Von Müll und Moneten

10. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Ich bin in Eile. Bei der EZB ist gerade Auf-Verkauf. Jetzt, wo Portugal in die Binsen fährt, akzeptiert die Zentralbank alle portugiesischen Schuldpapiere als Sicherheiten für neue Kredite an die Banken…

Schnell! Hastig durchwühle ich Küchenschubladen: Backpulver, Kuchenkrümel und Kaffeesatz aus dem Mülleimer sind ungeahnte Schätze für die EZB. In der Garage liegen noch Putzlappen herum. Mist! Ich bin keine Bank. Die EZB will den Bankrott verhindern, der längst eingetreten ist. Die Schulden riechen wie in der Sonne liegen gelassener Fisch. Um die wievielte Bankenrettung handelt es sich eigentlich?

Die Lage ist ernst. Private angelsächsische Ratingagenturen haben die Bonität Portugals zerschossen. Wer ist der Nächste? Spanien? Italien? Nicht dass die „Fachleute“ falsch liegen, doch vor ihrer Haustüre riecht es auch übel. Vorerst bleibt die Krise in Europa, zur Freude der USA. Rufe nach Rache werden laut. Wer soll diese verüben, wenn eine europäische Ratingagentur erfolgreich verhindert wurde? Nicht nötig, sagte die Kanzlerin. Portugal bezeichnet seine Abstufung als Terrorismus. Richtig, doch die Verursacher sind die Schuldenmacher selbst.

Es sind seltsame Zeiten und seltsame Mittel, mit denen man weltweit Terrorismus bekämpft. Nach einem Jahrzehnt steht inzwischen fast jeder unter Generalverdacht – außer diejenigen, die Finanzterror erzeugen. Inzwischen sind Kontoinhaber gläsern und so durchsichtig wie die Neuigkeiten, die wie das Geldwäschegesetz als Innovation und zur Bekämpfung von Terrors verkauft werden. Der Glaskrug geht bekanntlich so lange zum Brunnen, bis er bricht.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten

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