Vor dem Inferno: Nochmal richtig Party!

10. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Hoppla! Wie Draghobert die Welt verzerrt…! Die deutsche Umlaufrendite steht nun bei -0,01 Prozent. Zehnjährige deutsche Staatspapiere werfen gerade noch 0,036 Prozent ab. Immerhin! In einigen Tagen vermutlich gar nichts mehr. Beeilen Sie sich!

Bill Gross, früher Fondsmanager bei Pimco, beziffert die Anleihen, die weltweit negativ rentieren, auf 10.000 Milliarden US-Dollar. Die Negativ-Renditen fressen sich jetzt auch in die Unternehmensanleihen vor. 20 Milliarden Euro an europäischen Unternehmensanleihen rentieren schon unter null Prozent. Kaum jemand warnt. Warum auch?

Geht das gut? Natürlich! Hegt jemand Zweifel? Vor allem nicht diejenigen, die das Ganze veranstalten, indem sie die Zinsen manipulieren, Märkte verzerren und damit der Verrücktheit den Weg ebnen. Schließlich ist davon auszugehen, dass niedrige Zinsen für extra hohes Wachstum sorgen und Wohlstand. Nein? Doch! Jedenfalls theoretisch, im Reagenzglas, aber nicht in der Praxis.

Niedrige Zinsen kurbeln die Wirtschaft richtig an, sagen führende Meinungsführer vom Fach. Nein? Deshalb werden in letzter Zeit auch die weltweiten Wachstumsprognosen nach unten genommen, aber nur, um Überraschungspotential nach oben aufzubauen – dass die Party noch schöner wird, die es gar nicht gibt.

Party ist Party!

Auch wenn die Geldpolitik nicht wirkt und schon jetzt zu unerwünschten Nebeneffekten führt, Party ist Party! Damit diese noch schöner wird durch noch mehr Geld und rosa Worthülsen, kauft die EZB seit dieser Woche auch noch Unternehmensanleihen auf, also Schuldpapiere von Firmen. Das sorgte schon im Vorfeld dafür, dass die Anleihepreise stiegen und die Risikoprämien sanken. Risiken gibt es ja keine, dafür auch keine Zinsen. Im Gegenteil: Wer Schulden aufnimmt, bekommt Geld dafür. Das ist wie einkaufen ohne Geldbeutel und die Verkäuferin gibt Wechselgeld raus.

Nein, alle Anleihen sind sicher. Selbst Müll wird künftig oben schwimmen – abfischbar durch die EZB. Ist das nicht toll? Nun gut, Bill Gross erwartet ein Inferno. Doch erstens kann das dauern und zweitens ist es fast der einzige, der mit einem bösen Ende rechnet.

Das mit dem neuen Geld aus dem Nichts ist eine seltsame Sache: Schließlich fällt bei einem Überangebot von Geld dessen Preis. So ist es der Plan. Aber auch der anderen. Manchmal sind sie schneller, manchmal langsamer mit der Geldproduktion – fest im Glauben, sie würden das Richtige tun und sich dafür später wie in der Sowjetunion goldene Orden an ihre Anzüge hängen. Wenn der Euro fällt, z.B. gegenüber dem US-Dollar, verkaufen das die Experten als Erfolg. Weniger Kaufkraft, mehr Export, mehr Jubel – jedenfalls im Reagenzglas.

Das Irre mit dem Irrsinn

Das mit dem Irrsinn ist nicht minder spannend. Er benötigt Zeit, bis er wirkt. Er setzt sich erst nach zwei oder drei Generationen in den Hirnwindungen der Leute fest wie Plaque. Dann ist der Unsinn das neue Normal. Willkommen! Dann erinnert sich auch niemand mehr an die früheren Krisen durch die gleiche Politik, während man die Alten ins Altersheim abgeschoben hat und sie müde belächelt. Dann kann die nächste Krise auch kommen. Doch erst muss es noch verrückter werden.

Was halten Sie davon? Apple beispielsweise hat ein riesiges Problem. Der Produzent dieser kleinen privaten Überwachungseinheiten hat 233 Milliarden US-Dollar auf der hohen Kante. Folgerichtig begibt das Unternehmen Anleihen, um Aktienrückkäufe und Dividenden zu finanzieren. Okay, von den 233 Milliarden US-Dollar liegen 90 Prozent im Ausland. Diese in die USA zu transferieren, würde zu einer Versteuerung führen. Auch DAX-Unternehmen nehmen Milliarden Euro über Anleihen auf – für Aktienrückkäufe bei gleichzeitig laufenden Sparprogrammen.

Wer kauft eigentlich diese Anleihen? Nur Idioten, die zwar keine Zinsen mehr bekommen aber durch die Eingriffe der EZB die Anleihekurse künstlich weiter steigen? Sie können also später diese Papiere größeren Idioten zu noch höheren Preisen verkaufen. Da muss man dabei sein. Zudem ist es ja nicht das eigene Geld, sondern das irgendwelcher Sparer, denen man etwas erzählt hat, was langfristig nie aufgehen kann. Aber wir leben ja im heute.

Geld zur freien Verschwendung

Und die Staaten werden sich wie die Unternehmen mit Krediten aufpumpen und das Geld zum Fenster rauswerfen. Manches davon landet in den Taschen der Kumpels. Vielleicht reicht es ja noch fürs bedingungslose Grundeinkommen für Bankchefs. Kostet ja nix.

Wir wissen, dass kein Staat mit Geld umgehen kann – vor, während und nach der Wahl. Die schwarze deutsche Null wäre nie zustande gekommen, wenn Draghobert der Schreckliche nicht den Zins auf Null manipuliert hätte. Berechnungen der Rate-Agentur Standard & Poor`s ergaben neulich, dass die Verschuldungsquote im Bezug zum BIP in Europa um ein bis zwei Prozentpunkte höher läge als mit „normalen Zinsen“ – in Frankreich bei 5,5 statt 3,5 Prozent, in Spanien bei 7 statt 5 Prozent, in Italien bei 4,5 statt 2,5 Prozent und in den Niederlanden bei vier statt zwei Prozent. Doch was ist schon normal?

Warten Sie noch ein paar Quartale. Dann wird auch Griechenland Geld dafür bekommen, wenn es sich welches leiht. Bei wem auch immer. Aber erst, wenn es noch mehr pleite ist als heute. Auf die EZB und das Zentralkomitee in Brüssel wird Verlass sein.

Nein, es ist keine Zinsmanipulation, was die EZB da macht. Es kommt eben darauf an, wer die Zinsen manipuliert. Die EZB betreibt nach allen Umfragen unter den EU-Finanzministern eine gute Manipulation. Das ist wie mit Diebstahl. Es kommt nur darauf an, wer ihn begeht. Was für ein Glück, dass die VEB Bildungs- und Medienindustrie ganze Arbeit leisten. Das bewahrt einen schließlich davor, dass es draußen unruhig wird. Werden die Leute irgendwann kapieren, was vor ihren Augen und vor der rosaroten Brille abläuft? Eher später. Und dann werden auch sie schlaua – wenn auch mit viel finanziellem Aua.

 

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3 Kommentare auf "Vor dem Inferno: Nochmal richtig Party!"

  1. Paul Mueller sagt:

    … nun ja, das globale Ponzischema geht seinem Ende entgegen. Der Todesstoß ist nicht mehr fern. Schau ich mir den Bankensektor an wie Deutsche,Bremer, HSH oder Unicredit etc. wird mir Angst und Bange. Noch spielt die Musik im Zirkus Maximus, solange bis sie verstummmt,… dann eines morgens wachen wir im Chaos auf und befinden uns wieder in der Steinzeit. Die Zeit des homo sapiens wird vergehn und mit ihm dieser Wahnsinn.

    • Skyjumper sagt:

      Man kann sicherlich schon mal einen 10er darauf wetten. Aber Haus und Hof würde ich noch lange nicht als Spieleinsatz deklarieren wollen.

      So wie Zins und Zinseszins das Problem des Ponzisystems wachsen ließen, so werden negative Zinsen das Problem schrumpfen lassen. Gelingt es den ZB’s tatsächlich eine kontrollierte Inflationsrate zu erzeugen (natürlich ist mehr als 2 % eingeplant, ich tippe mal die Damen und Herren spekulieren auf 4-5 %), dann werden sich einige Crashpropheten verwundert die Augen reiben.

      Den USA und England ist es nach dem 2. Weltkrieg schon mal gelungen sich auf die Art und Weise der kriegsbedingten Schulden zu entledigen.

      Die Chancen dass es so ausgeht sehe ich zwar bei deutlich weniger als 50 %, das Risiko für einen Crash entsprechend höher, aber festgeschrieben ist da noch gar nichts. Und wie so oft im Leben kommt es auch gar nicht so sehr darauf an das richtige Vorherzusagen, sondern es muss auch das Timing stimmen. Und spätestens da betreiben wir allesamt Kaffeesatzleserei.

  2. Andres Müller sagt:

    Stimmt ja alles Herr Meyer, aber der Vergleich von Draghi mit Dagobert Duck ist dann doch eher eine Beleidigung für die reiche Ente aus Entenhausen 😉

    Dagobert würde kaum Niedrigzinsen verordnen oder gar Anleihen von Firmen mit der Giesskanne einkaufen. Wer den Taler nicht ehrt ist des Pfennigs nicht Wert.

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