Von Trendlinien und Kipppunkten

2. April 2014 | Kategorie: Gäste

vom Smart Investor

An mehreren wichtigen Märkten sehen wir entscheidende Kursmarken kurz vor oder kurz hinter uns. Alles fließt und hängt doch zusammen. Das Börsengeschäft ist deshalb so schwierig, weil es keine absoluten Gesetze gibt…

Gesetzmäßigkeiten, Zusammenhänge und Daumenregeln gibt es dagegen zuhauf. Die Krux an der Sache ist, dass man regelmäßig erst in der Rückschau sagen kann, welche Gesetzmäßigkeit da wohl gerade gewirkt habe. Mit derartigen Erklärungen aus dem Rückspiegel redet man sich nur schön, dass in Fahrtrichtung dichter Nebel liegt.

Wer also an der Börse auf der Suche nach einem fixen Bezugspunkt oder allgemeingültigen Gesetz ist, der wird lange suchen. Das hat weniger mit einer mangelnden Spürnase zu tun – es handelt sich um ein prinzipielles Problem. Zudem hängt alles mit allem zusammen und ist auch noch in ständigem Fluss.

Mittel, die in eine Anlage hineinfließen, werden anderswo herausgeflossen sein bzw. stehen dort nicht zur Verfügung. Dieser Fluss der Anlagemittel löst wiederum Reaktionen anderer Marktteilnehmer aus, die ihrerseits ihre Anlagen an die sich ständig verändernden Verhältnisse anpassen. Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, auf Wechselwirkungen zwischen einzelnen Assetklassen und auf relative Bewegungen zu achten. Selbst der „reine“ Kursverlauf ist nichts anderes als eine relative Bewegung gegen Geld – und dessen Kaufkraft kann im Zeitablauf erheblichen Veränderungen unterliegen.

Fehler inklusive

Dabei sollte jeder realitätstaugliche Ansatz die prinzipielle Möglichkeit einer unzutreffenden Prognose bzw. des Irrtums berücksichtigen. In dieser Hinsicht haben Trendlinien einen besonderen Charme – vor allem dann, wenn man sie sachgerecht einsetzt. Sie schreiben keine zwingenden Kursverläufe vor, sondern sind Arbeitshypothesen über die weitere Entwicklung. Werden sie nachhaltig gebrochen, dann ist die Arbeitshypothese zugunsten einer anderen zu verwerfen, weshalb an solchen Kipppunkten häufig Beschleunigungen des Kursgeschehens zu beobachten sind. In der Praxis macht dabei allerdings bereits das Wort „nachhaltig“ Schwierigkeiten.

2014-04-02_DAX

Deutsche Aktien – alles wieder gut?!

Beginnen wir mit dem DAX, der im Gefolge der Krise um Krim und Ukraine zunächst kräftig in die Knie ging. Im aktuellen – gerade erschienenen – Smart Investor 4/2014 sehen Sie auf S. 53 das Ergebnis: Der DAX durchschlug die seit 2011 gültige aufwärtsgerichtete Trendlinie.

Sofern dieser Durchbruch sich als nachhaltig erweisen sollte, wäre die Arbeitshypothese des Aufwärtstrends nicht weiter haltbar. Hieße „Nicht-Aufwärtstrend“ zwangsläufig Abwärtstrend, wäre die Sache einfach – ist sie aber nicht.

Statt des bisherigen Aufwärtstrends könnte sich auch eine Seitwärtsphase oder ein flacherer Aufwärtstrend anschließen. Schließlich könnte sich der Durchbruch auch als Fehlsignal und damit als nicht nachhaltig erweisen. Im DAX zeichnete sich in den letzten beiden Wochen genau so eine Bewegung ab.

Der DAX stieg kräftig an und befindet sich nun wieder komfortabel oberhalb der Trendlinie. Ist damit alles wieder gut?! Nein, denn über die letzten Gipfel lässt sich eine fallende Widerstandslinie (Abb. 1, rote Linie) – wiederum als Arbeitshypothese – einzeichnen. Genau vor dieser Linie entwickelte der DAX in diesen Tagen eine ziemliche Scheu. Das Bild zwischen den beiden Linien ist momentan also indifferent. Ein Ausbruch über die Widerstandslinie wäre dann aber eine klare Botschaft für weiter steigende Kurse, zumal eine solche Kursbewegung auch als Ausbruch aus einer Flagge bewertet werden könnte – also als Abschluss einer Konsolidierungsformation innerhalb eines intakten Aufwärtstrends… (und zum Gold, Seite 2)


 

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Ein Kommentar auf "Von Trendlinien und Kipppunkten"

  1. Michael sagt:

    Der DAX hat einen guten Grund heftiger zu korrigieren, den Anstieg aus dem letzten Jahr. Lassen sie sich von den sog. Krisen nicht verwirren. Legen sie mal den DAX und den KDAX in der 10 Jahres Sicht übereinander. Die relative Performance, sollte es zu einer Normalisierung kommen wird sich wieder angleichen. Die Optimisten glauben nach oben und die Realisten unten. Es genügt wen der Kompromiss in der goldenen Mitte wird gefunden, das ist schon eher das positive Szenario.

    In dem Jahr in dem sich die Gewinnprognosen in den Estimates nicht bewahrheiten treffen sich die beiden wieder am Boden der Realität. Vermutlich wird so mancher denken. Relativ ist alles aber absolut in Ordnung. Aber es macht einen Unterschied ob man der eine einen halben Zementsack trägt und ein zweiter einen oder ein Weilchen Später der erste 4. Relativ 8 Zementsäcke … 🙂 obwohl 4 noch gehen. Es kommt immer der Punkt am dem relativ absolut nichts mehr hilft.

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