Vorsicht! Nichts für Systemtrottel!

30. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man sollte dem Wahnsinn öfters ins Auge schauen. Dann weiß man zumindest, womit man es zu tun hat und kann sich darauf einrichten. Dafür muss man diesen Wahnsinn aber erst einmal mal als solchen erkennen. Mut braucht es da auch noch…

Normalerweise schreibe ich ja wenig über Bücher. Mir hat es aber wieder eines angetan, ein Buch, welches für „Systemtrottel“ völlig ungeeignet ist. Das schreiben Rahim Taghizadegan vom Institut für Wertewirtschaft und die beiden Fondsmanager Ronald Stöferle und Mark Valek in ihrem Buch „Österreichische Schule für Anleger – Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation“.

Verständlich… „Systemtrottel“ in einer Schaltzentrale einer Blähwirtschaft sollten sich auf ihre Sache konzentrieren und glauben, dass sie das Richtige tun, für wichtig erachtet und auch mal gefeiert werden für ihre Heldentaten. Es lebt und arbeitet sich eben besser, wenn man das glaubt, was man glaubt und durch nichts anderes auf etwaige seltsame Gedanken kommt. Das leistet das Buch vollumfänglich. Die Arbeit von „Systemtrotteln“ wäre nach der Lektüre dann, na sagen wir, etwas komplizierter als zuvor. Wer von den Geldflüssen des Systems abhängig ist, so sinnlos das Unterfangen oft auch ist, der muss sich biegen. Das aber ist das kleinere Problem. Schließlich tun es ja fast alle – und wirken dabei doch glücklich. Oder? Um Himmels Willen, wenn da mal ein Licht aufgeht oder der Blitz einschlagen sollte…

Genau das haben die beiden Autoren mit ihrem Buch geschafft, eine nahezu zeitlose Literatur für die heimische Bibliothek verfasst, die die Geschichte überdauert, weil sie aus der Geschichte kommt. Aber eben nichts für Systemtrottel, obwohl es auch für sie geschrieben wurde.

Oh weia! Noch ein Buch über Ökonomie? Fast! Ohne Zweifel gibt es zu viele von diesen Werken. Aber es gibt Unterschiede…

Im Zeitalter der Computertechnik, statistischer Modelle und Vermessung und Informationsverarbeitung müsste es doch inzwischen gelungen sein, Märkte und Wirtschaft nicht nur zu verstehen, sondern auch zu prognostizieren. Irrtum! Das Überraschende kommt überraschend oft um die Ecke. Komisch! Das bedeutet keineswegs, dass Theoretiker auch gute Spekulanten und umgekehrt sind.

Österreichische Schule für Anleger: Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation

Soweit ich weiß, wird die Ökonomie für eine Wissenschaft gehalten. Das ist sie auch, nur derzeit in Sachen Mainstream vermutlich auf Abwegen. Was aber leistet sie heute? Und warum gelingt es ihr trotz des immensen Aufwandes nicht, die Zukunft zu prognostizieren? Wer an der Börse arbeitet wie ich, der staunt immer wieder, dass schief geht, was schief gehen kann. Ist die moderne Wirtschaftswissenschaft auf einem Holzweg? Vielleicht sollte sich die Wirtschaftswissenschaft mehr auf die Praxis konzentrieren, und das ist der Vorteil der Österreichischen Schule der Nationalökonomie.

rahim2Womöglich liegt das Versagen der Mainstream-Ökonomie in vielerlei Hinsicht darin, dass die handelnden Menschen nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Die Praxis ist inzwischen mehrheitlich der Theorie gewichen. Handelnde Menschen werden in Systeme gegossen und Märkte statistisch modelliert. Und dann wundert man sich, wenn überhaupt, dass es doch alles ganz anders kommt. Und dann passiert etwas, was man im Fachterminus „Intervention“ nennt. Sollte dann etwas nicht passen, wird es passend gemacht – für „Bewirtschafteten“ im fortgeschrittenen Stadium. Wer bezahlt eigentlich die Wissenschaftler? Der größte Nachfrager nach ihrer Arbeit ist der Staat. Und der hat ein handfestes Interesse … und Geld…

Politik reagiert auf Veränderungen mit Eingriffen, welche dann wiederum erneute und noch stärkere Eingriffe zur Folge haben. Die Ereignisse der letzten Jahre zeigen deutlich eine sich schneller drehende Interventionsspirale – als Antwort auf die Symptome der Überschuldung, Misswirtschaft und Folgen der Geldpolitik in einer Geldwelt, wo die Schulden der einen die Guthaben der anderen sind. Die meisten großen Kulturen sind am Interventionismus zugrunde gegangen, sagt Rahim Taghizadegan in einem Interview auf der Metallwoche. Eine Demokratie entwickelte sich dann nach und nach in eine Diktatur, ohne die Ochlokratie auszulassen bis zur Tyrannis. Die Aussichten mögen erdrückend sein, jedoch werden die Leute, die mit „Brot und Spiele“- Politik auf Kurs gehalten werden, irgendwann ihrem schwindenden Wohlstand auf die Spur kommen wollen.

Zwischen 1947 und 1952 schuf ein aus der Zukunft geborgter US-Dollar noch 4,61 Dollar an neuem BIP. Heute schafft ein neuer US-Dollar lediglich acht US-Cents an neuem Wert. Der Grenznutzen neuen Fiat-Geldes liegt also bei acht Prozent, nicht nur in den USA. Ein Auto mit dieser Leistung würde man wohl verschrotten.

Kaum verwunderlich, dass in kürzeren Abständen die Krisen die Schlagzeilen in der Presse bestimmen und auch unmittelbare Auswirkungen auf jedes handelnde „Wirtschaftssubjekt“ zeigen. Statt Ursachen zu beseitigen, wird an den Symptomen herum operiert mit verstärkten Rufen nach noch mehr Staat. Was bedeutet das? Und wohin führt das? Wir sehen es ja, naja, die „Systemtrottel“ nicht.

Als vermeintliche Lösung werden mehr Interventionen bis hinein in die kleinen Zellen der Familien angeboten und werden inzwischen auch dankbar angenommen. Das gab es schon immer in der Geschichte, wenn es Probleme im Geldsystem gegeben hat. Dabei werden die Ziele einiger Weniger kanalisiert und diese als Freiheit verkauft, obwohl ihnen die Züge der Unfreiheit innewohnen. Zudem sind die Mitläufer in Sachzwängen gefangen. Was bleibt ihnen im Hamsterrad auch anders übrig, als „Ja und Amen“ zu sagen?


Die „Brot und Spiele“-Politik saugt die finanziellen Grundlagen eines Staates nach und nach auf. Die Verschuldungsdymanik nimmt zu – bis ein Tyrann erscheint, und es dann zu Entschuldungsversprechen und Gläubigerenteignung kommt. Wenn der inflationäre Motor nicht anspringt – zwangsläufig. Und die Leute werden nach Entschuldung rufen und Mehrheiten werden dann darüber bestimmen, so Rahim Taghizadegan.

Das Gegenteil wäre mehr individuelle Freiheit. Bloß ist der Mensch nicht von Natur aus schlecht? 

Inmitten größer gewordener Blähwirtschaften und deren ganzen Zerr-Formen ist es heute weniger einfach geworden, nicht nur für seinen Lebensunterhalt zu streiten, gleichzeitig zu sparen und bei allen schon angekündigten Begehrlichkeiten auf Sparguthaben bei gleichzeitigem Angriff auf Freiheit und Individualismus. Verzerrte Märkte erfordern Eingriffe, die unter Marketingaspekten der Öffentlichkeit bestens verkauft werden.

Geld zu haben, ist ja eine nette Sache, sofern die Einnahmen ausreichen bzw. die Ausgaben übersteigen. Der Aufbau von Guthaben setzt die Verschuldung anderer voraus. Zudem sind die auf dem Konto gesammelten Guthaben eine Forderung gegenüber der Bank. Ob sie diesen Forderungen jederzeit nachkommen kann? Die Geschichte beweist: Nein.

Unabhängig davon, ob man sich für Wirtschaft und deren Zusammenhänge interessiert, gibt es unmittelbare Auswirkungen auf das persönliche Leben. Handeln führt zu Konsequenzen, sowohl bei der Bildung von Vermögen und auch bei dessen Erhalt und Mehrung. Mit dem im Buch vorgestellten philosophischen und permanenten Portfolio geben die Autoren handfeste Überlegungen an die Hand, die manche Entscheidung einfacher machen.

Österreichische Schule für Anleger: Austrian Investing zwischen Inflation und Deflation

Ach wie schön ist die Welt, wenn man diese so zusammenbastelt, wie man sie benötigt. Oder besser noch: Unwissenheit ist heute nicht nur von Vorteil, sondern Standard. So verwundert es kaum, wenn heute in Sachen Ökonomie eher geglaubt statt gewusst wird. Im Laufe der Jahrzehnte wuchs so eine beachtlich hohe Zahl an „Systemtrotteln“ heran – mindestens so schnell wie die Geldberge und Schuldsummen.

„Österreichische Schule ist völlig unbrauchbar für Systemtrottel“, schreiben die beiden Autoren. Das ist wahrscheinlich der Grund, dass diese Österreichische Schule nicht Mainstream ist. Kann man damit Karriere machen? Oh nein! Für Kontrolleure und Sozialingenieure ist das Buch unbrauchbar. Diese liefern das, was die Politik wünscht, und das ist weniger Hausverstand als Ökonomik. Aber für alle anderen ein Quell von Wissen und Hintergründen.

Vielleicht liegt einer der Werte der Österreichischen Schule der Neuzeit darin, Dinge zu erkennen, die man nicht glauben sollte und dann ein paar bessere Entscheidungen zu treffen, als man ohne deren Grundlagen womöglich getroffen hätte. Man verwechselt dann weniger Risiken mit Chancen und lässt sich nicht einfach mitspülen bzw. wegspülen. Dafür braucht man Geduld und einen starken Magen, um letztlich bessere Entscheidungen treffen zu können. Schließlich kann man nicht außerhalb eines Marktes stehen. Und wie es der Zufall will, materiell am einträglichsten sind oft Entscheidungen, die nicht aus materiellen Gründen getroffen worden sind. Was bleibt also übrig, als die Dinge selbst in die Hand zu nehmen? Die eigenen Dinge nicht in die eigenen Hände zu nehmen. Die ausgespielten Karten kann man nicht ändern, aber damit spielen. Viel Glück!

P.S. Es ist viel einfacher, jemanden zu täuschen, als ihn davon zu überzeugen, dass er getäuscht wurde. (Mark Twain)



 

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2 Kommentare auf "Vorsicht! Nichts für Systemtrottel!"

  1. Michael sagt:

    Systemtrottel :(. Sehr abgedroschenes Wort, trifft ins Herz, verdunkelt die Seele und manchem schlägt es auf die Nieren. Inflationszombie denke ich ist exakter. Werfe nicht dem Schaf vor, dass es ein Schaf ist. Große zentralistisch organisierte Systematiken lassen den Menschen vermuten sie seien gottgegeben und vermitteln den Eindruck Teil der Natur zu sein – Schöpfung. Doch ists nicht das Schicksal des Menschen und auch nicht Schafes geschoren zu werden und an die Schlachtbank geführt.

    Egal. Auch der größte Voodoozauber hat mal ein Ende …
    https://www.youtube.com/watch?v=jYVgQMoGNUs

    von selbst verschwindet er nicht.

    Simples Beispiel. Wenn einem klar ist, dass ein Sparguthaben Kredit ist, dann kann Solidarität nicht falsch verstanden werden. Man entledigt sich der Schulden die mit dem Pack Kreditgeld verbunden sind und einem anderen ist geholfen, denn der läuft nicht Gefahr die Schuld zu behalten. Jedes Einkommen ist nichts anderes als bewiesen zu haben willig sein mehr Schuld aufzubürden. Arbeitslohn wirkt nie schuldbefreiend.

    Klar, zuvor ein Realgut zu tauschen erfreut das Herz mehr, zurecht, aber wenn alles Notwendige getauscht ist eben keine Deckung über die Verwendung von Lebenszeit anderer notwendig. Arbeitslosigkeit ist allein im Kreditgeld problematisch, da Solidarität keine zusätzliche Nutzung von Lebenszeit begründet. Es ist ja jeder froh, dass er die am Geld anhängige Schuld weitergibt – das sichert an sich ja den Umlauf im Kreditgeld. (Dollar, EURO usw… die üblichen Verdächtigen). Solch ein Vorgehen begründet Transaktionen. Am Grenznutzen kann man ablesen, so interpretiere ich das, wie nützlich überhaupt noch diese Mechanismus ist.

    Am Realwert hängt keine Schuld. Geldmetalle andere Realwerte wie Aktien – auch wenn letztere massiv überteuert sind bezogen auf den Wert den sie repräsentieren, so wirkt ihr Erwerb schuldbefreiend.

  2. Michael sagt:

    Wollte nur anmerken den zwischen Reichtum und Vermögen. Vermögen ist ein Packerl Schulden kombiniert mit der entsprechenden Menge an Tauschmittel diese aus der Welt zu schaffen. Liegt es als Packerl am Tisch oder im Strumpf so ist es gehortetes Tauschpotential. Die Reichen sagen, ‚Mittel zum Zweck‘.

    Der Vemögende ist noch nicht reich. Der ist einen Schritt davon entfernt.

    Reich ist er dann, wenn er die Möglichkeit nützt sich von der ‚Schuld‘ zu befreien. D.h. das Geld ausgibt, genauer gesagt den Kredit anderen überlässt. Wenn jemand wertorientiert ist nimmt er einen bewerteten Gegenstand der auch in Zukunft einen anderen kann erfreuen, ob seiner bloßen Existenz, Formgebung und den Eindruck auf die Sinne neben der Form.

    Reichtum ist eben ein bewerteter Gegenstand oder kann in anderer Form vorhanden sein. Ein netter Laptop mit Open Source Programmen mit denen sich ein künstlerisch gestaltender Mensch kann ausdrücken. Immaterieller Reichtum ist auch eine Art Vermögen sich auszudrücken. Wie das Instrument des Musikers das Vehikel dazu ist. Das wäre der Reichtum.

    Eine Fähigkeit oder Talent ist an sich der größte Reichtum wird aber nicht konserviert. Denn der Wurm wird nicht musikalischer … möglicherweise zwitschert der Vogel fröhlicher, aber das liegt weniger an der Musikalität des verspeisten Wurms denn dem vollen Magen.

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