Von wegen Schuldenabbau!

30. März 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Können Regierungen mit Geld umgehen? Sicher! So gut wie Fische fliegen können. Oder kennen Sie ein Land, das seine Schulden jemals vollständig bezahlt hat?

Manchmal hilft den Regierungen das Glück, manchmal auch die Statistik. Meistens aber helfen ihnen die Zentralbanken.

So ist der Schuldenberg der Bundesrepublik im letzten Jahr um 28 Milliarden auf 2.043 Milliarden Euro gesunken. Bei diesem Tempo wären alle Schulden 2090 getilgt, wenn nichts dazwischen kommt. Ich stelle schon mal Rotwein zur Seite. Der dürfte dann reif sein, sollte ich es erleben, was unwahrscheinlich ist – wie die Existenz des Euro.

Zudem handelt es sich bei den zwei Billionen Euro um die offizielle Zahl. Nicht eingerechnet sind die billionenschweren Zusagen an die Leute in der Zukunft. Und bis 2090 kann vieles passieren.

Vielleicht aber geht es auch schneller mit dem Schuldenabbau, denn wir befinden uns bekanntlich in einer Hochkonjunktur, selbst wenn Sie davon nichts spüren. Berlin feiert gerade die rekordhohen Steuereinnahmen, also sehr erfolgreiche Raubzüge durch die Taschen der Leute. Noch sind 100 Prozent Steuern und Abgaben die mathematische Schallmauer. Aber die Statistik kennt auch hier allerhand Tricks.

Sicher… wir werden die schwarze Null sehen, unter der Voraussetzung, die Zinsen bleiben in den nächsten 73 Jahren so tief, keine neuen Schulden werden gemacht werden und ein Aufschwung jagt den nächsten.

Moment! Wurden die 28 Milliarden Euro Schulden wirklich getilgt? Mitnichten! Die geringere Schuldenlast entstand allein dadurch, dass der milliardenschwere Giftmüll in den Bad Banks etwas an Gestank verloren hat.

Dank der Gelddruckerei riecht es auf dem durch Steuerzahler finanzierten Friedhof der Schrottpapiere etwas weniger. Dadurch wird Finanzmüll so leicht – der schwimmt sogar in Milch. Druckt bitte weiter! Wenn dann irgendwann ein Liter Milch zwei Billionen Euro kostet, hat es sich mit den Schulden ohnehin erledigt. Dann sind wir alle nominale Millionäre und reale Pleitiers.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)



 

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