Wackelt Tesla?

6. November 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

In Euphoriephasen hat der Verstand Sendepause und Menschen sehen nur, was sie sehen wollen. Ein gutes Beispiel für das emotional begründete Ausblenden von Problemen ist das Unternehmen Tesla, das auch hierzulande bei einigen vermeintlichen Umweltfreunden gefeiert wird…

Tesla ist ein Unternehmen mit einem enormen Börsenwert, sehr bescheidenen Umsätzen und desaströsen Verlusten. Wie zu Zeiten der Tech-Bubble hat man Elon Musks Visionen gelauscht und hat nette Ideen mit Gewinnen verwechselt. Musk gilt als charismatisch was ihm auch in der medialen Darstellung hilft. Alles was er sagt oder was im Namen von Tesla umgesetzt angestoßen wird bekommt eine Art messianischen Glanz.

Wer sich mit Elektroautos und realen Erfolgen auseinandersetzen will muss sich wohl kaum mit Tesla beschäftigen. Eine Firma wie BYD („Build your dreams“) aus China ist bereits jetzt in ganz anderen Dimensionen unterwegs.

BYD E6 Electric Car made in China

Quelle: BYD

Politisch stark gefördert ist man im Heimatmarkt schon jetzt nicht nur medial sondern auch wirtschaftlich erfolgreich. Insgesamt, das Unternehmen stellt nicht nur Elektroautos her, liefert man Zahlen ab, von denen man bei Tesla nicht einmal zu träumen wagt.

Dieser leise und stetige Weg in den Finanztod ist keine Entwicklung, die einer Gesetzmäßigkeit folgt, der jeder Hersteller von Elektrofahrzeugen unterliegt. Ein Gegenbeispiel liefert das chinesische Unternehmen BYD.

Während es mit den Tesla-Aktien dennoch erstaunlich lange nach oben ging, zeigt sich jetzt eine alte Finanzmarktregel. Der intelligentere Teil des Marktes ist der Anleihemarkt. Hier zeigte sich bei den Papieren des hochverschuldeten Autoherstellers nie wirklich Euphorie. Die Renditen, sprich die Risikoprämien, lagen deutlich höher als dies bei Anleihen profitabler Firmen wie ebay oder Apple der Fall war. Jetzt wurden die Unternehmensanleihen von Tesla richtig durchgeschüttelt. Die Rendite der Papiere mit Endfälligkeit im Jahr 2025 hat sich verdoppelt. Die jährliche Prämie einer Kreditausfallversicherung stieg von 0,5% auf nunmehr 6%. Das sind sehr deutliche Anzeichen von aufkommenden Stress.

Während nun die Anleihen deutliche Stresssignale senden. Vorsicht ist geboten.

Da Tesla ein Unternehmen mit enorm hohem Investitionsbedarf ist, was durch die mit der Verschuldung anwachsenden Visionen des Vorstandsvorsitzenden nicht besser wird, wird man um weitere Finanzierungsrunden nicht herumkommen. Da man gleichzeitig mit jedem verkauften Auto hohe Verluste einfährt und negative Cash Flows in Milliardenhöhe einfährt, werden Anschlussfinanzierungen schnell zum existenziellen Problem.

Interessenten, die sich ein Auto haben reservieren lassen, mussten dafür vorab eine Gebühr entrichten. Wer dies getan hat, der ist möglicherweise besser bedient, wenn er das Kaufrecht auf den Wagen an jemand anderen verkauft, der daran glaubt, dass das Auto wirklich noch gebaut wird. Ansonsten sollte man diesen Betrag schon mal auf Null abschreiben.

Wie immer gibt es natürlich nicht nur Schatten sondern auch eine große Hoffnung. Diese kommt wie immer bei Fehlinvestitionen in den USA aus Deutschland.

Man darf leider nicht ausschließen, dass ein halbbegabter Chef eines deutschen Automobilherstellers in einem Anfall von Wahn und natürlich völlig unter Ausschluss persönlicher Vorteile ein paar Milliarden in die Übernahme eines Teils von Tesla pumpt. Sollte das geschehen, können Anleger diese Milliarden so gut wie abschreiben. Dafür bekommt der Vorstandsvorsitzende aber vermutlich ein paar nette Artikel in der Presse, die ihn als Visionär darstellen, der „es“ verstanden hat. Mit „es“ kann allerdings nicht das betriebswirtschaftliche gemeint sein. Nebenbei gibt es vermutlich noch den blauen Umweltengel und wahlweise den Friedensnobel- oder den Karlspreis. Beides wegen des Weltklimas, Sie wissen schon.


 

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