Von Kaufkraft keine Spur

3. November 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow, Zeitlos

von Bankhaus Rott

Bei vielen Diskussionen zu Wirtschaftsthemen reibt der Normalbürger sich verwundert die Augen. Banken wissen nach eigenem Bekunden nicht, was ihre Assets wert sind. Gleichzeitig beteuern sie, auf ausreichend Eigenkapital zu hocken. Seltsam…

Auch die Zentralbanken sorgen für Unterhaltung, sind sie doch gerade dabei, die Inflation in einer Mischung aus Marketing und medialer Gehirnwäsche als etwas Positives darzustellen.

Nach sechzig Jahren der Predigt anders lautender Thesen kein leichtes Unterfangen. „Verlieren Sie Kaufkraft!“ ist jedoch ein Satz, der leider auch durch Wiederholung nicht attraktiver klingt. Die Steigerung der Assetpreise ist eines der offen genannten Ziele des US Fed Vorsitzenden Bernanke. Die Inflation sieht er eher als eine Art ruppigen Gehilfen, der zwar ab und zu über die Stränge schlägt, an sich aber ein guter Kerl ist. Die Deflation sei viel schlimmer, da müsse man halt mit den unangenehmen Seiten des aggressiven Kollegen leben. Unabhängig von der persönlichen Einschätzung jeweiliger Gefahren ist das schon eine sehr aufschlussreiche Sicht der Dinge.

Wie auch immer man zur Inflationsthematik stehen mag, eine nominale Steigerung von Gehältern bei gleichzeitig stärker anziehenden Preisen bedeutet außer dem trügerischen Gefühl der größeren Zahl auf dem Kontoauszug rein gar nichts. Wie trügerisch eine solche Entwicklung sein kann, spüren derzeit die US-Bürger. Die um die Inflation bereinigten Medianeinkommen der Haushalte stagnieren nicht nur. Sie sind drastisch gefallen. Derzeit befinden sie sich um mehr als 10% unter dem Wert des Jahre 2000.

Die Rezession der Jahre 2008 und 2009 sorgte für einen Rückgang um rund 4%. Wie Sie der oben stehenden Grafik entnehmen können, fielen die Einkommen auch nach dem offiziell verlautbarten Ende der Rezession einfach weiter. Mittlerweile haben die Haushalte in der Erholung sogar deutlich mehr Kaufkraft verloren als in der Rezession selbst, obwohl diese deutlich schärfer ausfiel als das Intermezzo des Jahres 2001.

Die Menschen, die trotz der schwierigen Ausgangslage einen neuen Arbeitsplatz finden, verdienen im Mittel etwas 17,5% weniger als im vorherigen Job. Ein herber Schlag ins Kontor. Die aktuellen Zahlen des Arbeitsministeriums deuten nicht auf eine Besserung der Situation bei den Jobs oder den Gehältern hin. Erwähnt man diese Zahlen, sollte deren Bedeutung für die US-Wirtschaft erwähnt werden. Immer noch trägt der Konsum 70% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Zudem haben viele der betroffenen Menschen eine Hypothek, einen Auto- oder Studienkredit am Bein. Es wäre naiv anzunehmen, alle könnten ihre Kredite, die bekanntlich gern auf Kante genäht wurden, zurückzahlen. Die Ausfallraten werden steigen, die Auswirkungen auf Bankbilanzen sind einfach abzuleiten. Und, nein Joe, es sind für diesen Fall keine ausreichenden Reserven vorhanden. Gerade im aktuellen Quartal fuhren die Großbanken die ohnehin schon zu geringen Rücklagen noch weiter zurück um einen Gewinn ausweisen zu können. (Seite 2)

 

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5 Kommentare auf "Von Kaufkraft keine Spur"

  1. wolfswurt sagt:

    Die militärische Aggression des westlichen „Kulturkreises“ seit 1990 sind Auswirkung einer sich verdampfenden ökonomischen wie sozialen Struktur.

    Gleichung: Je wilder ein System um sich schlägt desto näher dem Untergang.

    Der Irankrieg wird das ultimative Ende der westlichen „Wertegemeinschaft“ bedeuten!

  2. Silberdax sagt:

    Es ist soweit – was von den USA schon seit langem geplant ist, wird nun genau zum richtigen Zeitpunkt“losgelassen“ – Irak ist erledigt, Iran ist jetzt dran. Es wird diesmal nicht mal eine falseflag a la 9-11 brauchen – der „gemeine Ami“ ist schon so weichgeklopft, dass ihn nichts mehr interessiert. Die EU-Bürger ringen ebenfalls apathisch ums Überleben – was interessiert da noch, was in Nahost abgeht und was der Diesel bald kosten wird – aber Achtung – diesmal wird sich die USA den Gnadenschuss selber geben: China und Russland haben den Iran aufgerüstet bis zum Maximum – OH-Bama, paß auf!
    Die Krisengipfel werden bald zu Kriegsgipfel – die Börsen zu Nebenschauplätzen, die Aldis leergeräumt -Griechenland wird zum Fremdwort. Der Ölpreis Richtung 300 Dollar pro Barrel. Es wird furchtbar.
    http://home.1und1.de/themen/nachrichten/ausland/548deqi-militaerschlag-gegen-iran/

  3. crunchy sagt:

    Wir Westeuropäer sind sicher auch schon in der gleichen Spur. Man denke nur an das „monokulturelle“ spanische Konjunkturprogramm. Die Spanier hatten es ja schon immer mit Monokulturen zu tun: Silber, Rohrzucker und seit Jahrzehnten immer wieder Beschäftigungsprogramme im Immobilienbereich. Die Franzosen l(i)eben ihre Visionen und vergraben die Gelder noch schneller. Die Engländer lassen auch gerne im Ausland produzieren und sind stolz auf ihre Cashmachines. Immobilien und Bauwirschaft ist in Italien ein Standbein der Mafia.
    Im Norden diversifiziert man etwas mehr: Man nimmt von Allem!
    Denke ich an der Bauboom der verangenen Jahrzehnte in Frankfurt und damit verbunden die „sagenhaften“ Renditen, die auch in Immofonds, gerade auch in den offenen (Witwen- und Waisenpapiere!) erzielt wurden, erwarte ich auch in den `soliden´ Staaten eine Liquiditätsverknappung, die durch Gelddrucken alleine nicht mehr auszugleichen sein wird. – Ein Grund, weshalb ich den crunchy gebe…!

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