Von Sangria, dem Domino-Day und der Eliteausbildung zum Versicherungskaufmann

19. Juli 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Herzog Waydelich) Heute also wieder mal Domino-Day. Nein, Sie brauchen nicht aufgeregt auf der Fernbedienung den Knopf für RTL suchen. Schalten Sie lieber auf Phönix um. Das ist der Nachrichtensender, welcher die Bilder vom Plenarsaal mit dem Pleitegeier an der Wand überträgt. Welcher Hellseher hat dem Sender eigentlich seinen Namen gegeben?

Nun, beim dieswöchentlichen Domino-Day dreht es zur Abwechslung mal wieder um ein Bankenrettungsprogramm, diesmal ist Spanien der Ausrichter. Es geht wie immer mal um Dominosteine, deren Fallen zu verhindern ist. Nun, es sind leider nicht die aus Schokolade, auch wenn uns manchen Weihnachtsmänner in Politik und Ökonomie selbiges gerne vorgaukeln. So richtig schmecken mir die irgendwie nicht. Liegt’s vielleicht am fehlenden Glühwein? Ach ne, heute gibt es ja Sangria im Bundestag. Na dann „salud“ bei der Abstimmung.

Und es gibt noch ganz andere Dominosteine. Zum einen natürlich die Wirtschaft selbst, die trotzt der europäischen Austeritätsprogramme beim Export-Vizeweltmeister Deutschland weiter mit 1% wachsen soll – meint zumindest der IWF. Andere Wirtschaftsforschungsinstitute und die Bundesbank sind da zwar weniger optimistisch, aber schon Ludwig Erhard wusste ja: Wirtschaft ist zu 50 Prozent Psychologie. Also nichts schlechtreden, dann klappt‘s auch mit dem Nachbarn. Und wenn der weiter schön einkauft zu Lasten der Target2 Kreditkarte, brummt auch die deutsche Industrie. Wirtschaft kann so schön einfach sein. Also bitte auch hier nicht wackeln oder pusten, sonst, na Sie wissen ja, Domino-Day…

Spannend finde ich beim spanischen Antrag die Tatsache, dass seltsamerweise nur die Banken das Abschreibungsrisiko auf Staatsschulden haben – zumindest laut den pöbelnden Mainstream Medien. Das ist auch klar, das Ansehen der Banken hat mächtig gelitten in der Vergangenheit. Da ist es nur zu einfach, nun gegen die am Boden liegenden Kreditinstitute nachzutreten. Ups, Fehler meinerseits! natürlich Banken, nicht Kreditinstitute. In meiner Lehrzeit standen die Begriffe noch synonym. Die Banken heute leben ja nicht vom Kreditgeschäft sondern vom Casinobetrieb. Tja, deutsch ist eine sehr genau beschreibende Sprache! Im englischen sind es eher die Akronyme, wie das Wahre dahinter entlarven. So glauben nur Fachfremde, dass LIBOR für „London InterBank Offered Rate“ steht. Tatsächlich war dies die Abkürzung für “ Let It Be Our Return“.

Aber zurück zum eigentlichen Domino-Day. So, also nur die Banken haben das Problem mit Immobilienkrise und Staatsanleihen. Nun, das scheinen die Aktionäre des Versicherungskonzern MAPFRE S.A. anders zu sehen (Sorry, der heißt wirklich so und es klingt, als ob man beim korrekten Aussprechen des Namens möglichst 3-4 Schokostückchen im Mund haben sollte). Der Kursverlauf von MAPFRE in den letzten Jahren ist schon wirklich „interessant“. Offiziell hat der Konzern noch ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von sagenhaften 4,5. Das Papier bekommen Sie sogar zu einem Abschlag von 20% auf den Buchwert. Ob es das Haupt-buch auch wert ist? Und nicht zu unterschätzen ist die Dividendenrendite von 10%. Da kann nicht einmal ein Qualitätspapier wie eine spanische zehnjährige Staatsanleihe mithalten. Respekt! Gutes Investment, oder? Und nicht in einer Krisenbranche wie dem Bankwesen tätig. Der Kurs von etwa 1,50€ je Aktie entspricht dem von Anfang 2003. Sie haben also nichts versäumt, wenn Sie erst jetzt ihre Notgroschen nach Madrid überweisen. Aber tun Sie es, bevor unsere Regierung Ihre Ersparnisse als Rettungspaket getarnt auf die iberische Halbinsel transferiert. Der Bundestag hat entschieden: 1:0 für Spanien – mit etlichen Nullen drin und dran… (Seite 2, denn es kommt noch besser…)

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3 Kommentare auf "Von Sangria, dem Domino-Day und der Eliteausbildung zum Versicherungskaufmann"

  1. GoldeneRegel sagt:

    Sehr geehrter Herzog Waydelich,

    ich danke Ihnen für Ihre Gedanken.
    Ich gehe davon aus, daß wir uns nicht über das betrügerische Teilreserve-Banking
    oder über die korrupte Staatsmafia unterhalten müssen.

    Insofern grüße ich Sie mit den Gedanken an einen Film, den ich sehr ergreifend fand.
    http://www.youtube.com/watch?v=Uf6HC9xN7Wo

    Viele Grüße an alle Menschen, die Freiheit lieben
    PS:http://www.freiwilligfrei.info/archives/2831

  2. stonefights sagt:

    Danke, hat Spass gemacht zu lesen.
    Leider ist dies ein teuer erkaufter in erweiterten Gedanken.
    Den Vorteil der gleichnamigen Doku-Soap liegt darin begründet, dass ich am Dominos Day bei Desinteresse Herr der Fernbedienung bin.
    In dieser beschriebenen Abfolge jedoch liegt die Fernsteuerung in anderer Hände, was das Abwenden stark erschwert 🙁
    lg, stonefights

  3. MARKT sagt:

    „Doch diese Nachricht hätte wohl einen „Policen-Run“ ausgelöst, einen massenhaften Abfluss von Deckungsstockkapital bei den Versicherern durch Auflösung der Lebensversicherungen“

    Zur Not ist auch dafür Vorsorge getroffen.
    http://dejure.org/gesetze/VAG/89.html

    Amüsant auch der Name des Gesetzes.

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