„VW: Winter ohne Korn“ – Wie die Deutschland AG auf Grund gesetzt wird

24. September 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ralph Malisch (Homepage vom Smart Investor)

Das Auto, der Skandal… VW, soviel steht fest, kann nicht nur Autos, sondern auch handfeste Skandale bauen. 1987 hielt der „VW-Devisenskandal“ die Republik in Atem. Heute schaut die ganze Welt auf die Wolfsburger. Gerade erst überholte man Toyota und wurde zum größten Autokonzern der Welt, dann platzte die schmutzige Diesel-Bombe…

Im Gegensatz zu den Problemen, die Toyota vor Jahren hatte, geht es bei VW jedoch nicht um Qualitätsprobleme, sondern um bewusste Manipulation der Abgaswerte bei offenbar elf Millionen Fahrzeugen weltweit. Und bei solchen Vergehen versteht die US-Justiz keinen Spaß – zumindest, wenn es sich nicht um ein amerikanisches Unternehmen handelt. 18 Mrd. US-Dollar stehen im Raum und auch die Käufer der betreffenden Fahrzeuge haben möglicherweise Ansprüche.

Vergleicht man diese Dimensionen mit den 900 Mio. USD Strafe, die General Motors für defekte Zündungen bezahlen musste, wie das kritische US-Portal www.zerohedge.com heute berichtet, dann reibt man sich die Augen. Denn auch General Motors wusste um das Problem und verantwortete somit den Tod von 124 Personen. Möglicherweise kann GM deshalb so vergleichsweise günstig davon, so mutmaßt zerohedge.com weiter, weil immer ordentlich an Parteien gespendet und Lobbytätigkeit geleistet wurde? So gesehen hätte GM das Geld gut angelegt. Denn auf die eine oder andere Weise muss immer an die Politik bezahlt werden – die freiwillige und direkte Variante à la GM erscheint da aus Konzernsicht als die preiswertere Wahl.

Rationale Reaktionen

Das zweite beherrschende Thema ist die anhaltende Migrationswelle in die Bundesrepublik. Warum „flüchten“ so viele Menschen selbst aus sicheren Staaten und EU-Partnerländern so lange weiter, bis sie die Bundesrepublik erreicht haben?

Hier liegt ein relativ simples Anreizthema vor. Das von der Bundesrepublik angebotene „Welcome-Package“ ist nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb der EU eines der attraktivsten. Dabei sind es weniger die Spielsachen und die Bekleidung, die engagierte Bürgerinnen und Bürger zu den Sammelstellen tragen, sondern die brummende Wirtschaft und der wie fast kein zweiter ausgebaute Wohlfahrtsstaat, die eine enorme Sogwirkung ausüben.

Und wo wir schon bei Anreizen sind: Nicht alle, für die bereits das Niveau der deutschen Sozialleistungen eine enorme Verbesserung gegenüber der Ausgangssituation darstellt, werden sich darüber hinaus zu den Anstrengungen von (Weiter-)Qualifizierung und Erwerbsarbeit anreizen lassen. Ein maximal ausgebauter Wohlfahrtsstaat wie der bundesdeutsche, kann ohnehin nicht und schon gar nicht auf Dauer „barrierefrei“ sein. Der Vorwurf geht nicht an jene, die auf diese Anreize völlig rational reagieren, sondern an jene, die diese Anreize irrational gesetzt haben.

It’s the „Anreiz“, Stupid!

In Smart Investor 10/2015, der dieses Wochenende erscheint, befragten wir den bekannten US-Ökonomen Arthur B. Laffer zur Anreizproblematik, die tatsächlich so einfach ist, dass sie selbst eine Bundeskanzlerin verstehen könnte. Auch Kinder erfassen das Thema intuitiv. Laffer formulierte übrigens auch jenen Zusammenhang, dass Steuereinnahmen ab einem bestimmten Punkt mit wachsendem Steuersatz wieder fallen („Laffer-Kurve“).

Wer also glaubt, man müsse nur die Steuern genügend erhöhen, um den Wohlfahrtsstaat dauerhaft bezahlbar zu machen, der irrt, weil er die Dynamik unterschätzt. Eine Kombination aus Hochsteuerland und umfassendem Versorgungsstaat kann gar nicht nachhaltig sein. Zwar lockt sie jene, die versorgt werden wollen, aber sie vertreibt diejenigen, die zur Finanzierung der Veranstaltung ausersehen sind – sie verlassen das Land oder machen Dienst nach Vorschrift. Auch das ist völlig rational. Deshalb endet auch dieser Wohlfühlsozialismus mit geschlossenen Grenzen – nicht, um den Zuzug zu bremsen, sondern um die Abwanderung der Tüchtigen zu stoppen. Das „Recht auf Arbeit“ mit dem hier früher gelockt wurde, ist de facto eine Arbeitspflicht.

„Jean-Claude und die böse 19“

Wer dachte die EU hätte sich bereits aufgelöst, wurde gestern eines Besseren belehrt. Zwar zeigte sie sich in der anhaltenden Migrationskrise bislang ziemlich konzeptlos, das hinderte Jean-Claude Juncker jedoch nicht daran, einmal ein Lebenszeichen von sich zu geben. Ganze 19 EU-Staaten erhielten ein Mahnschreiben des Brüsseler Kommissariats, weil sie die „europäische Asylgesetzgebung“ nicht ausreichend umgesetzt hätten.

Was die „Welt“ als „Paukenschlag aus Brüssel“ bewertet und wo sie die Staaten bereits „auf der Anklagebank“ wähnt, sehen wir etwas völlig anderes. Die Tatsache, dass die kaum legitimierte Brüsseler Zentralmacht zwei von drei souveränen Mitgliedsstaaten und deren demokratisch gewählte Regierungen verklagen will, wirft doch die interessante Frage auf, in wessen Namen Herr Juncker in der Sache eigentlich noch spricht?

Nicht die angemahnten Staaten haben ein Problem, sondern die EU selbst! Besonders die Vitalität der vergleichsweise jungen osteuropäischen Demokratien, die gegen das Brüsseler Diktat offen aufbegehren, dürfte einer der wenigen echten Hoffnungsschimmer in der aktuellen Krise sein. Vermutlich wird die heutige Verhandlungsrunde aber noch einmal nach dem bewährten EU-Verfahren „Geld gegen Wohlverhalten“ entschieden – Rechnung nach Berlin.

Solidarisch in der Einbahnstraße

Aber auch in Berlin selbst hat es „Mutti“ inzwischen mit „bösen Buben“ zu tun. Es ist der Vorteil einer Großen Koalition, dass sie auch gleich ihre eigene Oppositionsarbeit leisten kann. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ist der einzige, der Merkels Tollheiten in der Migrationskrise zumindest verbal etwas Realismus entgegensetzt.

Deutschland und Bayern machen in diesen Tagen dabei eine andere, höchst nachdenkenswerte Erfahrung: Solidarität ist eine Einbahnstraße, sowohl innerhalb des Bundes als auch in der EU. Bayern, das jahrein, jahraus in den Länderfinanzausgleich einzahlt, stößt bei der teilweisen Weiterleitung der Einwanderer entsprechend der geltenden Verträge und Verteilungsschlüssel auf ziemlich taube Ohren. Dabei hat Bayern dieses Problem nicht einmal selbst verschuldet, sondern leidet lediglich aufgrund seiner exponierten geographischen Lage. Eine Ebene höher sieht man das gleiche Spiel: Natürlich ist Merkels Migrationspolitik weltfremd und desaströs. Aber jetzt, wo es darum geht, den angerichteten Schaden zu begrenzen, sind viele EU-Partner nicht mehr auffindbar und das deutsche Volk wird plötzlich wieder auf „nationale“ Aufgaben & Anstrengungen eingeschworen. Europäische Solidarität? Fehlanzeige!

Zwar ist es verständlich, dass sich die europäischen Partner über die deutsche Dusseligkeit ärgern, mit der eine ohnehin schwierige Situation weiter verschärft wurde. Mit gleicher Berechtigung hätte sich Deutschland aber auch der Solidarität mit dem griechischen Staatshaushalt entziehen können. Wer einen „sozialistischen Vergnügungspark“ betreibt, wie Prof. Philipp Bagus die griechische Staatswirtschaft anlässlich der Münchner Wirtschaftsgespräche letzte Woche charakterisierte, der möge ihn nach unserer Auffassung doch bitte auch selbst finanzieren.



Zu den Märkten

Unsicher ist die Börse derzeit, welche Implikationen der Fall VW über das Unternehmen hinaus hat. Bis vor einer Woche genoss die deutsche Autoindustrie höchstes Ansehen in der Welt. Diesem Ansehen hat der Konzern durch bewusste Manipulationen schweren Schaden zugefügt. Es geht ja nicht nur darum, dass Behörden genarrt wurden, sondern auch die eigenen Kunden. Gestern strahlte die VW-Krise auch auf die Aktienkurse von BMW und Daimler aus.

Bei Werten um die 100 EUR je VW Vorzugsaktie (WKN 766403) ist nun allerdings technisches Erholungspotenzial vorhanden. Eine Richtungsentscheidung ist der heutige Kurssprung aber noch nicht, eher ein Reflex auf die vorangegangenen Kursverluste. Um es klar zu sagen: Der Konzern ist zwar geschwächt, aber es müsste schon sehr viel mehr passieren, bevor die Existenz von VW ernsthaft gefährdet wäre.

Das alles spielt sich in einer Marktverfassung ab, die schon vor den schlechten Nachrichten aus Wolfsburg angespannt war. Bereits am vergangenen Freitag sackte der DAX (vgl. Abb.) mit Tempo aus seinem Konsolidierungskeil ab und nahm damit den Abwärtstrend vom August wieder auf.

2015-09-23_DAX

Inzwischen liegt er sogar wieder unter der Marke von 10.000 Punkten. Und um die Sache abzurunden, wurde auch der seit 2011 gültige Aufwärtstrend erneut nach unten gebrochen. Ausführliche Informationen zu den aktuellen Bestimmungsfaktoren für DAX & Co. finden Sie ebenfalls wieder im neuen Smart Investor 10/0215.

Fazit

Für Deutschland kommt es im Moment knüppeldick. Eben noch war das Land der kraftstrotzende, ruhende Pol in der Euro-Krise, schon vergrätzt die Regierung mit einer blauäugigen Migrationspolitik die EU-Partner und mit dem VW-Skandal gerät der Fahrzeugbau als die deutsche Schlüsselbranche unter Beschuss. Erschwerend kommt hinzu, dass beide Probleme selbstverschuldet sind.

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16 Kommentare auf "„VW: Winter ohne Korn“ – Wie die Deutschland AG auf Grund gesetzt wird"

  1. Insasse sagt:

    „In Smart Investor 10/2015, der dieses Wochenende erscheint, befragten wir den bekannten US-Ökonomen Arthur B. Laffer zur Anreizproblematik, die tatsächlich so einfach ist, dass sie selbst eine Bundeskanzlerin verstehen könnte. Auch Kinder erfassen das Thema intuitiv.“

    Harter Tobak in Richtung Bundesmutti! Leider mehr als gerechtfertigt. In diesem Sinne: Wat mutt, dat mutt.

  2. toter_esel sagt:

    Da sich sog. Verschwörungstheorien in der Gegenwart nie beweisen lassen, also die Wahrheit immer die Tochter der Zeit ist, will ich mal zwei Prognosen zum Jahresende hin wagen:

    1. Der Ölpreis wird sich mindestens verdoppeln.
    2. Der Euro kostet weniger als der Dollar.

    Dann kommt der edle Ritter TTIP und schafft neue Arbeitsplätze. Und passende Gesetze natürlich. Im SP.ON waren echt Blogger, die sich auf TTIP freuten, „denn die USA sorgen sich um Klimaschutz…“

    Für mich sind die letzten „Events“ kein Zufall mehr. ESM-Vertrag von US-Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, Angie auf Wunsch der USA federführend bei der Griechennummer, EU-Sanktionen gegen Putin, Ölpreisverfall, Flüchtlingselend in Europa, VW-Abgasmanipulation dramatisiert als sei es ein Völkermord… und immer unsere US-Medien mittendrin;-(( die bestimmen, was und wie berichtet wird.

    Meinungsmache vom Feinsten. Und keiner meint, was machen zu müssen.

    Schön, dass wir 20 neue Atomraketen bekommen. Naja, wer weiss, was passieren würde, wenn diese (irgend-)eine deutsche Regierung ablehnen würde.

  3. waltomax sagt:

    Hier findet ein Wirtschaftskrieg der USA gegen Europa, hier besonders gegen Deutschland statt.
    Punkt.

    • Ulrich sagt:

      Und TTIP ist die Kapitulationsurkunde, bereit zur Unterschrift. Sinnig wäre es, diese Dokumente in Karlshorst zu unterzeichnen.

    • bluestar sagt:

      Na klar, und die Speerspitze bilden die eigene Regierung und die Massenmedien.
      Mittlerweile leiden die sogenannten Eliten ja am Stockholm-Syndrom und unterwerfen sich voller Hingabe und vorauseilend der Kolonialmacht. Diese wiederum befindet sich im Besitz einer kriminellen Clique aus MIK und Finanzoligarchie und damit selbst am Abgrund.
      Da kommen TTIP, Ukrainekrieg, Russenhass, Kriegs-Asylanten und neue US-Atomraketen gerade zur richtigen Zeit.

  4. tre sagt:

    Sorry aber ihre Aussage zum Schluss ist einfach unsinnig. Woran ist denn Deutschland selbst schuld? An den US-geführten Kriegen etwa? Oder gar daran, dass eine riesige internationale Propagandamaschine die Flüchtlinge mit Deutschland-Werbung berieselt? Bezahlt Deutschland die ganzen Schlepperbanden?

    Das kann man somit bestenfalls als blauäugig bezeichnen, schlimmstenfalls als böswillige Desinformation.

  5. Sandra sagt:

    Immer wieder schön, wenn man mit dem Finger auf andere zeigen kann. Woran ergötzt man sich denn gern und aus welchem Grund? Was erfreut denn alle Beteiligten mehr? Ist es die Schadenfreude oder die Ablenkung vom eigenen Schaden?

  6. waltomax sagt:

    Wollen wir wieder mal eine kleine Wette wagen?

    Das nächste Ziel der USA heißt (Trommelwirbel):

    Die DEUTSCHE BANK!

    Wer hält dagegen?

  7. 1.21 Gigawatt Leistung sagt:

    @toter-esel:

    Keiner, der 2+4 zusammenzählen kann…nicht 2+2!

  8. Ralf sagt:

    …Denn auch General Motors wusste um das Problem und verantwortete somit den Tod von 124 Personen….
    Ja, aber das ist doch gar nichts. In den USA sterben jedes Jahr ungefähr fünf Millionen Menschen durch die verbotenen Dieselabgase von VW. Tja, das ist eine ganz andere Dimension. Das wird teuer. Wahrscheinlich werden alle VW-Aktien ihre Besitzer wechseln müssen.

  9. OttoVB sagt:

    Das Endziel ist und bleibt die Zerstörung von Europa durch die US und UK.
    Aber erst soll das gute Verhältnis zwischen Europa und Russia zerstört werden müssen.
    Die Mutti Angela so wie es aussieht unterstützt kräftig „unsere Freunden US und UK“ das in wirklichkeit umzusetzen.
    Armes Deutschland um langsam und sicher eures Land kaputt machen zu lassen.

    Wir in Europa, so ist dieses Kriegsspiel gemeint, sollen zusammen mit Deutschland untergehen. Sollen die Amerikaner und die Briten diese Schlag gewinnen?

    Aber wir sind jetzt in den Einzelheiten gelandet.

    Erstens war Toyota dran.
    Dann FIFA.
    Jetzt VW kaputt machen.
    Nächstes auf die US-Agenda?

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