Vorsicht, Abrutschgefahr!

17. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Ronald Gehrt) Pünktlich zu Beginn der närrischen Woche haben wir jetzt auch noch eine Zuspitzung der Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland. Aber, ich bitte Sie, natürlich muss am Schuldenschnitt, am Sparpaket und dem „danach“, sprich der Überwachung, wer warum wann und wo welchen Euro ausgeben wird, gefeilt werden. Wir sind schließlich kein Europa der Macher, sondern der Bürokraten. Genormte Salatgurken hätten Warnung genug sein müssen hinsichtlich dessen, was sich gerade abspielt…

Und wenn Herr Schäuble andeutet, man sollte vielleicht nach den griechischen Wahlen im April eine „Expertenregierung“ einsetzen, dann will er damit ja niemanden bevormunden, nein. Er möchte doch nur, dass es so läuft wie bei uns. Nun ist es zwar so, dass Herr Schäuble tatsächlich lange im Finanzwesen tätig gewesen ist, bevor er das Ministeramt übernahm, auch Wirtschaftswissenschaften und Jura studierte. Aber sonst? Jawoll, auch da passt alles. Unser Verkehrsminister kann Auto fahren, die Familienministerin Kinder kriegen, der Innenminister bleibt gerne drinnen, die Bildungsministerin kann lesen und der Verteidigungsminister kann vielleicht Judo. Und ich weiß aus sicherer Quelle, dass die Ernährungsministerin hin und wieder Nahrung zu sich nimmt. Nur Profis im Metier … da können sich die Griechen mal eine Scheibe von abschneiden.

Ab- bzw. zerschnitten ist jetzt jedoch das Tischtuch zwischen den Deutschen und den Griechen. Da mögen die Medien einen Teil Mitschuld haben, aber die Basis des Problems ist die Weigerung anzuerkennen, dass andere Länder und Menschen auch anders ticken. Der Unmut innerhalb der EU über die Meinungsführerschaft der Achse Deutschland/Frankreich ist schon groß genug … sollte man sich da nicht hurtig ein wenig zurücknehmen? Reicht es nicht, dass Großbritannien sich in den Schmollwinkel zurückgezogen hat? Aber nein, es geht zu wie im Kindergarten-Sandkasten. Der mit der Brille sagt allen anderen, wie die Sandburg zu bauen ist. Der, der lieber Sandkuchen machen wollte, sitzt maulend in der Ecke. Und die, die etwas anders sind, müssen automatisch bevormundet werden. Ja, Politik ist wie das richtige Leben. Nur fehlt es leider an der Erzieherin, die die Unruhestifter an den Ohren zieht und für Ruhe und Frieden sorgt.

Die Börsen lassen sich, so hat es zumindest den Anschein, jedoch immer wieder und offenbar nur zu gerne vertrösten. Anstatt die Häufung der Beweise dafür zu erkennen, dass das Projekt einer Europäischen Union in dieser Größenordnung gescheitert und nicht mehr reparierbar ist, hecheln insbesondere die Aktienmärkte von einem Kursschub zum nächsten. Und immer sind es angeblich die Hoffnungen auf eine Lösung der Griechenland-Problematik, die für Käufe sorgen. Bzw., was die US-Börsen angeht, die feste Erwartung, dass das Wachstum dort deutlich anziehen wird. Zumindest scheint das so … aber ich fürchte sehr, dass man hier nur die angenehmsten, einfachsten Erklärungen transportiert, die jedoch in meinen Augen nur für eine Minderheit des Kapitals zutreffen.

Es ist schon wahr, dass die Erwartungskomponenten bei Sentiment-Umfragen unter Unternehmern, Finanzmarktexperten, normalen Anlegern, den Bürgern oder Einkaufsmanagern in den letzten beiden Monaten steil gestiegen sind. Und ich zweifle nicht daran, dass nicht wenige Akteure, so, wie es immer war, diesen Stimmungsumschwung als Beweis dafür nehmen, dass sich auch die tatsächliche Lage gebessert hat. Das ist ein völlig börsentypisches Verhalten, zumal: Je kritischer die Lage, desto mehr übernimmt der Faktor Hoffnung die Steuerung eigenen Handelns, weil man sich in solchen Situationen liebend gerne in das Schneckenhaus eines „Alles-wird-gut“-Szenarios zurückzieht. Denn parallel zu den wachsenden Hoffnungen nimmt laut Umfragen die Bereitschaft zu, negative Meldungen mit Auswirkungen auf das eigene Leben einfach zu ignorieren. So lebt es sich so lange bequem, bis die Realität auch an die eigene Haustür klopft, sei es in Form der Inflation, steigender Abgaben, der Arbeitslosigkeit … oder eines Kurseinbruchs an der Börse. Denn man sollte es ja eigentlich wissen: Das leben ist kein Wunschpunsch. Nicht mal an Fasching. (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Vorsicht, Abrutschgefahr!"

  1. Johannes sagt:

    Toller Artikel, Danke.

    Was ich evt. noch anmerken möchte, ist der (noch?) geplante GR- Schuldenerlass.

    Da wird ja ein Volumen in der Höhe von 100 Mrd. angestrebt.

    Irgendwie scheint das aber weder bei den Aktienmärkten, noch bei Gold/Silber eine Berücksichtigung zu finden.

    100 Mrd. sind ja kein Pappenstiel, die da abgeschrieben werden müssen.

    Ich könnte mir vorstellen, dass die Banken sich da schon einigermaßen abgesichert haben, bzw. abgesichert wurden. Aber haben sich da nicht viele Hedgefonds mit Spekulationen rein gehängt?

    Was ist, wenn deren Rechnung von der vollständigen Rückzahlung der Schulden nicht aufgeht und das ganze von denen noch schön gehebelt wurde?

    Die müssten doch wieder alles auf den Markt werfen, um zahlungsfähig zu bleiben und würden damit wohl einen Kursrutsch verursachen.

    Nur so meine Gedanken dazu. 😉

    • Avantgarde sagt:

      An den Märkten spielt es deshalb keine Rolle weil der Schadensfall gar nicht eingetreten sondern lediglich „gehandelt“ wird.

      Ist so ähnlich wie bei einem privaten Versicherungspaket – alles wunderbar rundum sorglos – bis zum tatsächlichen Sicherungsfall….
      Jeder, der so was kennt weiß wovon ich rede 🙂

      Klar spielen die Banken, Hedgefonds alle mit.
      Kaufen Anleihen und gleichzeitig Kreditausfallversicherungen in einem bestimmten Verhältnis und handeln diese untereinander.
      Und da gehebelt freilich lukrativer.

      Solange alles in einigermassen geordneten Bahnen verläuft und jeder sein eigenes Risiko rechtzeitig anpassen kann ist alles in Ordung und die heile Welt läuft weiter.
      Also in etwa so wie bei der Hauspreisblase…..auch dort kamen bekanntlich CDS zum Einsatz…..

      Sobald irgend etwas unvorhergesehenes geschieht – so eine Art Lehman2.0 besteht die Gefahr, daß alles wie ein Kartenhaus zusammenbricht.
      Keiner weiß mehr wer wie viele CDS besitzt und ob der Besitzer überhaupt zahlungsfähig ist.
      Es kann wie 2008 eine Kettenreaktion bei den Versicherern und Banken losgetreten werden – und zwar von jetzt auf gleich.

      Mag sein, daß GR vielleicht ein noch zu kleines Risiko ist – ich weiß es nicht, vielleicht genügt auch bereits Ärger in Portugal.
      Spanien wäre definitiv zu groß.

      Stellt Euch mal vor dem griechischen Millitär reicht es und die Panhzer fahren auf – was dann??
      Ich will es nicht beschreien und so schlimm muß es auch gar nicht kommen – nur bitte nicht vergessen, daß P, S und GR bis in die 1970er Millitärregierungen hatten.

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