Vor dem Jagdunfall

9. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die größte High Yield-Pleite aller Zeiten hält Investoren nicht davon ab, munter weiter auf die vermeintlich ungefährliche Renditejagd zu gehen. Offenbar halten viele Anleger den Markt noch immer für eine Maschine, bei der man sich das Rendite-Risikoprofil aussucht um sich dann zurückzulehnen um auf die Erträge zu warten …

Dieses Prinzip haben viele über Jahrzehnte verinnerlicht, was sich auch an der fragwürdigen Gleichsetzung von Volatilität und Risiko erkennen lässt. Das Risiko am Finanzmarkt ist jedoch nicht die Schwaunkungsbreite eines Kurses sondern der Verlust des eingesetzten Kapitals.

Diese Einsicht ist allen Kapriolen der letzten Jahre zum Trotz derzeit nicht en vogue. So wird weiterhin munter die Rendite, die bestimmte Papiere aufweisen, mit dem schlussendlich erwirtschafteten Ertrag verwechselt. Wo diese Erträge herkommen sollen, steht in den Sternen.

Gerade bei den High Yield-Bonds hat die Hoffnung nun vollends das Ruder übernommen. So kaufen Anleger und warten auf weitere Jahre der niedrigen Kreditausfälle, die die niedrigen Renditen rechtfertigen. Wer braucht schon hohe Risikoprämien, wenn sowieso niemand pleitegeht.

So übersieht der eine oder andere denn auch die größte High Yield Pleite der Geschichte (TXU, Energy Future Holdings) und schaut sich die Ausfallraten der Einfachheit halber allen Ernstes „ex-TXU“ an. Bis auf den Regen war der Regentag demnach vergleichsweise trocken. Aber wer sich aus Gewohnheit mit Kennzahlen wie EBITDA zufrieden gibt, dem ist so leicht nicht beizukommen.

Der April wurde durch das Chapter 11 Filing der Energy Future Holdings zum Monat mit dem zweithöchsten HY-Default-Volumen seit der Datenerhebung. Die drei bankrotten Unternehmen hinterließen Anleihen und Kredite im Volumen von 39,5 Milliarden Dollar. Das ist mehr als die jeweiligen Ausfälle in den Gesamtjahren 2010, 2011, 2012 und 2013. Das Volumen der Schulden von TXU alleine betrug das Dreifache dessen, was bei der Pleite von General Motors anstand.

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Da die Pleite überaus lange erwartet worden war, sind die Auswirkungen am Markt eher gering. Die Diskussionen kreisen nun um die Reorganisation, innerhalb derer das Pleiteunternehmen bereits die nächste Anleiheemission in Höhe von 9 Milliarden Dollar plant. Im aktuellen Marktumfeld und angesichts der analytischen Doppel-Augenklappen wird man wohl auch diese Papiere locker bei der Anlegerschar unterbringen können. Weiter, immer weiter …

Einige Folgen hat der Ausfall natürlich dennoch. Die Ausfallrate für HY-Bonds stieg auf 2,15%, bei den entsprechenden Krediten (leveraged loans) zog der Wert auf 4,2% an. Nun sind dies noch keine katastrophalen Zahlen, da für die Anleger noch die recovery bleibt. Dennoch wirken die Hoffnungen vieler Anleger, ihr Glück ausgerechnet jetzt am High Yield-Markt zu versuchen, einigermaßen grotesk. Bei der nominalen Rendite sollte jedenfalls die Einbeziehung von Ausfällen nicht vergessen werden. Aber die passieren bekanntlich nur den anderen… (Seite 2)


 

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