Vor allem die Angst … die Angst vor allem

21. Juli 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Ronald Gehrt

Eigentlich, so ist zumindest meine Sicht der Dinge, reduzieren sich die Gründe, warum diese Welt für viel zu viele Menschen wie eine Hölle ist, während der schöne Schein allgemeinen Wohlstand und Glückseligkeit vorgaukelt, auf zwei elementare Gründe…

Nummer 1:

Wir werden doof geboren … und nicht jeder lernt etwas dazu. Aber auch wenn, so bleiben doch Wissen und Weisheit der Menschheit an sich nicht erhalten. Die Menschheit wird nicht weiser und barmherziger, weil jedes Mitglied bei genau Null anfängt. Und dabei bleibt es, denn keiner glaubt den „Alten“, dass sie es womöglich wirklich besser wissen, all die Erfahrungen selber gemacht haben und auf die Nase gefallen sind, wenn sie uns einen Rat geben. Jeder muss seine eigenen Fehler machen … und ist damit eine ziemliche Zeitlang auf dem schmalen Grat unterwegs, der zwischen verantwortungsbewussten Menschen und gefährlichen Irren liegt. Und somit verwandelt sich die Form bzw. die äußere Erscheinungsform der Hölle, in der viele Menschen leben müssen, zwar im Lauf der Jahrhunderte. Aber letztlich wird wenig besser, nur vieles anders.

Nummer 2:

Menschen haben Angst. Und das führt immer und immer wieder zu entsetzlichen Tragödien. Es ist dabei weniger die naheliegende Angst vor Krankheit oder Tod, vor körperlicher oder existenzieller Bedrohung, die das größte Unheil anrichtet, denn die ist in der Regel ja nach innen gerichtet. Es sind die Ängste, die man bekämpfen kann, indem man aggressiv gegen die Quelle vorgeht, die eine massive „Außenwirkung“ haben können.

Fatale Auswirkungen hat zum Beispiel die Angst vor Einflüssen, die das eigene Leben verändern könnten, indem man sich doch ohnehin nur mühsam zurechtfindet. Die Angst vor Menschen, die in egal welcher Weise anders sind, weil man sie nicht versteht, aber fürchtet, sie könnten was auch immer anrichten … immerhin sind diese Menschen anders … nicht verstehbar … und damit undurchsichtig und gefährlich. Es ist eine große, in fast allen dominierende (wenngleich von fast niemand wirklich selbst erkannte) Angst, dass irgendwer einem etwas wegnimmt, einen zurücksetzt, klüger, besser, schneller, stärker sein könnte.

Zahllose, wenn nicht alle Kriege bis in die heutige Zeit basieren auf Angst. Die Angst, die anderen könnten immer stärker, wichtiger, mächtiger werden, uns etwas antun, und verändern wollen. Manche, vielleicht sogar die meisten Menschen reagieren auf diese Ängste mit dem Verstand, nehmen sie hin, erkennen ihren sehr „steinzeitlichen“ Ursprung und haben damit kein Problem, ja, besiegen derartige Emotionen. Aber eben nicht alle.

Und es reicht ja, wie wir aus der Geschichte lernen können, wenn eine Minderheit aggressiv auftritt, in die „offensive Defensive“ geht, indem sie zuerst schlägt, wer sie eventuell irgendwann schlagen könnte. Die Aggressivität dominiert die allgemeine Wahrnehmung, denn sie ist laut, brutal, dominant. Der Verstand, der Gleichmut, sind unsichtbar. Und das führt zu einem fatalen, nächsten Schritt:

Aggressivität ist ansteckend. Und Menschen, die beunruhigt und ängstlich sind, fühlen sich in der Herde am sichersten. Da unterscheiden wir uns keinen Deut von der Tierwelt, auch, wenn wir uns darüber erhaben wähnen (was meines Erachtens ein anderer, tragischer Aspekt ist, der aber hier nicht diskutiert werden soll). Die aggressive Minderheit ist daher in der Lage, die defensive, verstandesgeleitete Masse großenteils mitzureißen, wie eine Lawine, die alles, was ihr in den Weg kommt, förmlich aufsaugt. Und so fühlt man sich auf einmal stärker, sicherer … besser… (Seite 2)


 

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