädig zur Kenntnis wenn Menschen mit wenig Hirn, vielen Aggressionen und einem stalinistischen Demokratieverständnis mit Eisenstangen auf AfD-Wahlplakate eindreschen oder gleich direkt die Anhänger dieser Partei an den Wahlständen attackieren. Wegschauen wenn etwas passiert, das einen (noch) nicht direkt selbst betrifft? Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Besonders viel hat man trotz der mehrjährigen Knoppschen Hitler-Dauerberieselung im Staatsfernsehen in Bezug auf Meinungsfreiheit und Demokratie offensichtlich nicht gelernt. Wenn dann noch jeder Feuilleton-Onkel meint, er müsse jeden kritischen Autor, der nicht auf der Konsenswelle mitschwimmt, mit Hitler gleichsetzen, dann sollte man in der Tat überlegen, ob solche absurden Vergleiche nicht für eine Klage wegen „Verharmlosung der Nazi-Herrschaft“ ausreichen.

Die Schwankungsfreude der Wahlergebnisse hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Viele haben die ungewohnt hohe Vola noch nicht verdaut und werden sich vermutlich erst spät damit anfreunden, dass der Weg ins Parlament für sie auch zukünftig nicht mehr wahrscheinlich ist. Besonders anschaulich ist der Niedergang der FDP nach dem voerst letzten Hurra. Deren bemerkenswert inhaltsleere Vorstellungen bei den letzten Wahlen erinnern an die trostlosen Mitschüler aus der Schulzeit, die nachdem jemand dem Lehrer eine Antwort gegeben hatte, aufzeigten um zu sagen: „Das was Carola gesagt hat wollte ich auch sagen“. Prima, ganz toll gemacht.

Das Desinteresse der Wähler am gelben politischen Wanderpokal schob man auf den ehemaligen Parteichef Rösler, der rhetorisch und charismatisch sicherlich ein lokales Minimum darstellte. Die Hoffnung mittels eines neuen Messias, ausgestattet mit drei Prozent mehr Rhetorik und den gleichen Inhalten, werde zu einem kometenhaften Wiederaufstieg führen, sind vorerst zerstoben. Nach Peak Oil gibt es vielleicht auch den Peak für so manche Partei. Immerhin ermöglicht es die Schrumpfung, fortan von einer sinkenden Wahlbeteiligung zu profitieren. Jedenfalls hat manche Partei dies so dargestellt, als sie noch größer war …

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Spannung verspricht die Möglichkeit zu beobachten, wie frisch und demokratisch sich die Diskussionskultur in diesen Gruppierungen darstellt, wenn um die letzten Plätze in den parlamentarischen Rettungsbooten gekämpft wird. Wer da wohl „bei gleicher Qualifikation“ bevorzugt wird? Aber da bekanntlich auch Theaterwissenschaftler ohne Abschluss oder Grundschullehrer in der Politik stets betonen, dass sie in der privaten Wirtschaft mehr verdienen könnten, muss man sich finanziell um niemanden Sorgen machen. Viel Spaß dann in der Realität. Möglicherweise findet sich noch ein bezahltes Plätzchen im RTL-Container.

Unabhängig von der Farbe erinnert die mangelnde Meinungsvielfalt in den Äußerungen von Politikern verschiedener Parteien an den Ausstoß der staatlich kontrollierten Rundfunkanstalten. Wer böse und wer gut ist kann man nicht nur im Rahmen der Krise in der Ukraine in ähnlicher Form auf ganz vielen Kanälen gleichzeitig hören. Damit erinnert der Rundfunk an ein Regal mit 40 Sorten Toilettenpapier. Und der Hörer kann einiges lernen. So gibt es etwa böse Russen, die ihr Schwarzgeld in Zypern parken. Allesamt sind dies fiese Oligarchen oder Menschen die von diesen profitieren. Im Gegenzug gibt es auch gute Oligarchen, die man daran erkennt, dass sie zwar auch ein paar Millarden auf der hohen Kante haben, sich aber „für Europa“ aussprechen. Was das im Falle der insolventen Ukraine genau bedeuten soll, ist eigentlich klar findet aber selten Erwähnung. Auch fällt die Wahl bei der Bezeichnung eines Oligarchen, der Rüstungsgüter herstellt, ein paar Fernsehsender besitzt und nebenbei Schokoladenproduzent ist selbstverständlich auf „Schoko-König“.

Deutsche Printmedien berichten darüber mit der üblichen Einfalt:

(taz) Schoko-Hase soll das Land führen. Petro Poroschenko hat gute Chancen auf das ukrainische Präsidentenamt. Der Schokoladen-Oligarch fällt vor allem durch seine politische Wendigkeit auf.

(Die Zeit) Der Schokomilliardär Petro Poroschenko will Präsident der Ukraine werden.

(Die Welt) Die Ukraine und ihr wandelbarer Schokomagnat. Der prowestliche Oligarch Poroschenko will Präsident der Ukraine werden. Der Süßigkeiten-Fabrikant führt in Umfragen.

(Der Spiegel) Ukrainischer Oligarch Poroschenko: Ein Schokoladenkönig für das Präsidentenamt

Mehr debile Verharmlosung ist kaum möglich.

Ein beliebtes Thema direkt nach den Wahlen ist die „Politikverdrossenheit“. Dieser Begriff suggeriert mehr oder weniger subtil, der Wähler sei Schuld am Vertrauensverlust der Parteien. Vertrauen löst sich jedoch nicht ohne Anlass in Luft auf, und so darf man ruhig das mittlerweile nonchalant als Kavaliersdelikt behandelte Brechen von Wahlversprechen thematisieren. Auch hier hat sich eine seltsame Denkweise breitgemacht….


Das hätte doch jeder wissen müssen, dass der Abgeordnete Linus Ügner vor der Wahl lügt um einen Sitz im Abgeordnetenhaus zu ergattern. Oh, pardon, wie konnten die Wähler das nur vergessen? Natürlich liegt die Verantwortung für diese gesellschaftsfähige Unaufrichtigkeit beim Wähler. Falschaussagen von Steuerzahlern gegenüber dem Finanzamt werden bemerkenswerterweise nicht ganz so generös ausgelegt.

Ein besonders bizarres Spektakel vollziehen die Regierungsparteien und ihre Laiendarsteller derzeit beim Thema Fracking. Nachdem man sich aus welchen Gründen auch immer hinter einen Putsch in der Ukraine gestellt hat und nun auf dem besten Wege ist, damit einen Bürgerkrieg vor der eigenen Haustür ins Rollen gebracht zu haben, hat man offenbar Panik, dass Russland eines Tages den Gashahn zudrehen könnte. Da man außer ein paar symbolischen Wattebäuschen wenig an Sanktionen zu bieten hat, ohne sich selbst ins Knie zu schießen, will man nun ausgerechnet durch Fracking zur Energieunabhängigkeit gelangen. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert.

Zum einen ist der Fracking-Boom in den USA ökonomisch gescheitert und in weiten Teilen ein mit Unterstützung der finanzierenden Banken medial befeuertes Anlagespektakel (Der Mythos 1 & Der Mythos 2). Nun ziehen wieder einige deutsche Firmen mit Sack (voll Geld) und ohne Pack (wird vor Ort eingestellt) in die Staaten und bauen Produktionsstätten, die vom billigen Gas profitieren sollen. Viel Glück, aber bitte nicht jammern, wenn doch alles viel teurer wird als mancher sich das vorstellt.

Andererseits ist dem einen oder anderen Großauguren wohl aufgefallen, dass man den „Rohstoff Bildung“ nicht zum Heizen einsetzen kann. So will man nun das Fracking auf die Schnelle durchs Parlament bugsieren, was wie üblich durch rasches Abnicken gelingen dürfte. Zur Not stimmt man während eines Deutschland-Spiels bei der WM ab, denn da hat der Parlamentarier mit dem 26-Stunden Job keine Zeit für derartige Marginalien.

Das Vertrauen in die politischen „Volksvertreter“ werden die Beschlüsse vermutlich nicht stärken, aber wer sich nicht ums Volk und um Wahlergebnisse kümmert, der zeigt ja in gewisser Weise einen Hang zur Unabhängigkeit. Beim Thema Fracking kommt noch Wankelmut dazu, wie die folgenden Auszüge zeigen (mehr)

(CDU Regierungsprogramm 2013) “Eine Gasgewinnung mittels gesundheitsgefährdender Chemikalien lehnen wir ab.“

SPD Regierungsprogramm 2013 „Wir setzen uns für einen Verzicht des Einsatzes von Fracking ein, bis alle Risiken für Gesundheit und Umwelt bewertet und ausgeschlossen wurden. Dieses Moratorium soll so lange gelten, bis Fracking-Methoden ohne den Einsatz giftiger Chemikalien, die zu einer schädlichen Veränderung des Grund- und Trinkwassers führen, zur Verfügung stehen.“

(FDP Bürgerprogramm 2013) „(Fracking) wird aber in einem dicht besiedelten Land wie Deutschland nur dann einsetzbar sein, wenn gesellschaftliche Akzeptanz und höchste Umweltstandards gewährleistet sind. (…) Von den eingesetzten und aufbereiteten Stoffen dürfen keine toxischen Gefahren ausgehen.

Aus dem Fenster lehnte sich auch Sigmar Gabriel.

(17.4.2015 Presseportal.de) Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat sich gegen das sogenannte Fracking zur Förderung von Schiefergas ausgesprochen. „So lange es technologisch nötig ist, Chemikalien in den Boden zu pressen, die dann drohen ins Grundwasser einzudringen, sollten in Deutschland gar keine Genehmigungen erteilt werden“, sagte er im Interview in der neuen Ausgabe des Greenpeace Magazins.

Jetzt hat man entweder das Fracking neu erfunden oder rechnet in Bälde mit einem Durchbruch. Anders ist die operative Hektik in Berlin nicht zu erklären. Allein durch die Erkenntnis, dass man von Energieimporten abhängig ist, ändert am Fracking und den Auswirkungen nichts.

(4.6.2014 n-tv.de) Rasches Gesetz geplant Bundesregierung geht Fracking an

Viele Staaten sehen wegen der aktuellen Krise das Gas-Fracking als Alternative zu russischem Erdgas. In Deutschland fehlt bisher eine klare gesetzliche Regelung hierzu. Die soll nun zügig kommen – mit strengen Auflagen.

Also darf man das Fracking in Deutschland wohl als das Ergebnis gescheiterter Außenpolitik einstufen. Aber wie in Sachen Euro geht halt dank einer gerne auch hausgemachten Krise vieles leichter und unbemerkter durchs Parlament. Nun will man schnell ein Gesetz mit „strengen Auflagen“ verabschieden. Auf diese Auflagen sind wir sehr gespannt …

Besonders putzig ist derzeit die simultane Verkündigung des Wunsches nach dem Ausstieg aus der Braunkohleförderung (aus Umweltgründen) und der Förderung des Fracking (trotz Umweltbedenken). Ein bisschen schizo das Ganze, aber wenn der große Onkel das will, dann hilft man wo man kann. Dafür stellen Exxon & Co. sicher günstig ihre Expertise bei Umweltstudien zur Verfügung. Komme es wie es wolle, Fracking wird nicht zu einer Unabhängigkeit von Energieimporten führen. Der Blick in die USA zeigt, wie sehr sich die Wall Street-Darstellung von der ökonomischen Realität unterscheidet. Wer noch immer von nennenswerten Flüssiggas-Importen aus den USA träumt, der wird beim Aufwachen feststellen, dass die Wohnung kalt ist.


 

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10 Kommentare auf "Wählen, weinen, weiterwursteln"

  1. Skyjumper sagt:

    Ach ja. Ich lese diese Beiträge ja immer mit einem erleichterten und einem schmerzverzerrten Seufzer in einem.
    Zum einen ist es erleichternt zu lesen, dass man mit seinen eigenen Gedankengängen und Schlußfolgerungen nicht alleine da steht. Beim Verfolgen der (auch immer weniger etablierten) Medien kommt sich ja schon manchmal debil vor.
    Zum anderen schmerzt es solche zutreffenden Zusammenfassungen zu lesen die einem das ganze Ausmaß des Dilemmas vor Augen führen. Schon stückchenweise ist es schwer zu verdauen. Aber zusammengefasst gelesen weckt das Reaktionen bei mir welche mir klarmachen, dass die vielen Sicherheitsmaßnahmen zum Schutze der Cheerleadertruppe in Berlin und anderswo durchaus berechtigt sind.

  2. Lickneeson sagt:

    Ich muss leider dem Kommentar von „Skyjumper“ voll zustimmen. Das Elend wird durch solche Artikel zwar nicht behoben, man kann aber dank der zynischen Rhetorik herzlich ablachen.

    Scheinbar haben doch einige in diesem Land verstanden, das die friedensstiftende Eurorettung der Politik nichts anderes ist, als die Umgehung der Eurobonds durch künstlichen Zinsverfall nebst Sparerenteignung . Toll. Wer dagegen stimmt ist nationalistisch und Europafeindlich. Dieselbe Zaubernummer wird übrigens über Lohndumping und Leiharbeit in puncto „Vollbeschäftigung“ aufgeführt. Sie kennen den Satz: „Noch nie waren in Deutschland so viele Menschen in Lohn und Brot“. In 20 -30 Jahren wird es heissen: „Noch nie waren soviele Rentner mit 40 Beschäftigungsjahren auf Sozialhilfe angewiesen wie heute.“

    Ebenso wie die Staatsschulden werden die private Verarmung in die Zukunft verschoben. Eine bemerkenswerte Leistung.

    MfG

  3. Reiner Vogels sagt:

    Ich schließe mich meinen Vorkommentatoren an und möchte den Artikel in höchstem Maße loben.

    Dennoch erlaube ich mir eine Ergänzung zur Gasfrage.

    Obwohl ich sehe, dass in der Ukraine keineswegs Putin, sondern der Westen der eigentliche Aggressor ist – er hat schließlich einen gewalttätigen Putsch gegen eine demokratisch gewählte Regierung gesponsert – halte ich das Bemühen, sich unabhängiger zu machen vom Gas aus Russland grundsätzlich für richtig. Diversifikation ist immer gut.

    Allerdings stimmt es, dass die Rede von Flüssiggas aus den USA, das das Pipelinegas ersetzen könne, angesichts der gigantischen Kosten und der erst noch mit vielen Milliarden zu schaffenden Infrastruktur reine Traumtänzerei.

    Man sieht an diesem Beispiel wieder einmal das grundsätzliche Problem, das in den fossilen Energiene steckt: Sie fördern indirekt eine Art von modernem Feudalismus, indem sie den Besitzern von Rohstoffvorkommen leistungslose Gewinne und Macht verschaffen. Siehe die Ölstaaten, die sich mit ihren Milliarden in westliche Industriebetriebe einkaufen, die ihrerseits duch die harte Arbeit von Generation geschaffen worden sind.

    Die einzige Energie, die eine Befreiung der Menschheit von diesem Rohstofffeudalismus verschaffen könnte, ist die Kernenergie. Die Rohstofffrage ist bei dieser Energie ja weitgehend irrelevant. Besitzer von Uranlagerstätten werden niemals so viel Macht haben wie die Ölstaaten am Golf.

    Ich vermute, dass genau dieser Sachverhalt der Grund ist für die Verteufelung der Kernenergie. Nichts fürchten die Machteliten dieser Welt mehr als eine Energie, die das Potential hat, die Menschheit vom Mangel zu befreien und sie unabhängig zu machen von ihren „Wohltaten“.

    (Zu den „erneuerbaren“ Energien sage ich nichts. Die sind ebenfalls als Basis für die Versorgung einer wachsenden Menschheit reine Traumtänzerei.)

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Reiner Vogels,

      „halte ich das Bemühen, sich unabhängiger zu machen vom Gas aus Russland grundsätzlich für richtig.“

      Generell befürworten wir auch das Streben nach mehr Unabhängigkeit. Uns stört jedoch die Begründung und die Einseitigkeit der Betrachtung beim Thema Russland. Erstens ist Deutschland bei so ziemlich allen Rohstoffen von Importen abhängig, Energie ist nur ein Segment, Die Liste der Lieferanten hat wenig Überschneidungen mit beliebten Urlaubsregionen. Gleiches gilt für die Länder, die den deutschen Herstellern den in Form gebrachten Stahl mit angeschraubten Rädern wieder abnehmen.

      Beste Grüße und ein schönes Wochenende
      Bankhaus Rott

    • Jacko sagt:

      Unabhängigkeit kann man in Deutschland nur erreichen indem man auf regenerative Energien setzt.

      Anfangs villeicht teuer, doch in Zukunft gewiss das günstigste und sicherste Projekt. Würde man sich von der Energielobby nicht so in die Sackgasse drängen lassen, wären wir schon sehr viel weiter. Die Techniken besitzen wir jetzt schon. Sei es bei der Energiegewinnung oder bei der Speicherung.

      Dabei ist mir Norwegen höchst sympatisch. Die erzeugen ihren Strom durch Wasserkraft und verkaufen das geförderte Öl.

      Es gibt jetzt schon Energieautarke Häuser, wir haben Wasser und Sonne, Biomasse etc. Von fossilen Energieträgern MUSS man wegkommen.

      Mfg

  4. bluestar sagt:

    Liebes Bankhaus,

    vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel !!!
    Leider ist es so, dass aktuell Querbeet im Westen solche Typen an der Macht sind, deren
    Charakter (oder besser Charakterlosigkeit) man sich bei den eigenen Kindern niemals wünscht. Was speziell in den letzten Monaten an Doppelmoral, Lügen, Demagogie, Gezänk und Propaganda abgeliefert wurde ist für den normalen Verstand unerträglich. Von den Fehlleistungen politischer und wirtschaftlicher Entscheidungen ganz zu schweigen. Betrachtet man das allerdings durch die Brille der in den USA herrschenden Clique, läuft alles nach Plan.
    Man ist pleite und schlägt aggressiv um sich, sucht neue Absatzmärkte, Feindbilder, Angstszenarien und Schuldige. Insofern sehe ich die Außenpolitik nur für uns Europäer gescheitert, schließlich werden wir die Rechnung bezahlen (best case) oder in der direkten Schusslinie für den „Onkel “ aus Übersee sitzen (worst case). Man das derzeitige Szenario auch als bewusst herbeigeführt einordnen. Auch TTPI und Fracking in Europa muss man da wohl mit einordnen.
    Unterm Strich wird dem Deutsche Volk wohl massiver Schaden zugefügt. Da dieses aber (wie so oft in der Geschichte) schläft, ist mit einer Änderung der Situation nicht zu rechnen. Eine Wahlbeteiligung von unter 50% und 2/3 der Stimmen an die Etablierten sagen alles.
    Also: Wir müssen uns wohl leider auf eine Zunahme des Schwachsinns
    einstellen und damit rechnen, dass die feudalen „Eliten“ mit ALLEN Mitteln ihre derzeitige Macht verteidigen werden.

    VG und schöne Pfingsten

  5. Frederico sagt:

    Meines Erachtens stufen Sie das plötzliche Lavieren um ein Frackinggesetz falsch ein. Ein solches Gesetz ist zunächst nur eine außenpolitische Verhandlungsmaßnahme. Es geht darum Russland an die Möglichkeit zu erinnern, sich weniger abhängig von Russland zu machen. Putins Antwort: Dann machen wir uns unabhängiger von Europa. Dabei geht Steinmeier (endlich haben wir wieder so etwas wie einen Außenminister) insgesamt den richtigen Weg der Verhandlungen bzw. des Ausgleichs der Interessen, statt sich auf Prinzipien zu versteifen. Dass Westeuropa den Konflikt letztlich nicht gewinnen kann, ohne dass auch Putin etwas gewinnt – und umgekehrt!, macht die Sache zu so einem schönen außenpolitischen Schauspiel. Das Frackinggesetz ist dabei ein hypothetisches Gerassel, aber irgendwo muss man ja mal anfangen. Nicht vergessen: Im Energiesektor wirken auch klassische ökonomische Mechanismen (Preis-Nachfrage-Substitution), weswegen ja das OPEC-Kartell den Ölpreis immer so auszubalancieren trachtet, dass die Kunden nicht auf Gedanken kommen … Genau das ist auch Putins Problem: Auf keinen Fall Westeuropa in die enrgiepolitische Unabhängigkeit hineinzwingen (weswegen er ja immer sagt, die Versorgung Westeuropas sei sichergestellt). Das Frackingsgesetz soll insofern nur demonstrieren, dass Westeuropa langfristig Russland als Hauptlieferanten für Erdgas fallen lassen _möchte_. Und dass dieser Wunsch realisierbar werden könnte, ist ja derzeit das Einzige, was Putin am Durchmarsch in der Ukraine hindert.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Frederico,

      auch bei politischem Säbelrasseln spielt für die anderen Mitspieler am Tisch die Wahrscheinlichkeit der Umsetzbarkeit angedeuteter Maßnahmen eine Rolle. Beim Thema Fracking wird wohl keinem Energielieferanten der Welt der Angstschweiß auf die Stirne treten.

      Wer gerade versucht in welche Richtung durchzumarschieren, darüber gibt es – offensichtlich – durchaus unterschiedliche Meinungen.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

    • Skyjumper sagt:

      Was Putin nun am Durchmarsch hindert, ob es überhaupt externe Gründe sind oder nicht doch der eigene Wunsch eben das doch nicht zu tun………ich möchte das mal offen lassen.

      Ansonsten aber könnte ich beim Lesen Ihres Beitrags schon wieder in die Tischkante beissen. Und zwar deshalb weil ich glaube dass unsere Politikergilde tatsächlich genau so denkt wie Sie es beschrieben haben.

      Energiepolitisch kann man über den Sinn und Verstand von Fracking diskutieren, ökonomisch betrachtet ist es eine Wette mit ungewissen Ausgang. Ich habe zu beiden Betrachtungsansätzen eine negative Einstellung, aber ich kann mich ja täuschen. Sicher allerdings ist, dass es als politisches Säbelrasseln absolut untauglich ist. Denn auf der Grundlage dieses Gesetzes werden unternehmerische und politische Entscheidungen getroffen werden. Beides wird höchst pragmatische Auswirkungen auf UNSERE realen Lebensumstände haben. Man sollte immer nur mit einem Säbel rasseln den man auch bereit ist zu ziehen und damit zuzuschlagen. Vielleicht sind unsere Politiker tatsächlich zum Zuschlagen bereit. Allerdings wären es primär unsere Köpfe hier bei uns die in diesem Falle rollen würden.

  6. bluestar sagt:

    „das Einzige, was Putin am Durchmarsch in der Ukraine hindert“. Ehrlich gesagt kann man solchen geistigen Schwachsinn nicht ernst nehmen. Das Netz ist voll von wirklich unabhängigen Informationen, Videos, geschichtlichen Zusammenhängen usw. Aber offensichtlich ist die Propaganda der MSM nicht wirkungslos. Einfache Parolen fürs Volk zum Nachplappern. So wie die Story von den Maidanmoerdern, welche komischerweise nicht ermittelt werden…

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