Vorsicht vor Aktien als Langfrist-Investment

3. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Nach einem Jahr der Weltenbummlerei sind wir nun zurück in der Heimat. Reisen kann Spass machen. Es kann auch den Horizont erweitern. Aber das Interessanteste daran ist nicht so sehr, was man über andere Orte herausfindet. Es ist, was Sie über das eigene Zuhause entdecken. Man kehrt in das Land, das man einst kannte, zurück; als ob man es zum ersten mal sieht – wie es T. S. Eliot formulierte.

Also, sind wir bereit, Baltimore wieder zu entdecken. Eine Stadt, in der die Kinder Handfeuerwaffen wie Schulmaterialien mit sich herumtragen.

Und was ist das? Schaut man sich unseren Postkorb an, gibt es wohl anscheinend viele Sarah Palin-Fans unter unseren Lesern. Mehrere halfen uns, Frau Palins gnomische Bemerkungen über Donald Trump zu entziffern. Einige bestellten das Abo unserer Publikationen ab. Sie müssen wohl gedacht haben, dass unsere Bewunderung für die ehemalige Gouverneurin von Alaska unaufrichtig gewesen sei.

Keine Schande, in Cash zu bleiben

Aber machen wir weiter … Zuerst kommen wir zurück zu den Fragen, denen wir uns vor einigen Tagen in Mumbai stellten. „Was soll ein Investor tun?“, fragte ein alter Mann in einem Nehru-Jacket.

„Soll ich im Aktienmarkt investiert bleiben? Immerhin zahlen sich Aktien-Investments langfristig immer aus. Oder sollte ich in Richtung Cash und Gold umschichten? „

Wir haben den Leuten erläutert, dass es keine Schade sei, in Cash zu bleiben, bis der Markt eine Bodenbildung abgeschlossen habe. Wenn wir uns irren und die Preise schießen nach oben, werden wir den Anstieg zwar verpassen. Aber das Risiko, wirklich substanzielle Gewinne zu verpassen, erscheint gering. Die Gewinne sinken. Fast alle Signale aus Industrie und Handel zeigen auch nach unten. Gleichzeitig sind die US-Aktienmärkte immer noch recht hoch bewertet.

Schauen wir nur auf das CAPE-Ratio (Shiller-KGV). Auf dieser Grundlage war der S&P 500 nur drei mal in den letzten 100 Jahren höher bewertet. Das war kurz vor dem Crash von 1929 … kurz vor dem Platzen Dotcom-Blase im Jahr 2000 … und kurz vor dem Zusammenbruch 2008 – allesamt alles andere als gute Zeitpunkte, investiert zu sein.

Nicht nur das, sondern auch die globale Verschuldung ist heute höher als je zuvor in der Geschichte.

Ist es in einem solchen Umfeld nicht sinnvoll, mit Cash an der Seitenlinie zu stehen und zu warten, bis die Preise der Vermögenswerte gefallen sind und die Schuldenproblematik vom Tisch ist?

Marsch zur Hölle

Das ist nicht sinnvoll, wenn es nach den Newsletter-Schreibern von „The Motley Fool“ geht… Matthew Frankel nennt uns drei Gründe, warum wir uns um den Aktienmarkt im Jahr 2016 keine Sorgen machen sollten. „Keine Panik“, schreibt er.

Der verstorbene Richard Russell, der Herausgeber des Dow Theory Letters, hat uns gelehrt, dass es kurze Zyklen und lange Zyklen gibt.

Die langen Zyklen sind diejenigen, auf die es wirklich ankommt. Sie können eine Rallye ab und zu verpassen; es macht nicht wirklich viel aus. Aber wenn sie einen großen, langfristigen Bullenmarkt verpassen, dann haben sie die Chance ihres Lebens verpasst.

Auf der anderen Seite kann der Ritt durch einen Bärenmarkt wie ein Marsch in die Hölle sein. Richard Russell pflegte zu sagen, dass das Schlimmste, was passieren könne, die Problematik sei, dass Sie einen „ruinösen Verlust“ hinnehmen müssen, von dem sie sich nicht oder kaum mehr erholen können.

Wichtige Marktschwankungen brauchen ihre Zeit. Der Dow erreichte seinen Höhepunkt im Jahr 1929. Es dauerte bis Ende der 1950er Jahre, bis er wieder das Hoch aus dem Jahr 1929 erreichte. Seitdem gab es viele Auf- und Abschwünge und schließlich erreichten wir das Top im Jahr 2015, als der Dow über 18.000 stieg.

Folgende Fragen stellen sich jetzt:

Wo stehen wir jetzt?

Haben wir das Hoch schon gesehen?

Sind wir in einem langen Abschwung?

Dann gibt es folgende persönliche Fragen:

Wie lange werden Sie leben?

Wann werden Sie das Geld brauchen?

Wie viel Volatilität können Sie aushalten?

Es kann alles verflucht lange dauern. Von 1929 bis 1956 dauerte es 27 Jahre im Dow, ehe der „break even“ erreicht war. In Japan dauert es seit dem Jahr 1989 nun schon 26 Jahre – und nicht einmal die Hälfte der Verluste sind seither aufgeholt!

Wie würden Sie sich fühlen, bis ins Jahr 2042 zu warten, um das Hoch aus dem Jahr 2015 wieder zu erleben?

Kein Berg zu erklimmen übrig

Die andere wichtige Sache, die es zu erkennen gilt, ist, dass die langfristige Performance des Aktienmarktes vor allem ein Mythos ist. Sicherlich könnten sie etwa 10% pro Jahr verdient haben, wenn sie vor in 100 Jahren in den Markt eingestiegen und durchgehalten hätten. Aber diese Zahl, diese zehn Prozent sind nur unter Einschränkungen wirklich richtig.

Erstens, verdienen Sie nicht wirklich jedes Jahr die besagten 10%. Das kommt nur dann raus, wenn sie ihr Investment in Aktien 100 Jahre nicht anfassen und liegen lassen und dann ihre jährlichen Gewinne ermitteln.

Es sieht dann so aus, als ob Sie stetig nur nach oben auf den Berg marschiert seien. Aber wenn man an der Spitze steht, gibt es eben nur noch einen Weg: und zwar nach unten. Rechnet man dann – einschließlich des Weges nach unten – noch einmal genau nach, so sehen die Jahresrenditen alles andere als erfreulich aus.

Zweitens stellt sich die Frage: leben wir wirklich so lange, damit dies funktioniert?

In der Theorie ist der Zinseszinseffekt großartig. Aber seine Magie erfüllt sich nur am Ende der Laufzeit.

Nehmen Sie also einen Penny her, und verzinsen den mit 100 Prozent, dann haben Sie in zehn Jahren 10,24 US-Dollar.
Bei 1000 $ und einer angenommenen Rendite von zehn Prozent kommen nach 10 Jahren 2593 Dollar raus. Nicht schlecht. Aber das ist kaum der Stoff, aus dem Träume gemacht sind. Und das setzt voraus, dass Sie 10% pro Jahr erwirtschaften. Bei den heutigen Preisen, sind US-Aktien bereits so hoch bewertet, dass es nicht mehr wirklich viel des Berges zu erklimmen gibt.

Der Nobelpreisträger und Ökonom Robert Shiller schätzt die durchschnittliche jährliche Rendite von US-Aktien in den nächsten 10 Jahren auf nur noch 3% ein. Vanguard Group Gründer Jack Bogle glaubt, dass es nur gut ein Prozent sein werden. Und Rob Arnott von Research Affiliates geht von einer Jahresrendite von weniger als einem Prozent in dem Zeitraum aus.

Bei diesen tiefen Zinssätzen können Sie die Magie des Zinseszinseffekts getrost vergessen.

Vom großen Bär erschlagen

Dann müssen Sie sich Sorgen machen im Hinblick auf extreme Rückgänge in ihrem Portfolio. Wenn Sie von einer zehnprozentigen positiven Verzinsung ausgehen und dann zum Beispiel im dritten Jahr einen Verlust von 40 Prozent haben, müssen sie weitere drei Jahre warten, um wieder da zu stehen, wo sie ganz am Anfang waren. Noch schlimmer ist allerdings, dass der große Bärenmarkt ihre lebenslangen Ersparnisse und Investments arg lädiert. Sie müssen den „ruinösen Verlust“ hinnehmen, vor dem Herr Russell warnte. Und es besteht kaum noch Zeit, von dem Verlust sich zu erholen.

Die meisten Anleger haben nicht genug Zeit, um den Zinseszinseffekt für sich so arbeiten zu lassen, wie es in der Werbung suggeriert wird. Die meisten sind bereits über 50, wenn sie mit dem Investieren beginnen. Sie haben nicht 100 Jahre Zeit. Sie sind glücklich, wenn sie noch 15 oder 20 Jahre Zeit haben.

Und wenn es in dieser Zeitspanne irgendwelche erhebliche Rückschläge gibt, sind sie erledigt.

Deshalb ist es so extrem wichtig ist, dann einzusteigen, wenn der Markt extrem tief bewertet ist. Dann sind zweistellige prozentuale Jahresrenditen über viele Jahre hinweg zumindest eine theoretische Möglichkeit.

Aber wenn wir mit unserer Analyse über die Wirtschaft richtig liegen … und auch betrachten, wie teuer die Börse ist … und wie schwierig es sein wird, um weitere Gewinne zu erzielen, dann ist dies wahrscheinlich nicht die beste Zeit, um ein Programm der privaten Rentenfinanzierung über Aktien zu beginnen.

Auf unserer Waage neigt sich die Balance zwischen Risiko und Ertrag in US-Aktien extrem stark auf das Risiko. Wir sehen eine hohe Wahrscheinlichkeit eines ruinösen Verlusts gegenüber relativ unwahrscheinlichen hohen Gewinnraten. Ja, es ist Zeit in Panik zu geraten. Sie werden es nicht bereuen.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Vorsicht vor Aktien als Langfrist-Investment -1- (von Bill Bonner)
Vorsicht vor Aktien als Langfrist-Investment -2- (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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