Vorsicht, Wladimir ist nicht Mario!

12. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Ich schreibe diesen Marktkommentar, noch bevor die US-Aktienmärkte öffnen, noch ist also die Zielflagge nicht geschwenkt. Aber was wir bislang an diesem denkwürdigen Donnerstag erleben, ist meines Erachtens einen Marktkommentar wert. Denn dieser Tag deutet mir an, dass die bullishe Seite auf der Flucht ist. Auf der „Flucht nach vorne“ zwar … aber eben doch auf der Flucht.

Ist es nicht merkwürdig, dass der DAX am Donnerstagmorgen, als nach durchverhandelter Nacht in Minsk zunächst gemeldet wurde, dass es wegen der Verweigerung der Separatisten nicht zur Unterschrift unter ein Abkommen kommen würde, nur eine geringfügig negative Reaktion zeigte …. die Meldung, dass man doch zu einem Konsens kam, den DAX aber innerhalb von drei Minuten zunächst um 80 Punkten nach oben trieb und die Bekanntgabe der Details dieses Abkommen durch Wladimir Putin noch einmal für einen blitzschnellen Kursanstieg von 70 Punkten sorgte? Nun könnte man argumentieren, dass die Marktteilnehmer allesamt von einem Scheitern dieser Verhandlungen ausgegangen waren. Aber war das wirklich so? Und waren diese Verhandlungen denn nun ein Erfolg?

Eine Frage, die erlaubt sein muss. Denn immerhin war das, was nun am Ende dabei herauskam, war nichts anderes als das, was bereits Anfang September, ebenfalls in Minsk, beschlossen und nie eingehalten wurde. Experten bezweifeln, dass diese Feuerpause, die keineswegs ein Waffenstillstand ist, tatsächlich halten wird. Und sollte die Seite der Separatisten gewillt sein, sich daran zu halten, so kann es gut sein, dass man versuchen wird, bis zum Beginn des Abkommens am Donnerstagmorgen noch momentan umkämpfte, strategische Punkte zu erobern. Denn dann wären die unmittelbaren Ziele im Vorfeld erreicht und eine „Pause“ auch den Separatisten zweifellos willkommen. Das soll Basis einer Rallye insbesondere beim DAX gewesen sein?

Gut, tun wir einmal so, als wären diejenigen, die hier aufgrund ihrer gewaltigen monetären Machtstellung am Markt imstande sind, einen Index wie den DAX innerhalb weniger Minuten derartig weit nach oben zu prügeln, einfach ein bisschen naiv. Was man besser nicht unterstellen sollte. Aber angenommen, es wäre so: Wo ist doch gleich die Reaktion auf das Scheitern der Griechenland-Verhandlungen in Brüssel geblieben? Und angenommen, man wäre in beiden Fällen von einem Scheitern ausgegangen, ist es wirklich glaubhaft, dass man im Vorfeld auf diesem Kursniveau keine Positionen glattgestellt hat sondern die Frage nur lautete: stillhalten oder weiterkaufen?

Das Argument, dass politische Börsen kurze Beine haben, zieht zudem nicht. Hier geht es nicht um einen nur kurzfristig wirkenden Wahlausgang oder den Zank innerhalb von Regierungen um neue Gesetze. Hier geht es um eine nachhaltige und tiefgreifende Abkühlung der Beziehungen zu einer Weltmacht. Und solange die getroffene Übereinkunft nicht mindestens zwei Wochen blitzsauber eingehalten wurde, ist das Risiko, dass die USA doch noch Waffen in die Ukraine liefern und der Konflikt damit deutlich an Tragweite gewinnt, kein bisschen geringer geworden.

Dass dieses bislang dünne Papierchen aus Minsk die momentan verfahren wirkende Situation innerhalb der Eurozone in Bezug auf Griechenland komplett kompensiert, ist fragwürdig.

Und dass wir soeben in den USA schon wieder deutlich fallende Einzelhandelsumsätze für Januar gesehen haben, die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe deutlich gestiegen sind und der für den Ausblick auf die Wachstumsperspektive der kommenden Wochen und Monate sehr zuverlässig funktionierende Baltic Dry Index auf den tiefsten Stand seit 1986 eingebrochen ist, kümmert scheinbar niemanden. Eine solch bullishe Reaktion auf einen Hauch mehr als nichts und das völlige Ignorieren zweier Tiefschläge (Griechenland, US-Konjunkturdaten) wäre ein völlig absurdes Verhalten, es sei denn …

… es sei denn, dass man mit aller Macht verhindern will, dass es zu kurzfristig negativen Signalen an den Aktienmärkten kommt. Und da fällt die Antwort auf das „warum“ schon etwas leichter. Zum einen haben wir am Freitag kommender Woche einen Verfalltermin an den Terminbörsen. Nachdem nun auch die US-Indizes wieder Tuchfühlung zu ihren Allzeithochs aufgenommen haben, versuchen die großen Spieler am Terminmarkt natürlich, die Abrechnung der Optionen wieder einmal auf Höhe der bisherigen Rekordhochs oder noch darüber zu erzwingen. Aber das ist nicht das einzige Problem… (Seite 2)


 

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Ein Kommentar auf "Vorsicht, Wladimir ist nicht Mario!"

  1. Thomas sagt:

    Für mich ist diese ganze Börse samt ihren Termingeschäften und Derivaten eine bösartige Geschwulst dieses Zinseszinsschuldgeldsystems. Wenn wir uns nicht bald von diesem Dreck lösen, sehe ich schwarz für die Mehrheit der zweibeinigen Spezies. Die Nationen müssen wieder das Recht auf ihre Währung und das Gelddrucken zurückerlangen. Das Geldsystem muss den Menschen dienen (der Masse) und nicht den Kreaturen die aus dem Dunkel die Welt zerstören bzw. versklaven wollen.

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