Vorsicht vor den vermeintlich sicheren Anleihen

10. Februar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Addison Wiggin) Ich prognostiziere: Die „Mutter aller Finanzblasen“ wird platzen… aber nicht, bevor sie sich nicht noch mehr aufgebläht hat!

Einer der Favoriten des Vancouver Symposiums, Barry Ritholtz, fertigte vor kurzem eine Tabelle an. Die zeigte eine monatliche Umfrage unter Ökonomen, von Bloomberg durchgeführt, welche bis ins Jahr 2002 zurückging, und die Einschätzungen der „Experten“ in Bezug auf die Entwicklung der Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen jeweils für die folgenden 6 Monate wiedergab.

Barrys Fazit: „In der Finanzgeschichte können wir keine einseitigere Meinung über einen freien (…) Markt finden.“ 97% der Zeit prognostizierte eine Mehrheit der Ökonomen höhere Renditen. Drei Mal, darunter letzten Mai, war der Konsens einhellig: Im Durchschnitt wurde ein Anstieg der Rendite auf 2,4% prognostiziert. Oops… dann waren es doch nur 1,7%. Ein bisschen daneben.“

Die jüngste Umfrage? 94% der Ökonomen, welche befragt wurden, erwarten bis nächsten Mai ansteigende Renditen…und im Durchschnitt tippen sie auf 1,93%

Ich hingegen schrieb letzten Oktober: „Wir denken, dass der 30jährige Bullenmarkt noch eine letzte Aufwärtsphase hat, bevor das Ende kommen wird. Sie sollten entsprechend handeln.“

Damals war der Faktor, den ich zitierte, der drohende Untergang von Geldmarktfonds. Ich räumte dem einen Zeithorizont von drei Jahren ein. Aber jetzt, wo wir einen so überwältigenden Konsens für höhere Renditen und niedrige Kurse sehen, sage ich: Wir werden Anfang des Jahres einen „schwarzen Schwan“ sehen – eine weitere Schuldenkrise in den USA (selbst wenn das „fiscal cliff“ gelöst werden wird). Oder, noch wahrscheinlicher, eine weitere Euro-Krise.

Heißes Geld wird dann in die „Sicherheit“ von US-Staatsanleihen fließen. Die Rendite der 10jährigen US-Staatsanleihen wird unter das bisherige Tief von 1,4% vom letzten Juli fallen. Sie könnte sogar unter 1% fallen.

Aber das wäre dann der finale Anstieg der Kurse der US-Staatsanleihen, was den Anfang eines größeren Bärenmarktes bei Anleihen signalisieren würde. Mit anderen Worten: Ich denke, dass die Zinsen in den nächsten paar Jahren substanziell steigen werden…aber noch nicht jetzt.

Barry sagt: „Ab einem bestimmten Punkt werden die Anleihen-Bären Recht haben.“ Ich bin zuversichtlich, dass dieser Punkt vor dem Ende des Jahrzehnts eintreten wird.

*** In den USA gibt es die geburtenstarke Generation der sogenannten „baby boomer“, welche vor dem Eintritt in ihren Ruhestand steht. Und deren finanziell gesicherter Ruhestand könnte (erneut) ge-/zerstört werden, wegen der Entwicklung bei Junk Bonds und den falschen Dividenden-Aktien. Zunächst einmal hatten die „baby boomer“ mit dem Platzen der Technologieblase ihre Hemden verloren.

Dann verloren sie ihre Hosen, als die Immobilienblase platzte. Und 2013 könnten sie noch ihre Unterwäsche verlieren,….dank der Nullzins-Politik der Fed.

Denn die US-Staatsanleihen mittlerer Laufzeit haben eine Rendite von fast Null. Sparer haben versucht, für ihre Ersparnisse irgendeine Rendite zu erhalten, wo immer sie die auch finden können. In diesem Kontext scheinen Junk Bonds reizvoll zu sein. Die bieten Renditen, die zumindest größer als Null sind, weshalb so viele Investoren an den Markt für Junk Bonds geeilt sind. Schlechter Zug.

Sie müssen die Priorität der Fed verstehen: Sparen und investieren sind deren Todfeinde. „Die wollen konsumieren und spekulieren“, so Dan Amoss, „und sie sind bereit, das gesamte Geldsystem dafür zu riskieren.“ Ergebnis: „Die Investoren gehen dumme Risiken ein; sie haben die Kurse von Junk Bonds nach oben getrieben, und von Dividenden-Aktien, was deren Renditen nach unten gedrückt hat.“

Wenn das Investieren nur so einfach wäre – riskante Vermögensanlagen kaufen, wenn die Zinsen bei Null stehen.

Fragen Sie mal den durchschnittlichen japanischen Geldanleger, wie das für den in den vergangenen 20 Jahren funktioniert hat.

„Die Rally des Jahres 2012 in fast jeder Aktie und jeder Anleihe wird nicht von Dauer sein“, erklärt Dan. „Wenn die Investoren die Junk Bonds und die Aktienkurse nach oben treiben, in einem Null-Zins-Umfeld, dann verlagern sie einfach Erträge der Zukunft in die Gegenwart.“

Wenn die Zinsen wieder steigen werden, dann könnten die Anleihenkurse regelrecht einbrechen. Also Vorsicht vor den vermeintlich „sicheren“ Anleihen.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Vorsicht vor den vermeintlich sicheren Anleihen (von Addison Wiggin)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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