Vorsicht vor diesem gefährlichen Reichtum-Wunder

23. Januar 2014 | Kategorie: Gäste

von Bill Bonner

Es ist noch zu früh, um zu sagen, dass der US-Aktienmarkt seinen Zenit überschritten hat… aber ich würde nicht ganz oben auf dem Baum sitzen wollen. Je höher man klettert, desto gefährlicher wird es…

Von da, wo ich stehe – auf dem Boden, mit viel Cash und Gold – sieht das ganze Ding furchterregend aus. Es gibt bereits zu viele Menschen in diesem Baum… alle setzen auf ruhiges, sonniges Wetter… und eine längere Wachstumsperiode für ihr Geld.

Was für eine Schade es wäre, wenn der Baum umfallen würde – oder ein großer Zweig abbrechen würde!

Jeder investiert in Aktien und hofft, „den Markt zu schlagen“. Aber jeder IST der Markt. Nur ein paar wenige Außenseiter schlagen den Markt – normalerweise durch Zufall.

Natürlich konnten Käufer von US-Aktien im letzten Jahr froh sein, einfach mit dem Markt zu schwimmen. Man musste den noch nicht einmal schlagen. Wie ich berichtete, stieg das Vermögen von US-Wertpapierbesitzern im letzten Jahr um 3,7 Billionen Dollar, dank der neuen Rekordhochs am Aktienmarkt.

Die Investoren hoffen auf eine Wiederholung dieser Performance im Jahr 2014. Selbst die Hälfte wäre gut, sagen sie sich.

Realer Reichtum sinkt

Aber ich habe einige Fragen: Gegenüber wem gewinnen die an Grund? Von wem erhalten die die Beute? Oder anders gesagt, wer steht auf der anderen Seite der Trades?

Die US-Wirtschaft ist 2013 nur 2% gewachsen. Das bedeutete, dass 340 Mrd. Dollar zusätzlich verteilt werden konnten. Wie konnte es sein, dass Aktionäre 10 Mal so viel erhielten?

Aber Moment! Das Rätsel geht weiter.

Seit der Finanzkrise ist das Vermögen der US-Haushalte um 21 Billionen Dollar gestiegen (grob gesagt von 50 Billionen auf 71 Billionen). In derselben Zeit sind die realen Haushaltseinkommen der durchschnittlichen Familien gesunken. Die Löhne sind gesunken. Und der Anteil der Bevölkerung mit Arbeitsplätzen an der Gesamtbevölkerung ist gesunken.

Das reale BIP ist heute nur ungefähr 6% höher als 2007. Damit ist das Vermögen der Haushalte fast 20 Mal so schnell gewachsen wie das BIP seit 2009.

Wie kann das sein?

Das Team Bernanke versuchte, die Aktienkurse nach oben zu treiben. Das war erfolgreich. Dieser „Vermögenseffekt“ brachte zusätzliche 21 Billionen Dollar. Dies sollte die Nachfrage erhöhen, was dann wiederum zu mehr Konsumausgaben und Investitionen führen sollte.

Das Saysche Gesetz sagt uns, dass man etwas produzieren muss, bevor man konsumiert (mehr oder weniger). Aber hier haben wir ungefähr 20 Billionen Dollar, die aus dem Nichts gekommen sind. Wie kann das sein?

Reichtum ist entweder physisch…wenn man ein großes Haus hat oder einen Modigliani. Oder es ist Papier-Reichtum. Jetzt haben wir neue Ansprüche von 21 Billionen Dollar auf den realen Output und das reale Vermögen. Wenn es keinen Anstieg des realen Reichtums gibt, dann tritt dieses Geld in Wettbewerb um dieselben Güter und Dienstleistungen, welche bereits vor 5 Jahren mit 50 Billionen Dollar bewertet wurden. Wir sind mit anderen Worten nicht einen Dollar reicher geworden.

Das Problem mit Papier-Vermögen

Alle Papier-Anlagen sind Forderungen an reale Güter und Dienstleistungen. Man kann nicht mehr Güter und Dienstleistungen erhalten, als die Wirtschaft produzieren kann. Da die Wirtschaft der Jahre 2008-2013 nur einen Bruchteil der Forderungen an sie produzierte, werden diese Forderungen dann an den zukünftigen Output gestellt.

Wann wird die Wirtschaft die 21 Billionen Dollar neuen Reichtum produzieren, so dass diese Ansprüche dann realisiert werden können? Mal sehen:

Martin Wolf von der Financial Times ist wie Larry Summers der Ansicht, dass das US-Wirtschaftswachstum im Schlamm festgefahren ist…und dass es da nicht so schnell herauskommen wird.

„Seit dem Beginn dieses Jahrhunderts“, so Summers, „lag das jährliche Wachstum des US-Bruttoinlandsproduktes durchschnittlich bei weniger als 1,8%.“

Hmmm…das sind ungefähr 300 Mrd. Dollar. Mal sehen, wie lange muss man warten – bei 300 Mrd. pro Jahr – um Ansprüche von 21 Billionen Dollar zu decken? Antwort: 70 Jahre!

Nun, das wird nicht passieren, oder? Lange vor dem Jahr 2084 werden diese Ansprüche abgeschrieben oder verloren werden.

Mit anderen Worten: Dieser zusätzliche Reichtum ist größtenteils eine Fata Morgana… (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Vorsicht vor diesem gefährlichen Reichtum-Wunder"

  1. Michael sagt:

    Wenn viele Teilnehmer am langen Ast sitzen reicht einer der beginnt den anzusägen.

    Buchvermögen. Bleibt die Frage für die Aktienmärkte und sei auf Sicht 70 Jahre, ob sich nicht lukrativere Alternativen auftun. Was sind an sich sichere Assets (im Sinne der bestehen Systematik) Cash und Geld aus traditioneller Sicht – Gold und Silber. Schlau jener der andere Alternativen angeht.

    Die Höhe ist ein Argument. Ein anderes ist der Roulettetisch wie am Internet. Man kann sich zwar einbilden, wenn der Betreiber das Ergebnis der ‚Ziehung‘ kennt muss ich halt auch auf seiner Seite sein – das ist Illusion. Je höher die Aktien steigen, desto weniger ist man dabei. Dabei ist man wenn man wirklich preiswert kauft und Dividende erwirtschaftet als Anleger. Der Anleger kann genau so lange mitfahren solange er nicht in Hintertreffen gerät. Es ist dann besser den verbleibenden Buchgewinn zu realisieren. Glücklich jene die bald einstiegen und bereits mit Dividenen Teile ihrer ursprünglichen Investition haben hereinbekommen. Es geht um Gewinn aus Kauf und Verkauf. Buy and Hold ist nicht nur tot – es ist nicht marktkonform. Wenn jemand sich nicht vorstellen kann, billig einen Container Luftballons zu kaufen und mit 20% Aufschlag weiterzuverkaufen der sollte schon aufpassen. Die Luftballons sind schon aufgeblasen und im Container sind weniger drinnen …

    Dem entkommt man nicht. In einem Markt der vorwiegend aus Transaktionen sein Einkommen bestreitet, der hat mit solide wenig zu tun – wenn man bestandsorientiert denkt. Wenn der Markt sich 5 Jahre benimmt wie der Heiland, 1 Jahre das Fegefeuer einheizt und im letzten Moment wie der Leibhaftige sich benimmt, der wird im Schnitt nicht das Lämmchen. Meine Schätzung ist 2014 das Jahr des Fegefeuers.

    Das gilt jetzt nicht für die Profis. Die sollten eh wissen was sie tun.

    Interessant Danke.

    Anverwandt:
    http://www.pieria.co.uk/articles/facts_we_should_remember
    (Neudesign des Eurosystems und Gedanken von der Insel)

    Nochmal QE … Außer Konkurrenz
    http://coppolacomment.blogspot.com/2014/01/banks-do-not-lend-reserves.html

    Der Artikel (auf Forbes) erklärt mal schon ganz interessant – direkter Absprung
    http://www.forbes.com/sites/francescoppola/2014/01/21/banks-dont-lend-out-reserves/
    und dann drinnen ein Absprung zu einem ergänzenden Banks Cannot And Do Not Lend Out Reserves

  2. Michael sagt:

    Frage. Hat man sich jetzt Im U.S. Haushaltsstreit geeinigt? Und wenn ja, was ist das Ergebnis. Hat jemand eine Idee?

    • wolfswurt sagt:

      Selbstverständlicch hat man sich geeinigt.
      Entweder das Limit wird erhöht oder nicht und alles geht bergab.
      Aber wie gesagt in Übereinstimmung.
      Nichts geschieht zufällig.

    • FDominicus sagt:

      So wie ich es verstanden habe wurde es wie immer „gelöst“ Mehr Schulden sind ok bis in ca einem Jahr… Wie schreibt Bill Bonner.
      Die Chinesen tun als hätten sie gute Schuldner und die USA tut so als ob sie ein guter Schuldner wäre ;-(

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