Vorsicht, Prognosen!

15. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Der Dezember ist der Monat der Prognosen für das kommende Jahr. Prognostiziert wird so ziemlich alles, was sich bewegt. Unter Börsengurus besonders weit verbreitet sind: Dax, Dow Jones, Dollar, Zinsen, Gold und nun sogar auch die Kryptowährung Bitcoin. Obwohl das meiste davon irreführender Quatsch ist, wiederholt sich das Ritual von Jahr zu Jahr.

Das liegt in erster Linie daran, dass der Blick in die Zukunft für die meisten Anleger per se schon eine gewisse Faszination ausübt und dass eine scheinbar präzise Zahl wie Dax 15.000 oder Gold 2000 diese Faszination verstärkt.

Zum Thema Quatsch noch die folgenden Bemerkungen: Aufgrund des Börsenwerts gewichtete Indizes wie der Dax oder Kursdurchschnitte wie der Dow Jones enthalten viele verschiedene Aktien, in diesen beiden Fällen jeweils 30. Deren Kurse hüpfen ständig hin und her. Darauf basierend eine Prognose abzugeben, verbietet sich deshalb von selbst. Und obendrein noch eine präzise Landung vorzutäuschen, also beispielsweise 15.000 Punkte für den Dax Ende Dezember 2018, erscheint unter solchen Umständen dann doch recht dreist.

Aber wie kann es dazu kommen, dass Prognosen auf derart wackeligem Untergrund immer wieder nicht allein von fragwürdigen Gurus, sondern auch von Bankern und Volkswirten geradezu massenweise erstellt werden? Darauf gibt es im Wesentlichen die folgende Antwort: Weil am Ende neben vielen Wettverlierern immer auch wenige Gewinner hervorragen. Diese zehren dann von ihrem Erfolg: Die Gurus, indem die Auflagen ihrer Börseninformationsdienste steigen, die Banker und Volkswirte, indem sie ihre Existenz rechtfertigen und in dem einen oder anderen Fall sogar neue Kunden für ihr Haus gewinnen. Nebenbei wird in allen Siegerfällen zumindest für kurze Zeit das Selbstbewusstsein gestärkt und die Eitelkeit befriedigt.

Was können private Anleger aus alldem lernen? Zunächst natürlich, dass es wegen der genannten Gründe sinnlos erscheint, den Prognostikern blind zu folgen. Immerhin kann es nicht schaden, manchen von ihren Gedanken als Anregung aufzuschnappen. Doch mehr nicht. Stattdessen lohnt es sich, eigene Gedanken zu entwickeln, um darauf aufbauend Zukunftsperspektiven zu gewinnen. Etwa zur überbordenden weltweiten Verschuldung und ihren möglichen Konsequenzen für den Geldwert. Oder zur Konjunktur, speziell in Deutschland, einschließlich ihrer Folgen für Anleihen und Aktien. Oder zu besonders zukunftsträchtigen Aktien.

Was den zuletzt genannten Punkt betrifft, bot das Deutsche Eigenkapitalforum Anregungen en masse. Es konzentrierte sich vor allem auf deutsche und andere europäische Aktien aus der zweiten und dritten Reihe, zum Teil mit erheblichem Wachstumspotential. Die umfangreichste Berichterstattung dazu gab es von der Börsen-Zeitung. Da private Anleger nur eine kleine Minderheit bildeten, gebe ich hier einige persönliche Eindrücke wieder, die ich während der drei Tage gewann:

Holger Schmieding von der Berenberg-Bank meint: Falls die Konjunktur kippt, dann eher wegen eines nicht vorhersehbaren externen Ereignisses als durch die Zinspolitik der Zentralbanken. Diese werden die Inflation überschießen lassen. – Elektromobilität und Software bilden, mehr als Pharma und Energie, die beherrschenden Themen des Forums. Selbst fahrende Autos dürften noch vor dem weltweiten Durchbruch der Elektromobilität Anleger in den Bann ziehen.

Im Übrigen gibt es für die Autozulieferer außer Batterien, Reichweiten und Ladestationen viele weitere Themen, beim Forum repräsentiert durch Unternehmen wie Paragon, Progress-Werk Oberkirch oder Aumann. – In Sachen Software tun sich neue Horizonte auf: Wegen der zunehmenden Cyberkriminalität (Angriffe auf die Software von Unternehmen, Behörden, militärischen Anlagen u.a.) bedarf es effizienter Abwehrmethoden. Zu diesem Zweck ist das deutsche Unternehmen MBB bereits vor sechs Jahren eine Verbindung mit dem amerikanischen Konzern Palo Alto Networks eingegangen, einem der weltweit führenden im Kampf gegen Cyberkriminalität. Das Engagement zahlt sich mittlerweile mehr als aus.

So weit ein paar Beispiele, wie man auf zukunftsträchtige Aktien stoßen kann, ohne sich mit Prognosen zu irgendwelchen Indizes beschäftigen zu müssen. Das bedeutet: Weniger der Makro-Ansatz (im Börsenjargon top down genannt) bringt die erhofften Erfolge, sondern der Mikro-Ansatz (bottom up). Und wie kommt man dazu? Ich bin sicher: Sobald Sie bei Google Begriffe wie Elektromobilität oder Cyberkriminalität eingeben, erhalten Sie massenweise interessante Informationen. Aus denen die weiterführenden herauszufiltern, erfordert zwar viel Zeit, aber die ist in diesem Fall ganz sicher gut investiert.
Manfred Gburek – Homepage

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar