Vorsicht Doppelschlag!

2. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Es ist im Vorfeld definitiv nicht sicher feststellbar, ob am Ende dieser Woche die Bären oder die Bullen als strahlende Sieger vom Platz gehen werden. Aber wir dürfen in jedem Fall erwarten, dass die momentan plötzlich so lethargisch wirkenden Aktienmärkte sehr schnell wieder in Wallung geraten werden…

Denn am Donnerstag nun kommt der Showdown der EZB. Und am Tag darauf folgen die US-Arbeitsmarktdaten. Und zugleich steigert sich bei mir immer mehr der Eindruck, dass an diesem Wassertreten der Aktienmärkte seit Mittwoch etwas faul ist. Da kommt was auf uns zu.

Waren die EZB-Ankündigungen nur eine Hinhaltetaktik … was möglich ist, weil schon vorgekommen, allerdings nichts, worauf man bauen sollte? Werden die verkündeten Maßnahmen einschlagen wie eine Bombe … und wenn ja – zu wessen Gunsten? Werden die US-Arbeitsmarktdaten am Freitag imstande sein, das ernüchternde Bild, das die zweite Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt des 1. Quartals mit -1,0 Prozent hinterlassen hat, wieder aufzuhellen? Oder bleibt die Lage dort trübe, wie es Indikatoren wie der schon wieder schwache Baltic Dry Index vermuten lassen? Spannend wird’s … aber für wen geht dieser Showdown am Ende gut aus?

Dieser seltsame Stillstand des DAX vor der angeblich doch von jedermann herbeigesehnten 10.000 … er betrifft ihn nicht alleine. Der Dow Jones klebt direkt unter seinen Allzeithochs, dito der MDAX. Nasdaq 100 und TecDAX tänzeln unmittelbar unterhalb mehrjähriger Hochs. Aber die deutschen Anleihen, die laufen trotz Mini-Renditen und Warnungen der EZB wie geschnitten Brot. Die meisten Anleger mögen mit den luftigen Levels der Indizes einfach zufrieden sein. Aber ich meine, es lohnt sich, darüber nachzudenken, was hier vorgeht. Sicherheitshalber. Denn es kann sein, dass die Aktienindizes die momentanen Hürden im Vorfeld der EZB-Sitzung durchbrechen. Aber es kann trotzdem gut sein, dass am Ende der Woche die Bären die Nase vorn haben.

Es ist übrigens in diesem Zusammenhang ein paar Gedanken wert, warum die EZB sich wohl bemüßigt fühlt, vor Übertreibungen am Anleihemarkt zu warnen. Will man denn nicht dauerhaft niedrige Zinsen? Will man das mit den anstehenden Maßnahmen denn nicht noch zementieren? Wieso macht man dann den Anlegern die Festverzinslichen madig? Ein einheitliches Zinsniveau in der Eurozone wäre praktisch, klar. Raus aus deutschen, rein in spanische und italienische Bonds, das wäre der EZB zweifellos recht. Aber wer will das schon? Und ist das das Ziel solcher Mahnungen? All die Maßnahmen der Notenbanken, all das „billige Geld“, es war angetan, das Feuer der Subprime- und Eurokrise kurzfristig einzudämmen. Aber die Glut glimmt umso intensiver. Letztlich haben die Notenbanken die Finanzindustrie in die Aktienmärkte getrieben, damit die Voraussetzungen für einen erneuten Kurseinbruch geschaffen und sind nun dabei, einen womöglich letzten Rundumschlag durchzuführen.

Könnte es sein, dass diese Warnungen der letzten Woche vor Übertreibungen am Anleihemarkt der Versuch sind, im Fall negativer Reaktionen auf diese letzte, erwartete „Big Bazooka“ sagen zu können: „Wir haben’s euch doch gesagt?“ Könnte es sein, dass man damit die Anleger in die Aktienmärkte treiben will, um diese zu stützen, falls es nun vorbei sein sollte mit eitel Sonnenschein und fünf Jahren Hausse?

Es wäre zumindest denkbar, denn klar ist: Solange noch Hoffnung besteht, dass die Zinsen weiter fallen und die Kurse somit bei Anleihen ebenso wie bei Aktien noch Luft nach oben haben, geht noch was, wird noch gekauft. Setzt sich bei Anlegers aber der Eindruck durch, nun den endgültigen Boden erreicht zu haben, ist es vorbei mit den Käufen. Ab Donnerstag? (—> Seite 2)



 

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Ein Kommentar auf "Vorsicht Doppelschlag!"

  1. Michael sagt:

    Schätze die Ergebnisse werden so interpretiert wie sie ins Weltbild passen. Das wäre naheliegend und alles davon Abweichende erwiese sich als höchst ungewöhnlich.

    Aber im DAX ist im Moment Tot Hose … Das alte Fieber, jo, jo
    https://www.youtube.com/watch?v=CQYypFMTQcE

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