Von Goldverbot und Guillotine…

5. April 2014 | Kategorie: Gäste

von Andreas Hoose

Manche April-Scherze in dieser Woche waren derart wirklichkeitsnah, dass man sie glatt für Realität halten konnte. Was sagt uns das?  Einige Redaktionsstuben bewiesen in dieser Woche erheblichen Erfindungsreichtum….

…bei der selbst gestellten Aufgabe, ihre Leser zum 01. April einmal ordentlich hinters Licht zu führen. Bei www.godmode-trader.de etwa wurde ein Trading-Programm angekündigt, das vollautomatisch Börsengewinne generiert und bei dem Börsengeschäfte, die sich als Fehltritt erwiesen haben, innerhalb kürzester Zeit, „rückabgewickelt“ werden.

Chapeau, liebe Kollegen!

Andere Redaktionen scherzten durchaus realitätsnah: So berichtete etwa MMnews von einem Brüssler „Geheimpapier“, wonach die Europäische Union plane, noch in diesem Sommer alle Bankschließfächer gewaltsam öffnen zu lassen. Wer jetzt noch an sein Geld wolle, der könne sein Schließfach ab Anfang April nur noch in Begleitung eines EU-Kontrolleurs öffnen.

Neben Bargeld würden die EU-Fahnder verstärkt nach Edelmetallen suchen. Grund sei der Kampf gegen Steuerhinterziehung. Nach Angaben der EU-Kommission, habe niemand etwas zu befürchten, der nichts zu verbergen habe. Auch die Grünen wurden in dem Artikel zitiert: Die Maßnahme sei ein wichtiger Schritt in Richtung Steuerehrlichkeit und soziale Gerechtigkeit. (Link)

Bravo! Endlich sorgt die EU für soziale Gerechtigkeit und knöpft sich die obskuren Besitzer von Bankschließfächern vor! So wird da mancher im ersten Moment gedacht haben…

Bravo?

Tatsächlich war der April-Scherz deshalb so erhellend, weil er sich so nah an der Realität bewegte. Denn man sollte sich besser nicht darauf verlassen, dass die EU nicht irgendwann tatsächlich auf die Idee kommen könnte, in den Schließfächern der Bürger zu schnüffeln.

Das Dumme ist nämlich: Anders als ein Computerprogramm für automatische Börsengewinne, hat es so etwas schon gegeben.

Zur Durchsetzung von Goldverboten etwa, die in der 5.000jährgen Geldgeschichte immer dann durchgesetzt wurden, wenn dem staatlichen Geld das Vertrauen flöten gegangen war, wurden in der Neuzeit eben auch Bankschließfächer konfisziert.

Noch im 20. Jahrhundert wurden in einigen „demokratischen“ Ländern Goldverbote verhängt. Beispiele hierfür sind die Weimarer Republik im Jahr 1923, die USA 1933 und Frankreich 1936. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Indien der private Goldbesitz im Jahr 1963 verboten, Großbritannien folgte 1966. Noch 1973 war in über 120 Staaten der Erde der private Goldbesitz von Restriktionen betroffen.

Da ist es nur ein relativ schwacher Trost, dass in Frankreich noch im Jahr 1793 auf der Guillotine landete, wer sich standhaft weigerte, staatliches Papiergeld anzunehmen.

Rübe runter! Wer die Annahme von Papiergeld verweigerte, der landete in Frankreich im Jahr 1793 auf der Guillotine.

Und heute? Heute kauft das kleine Belgien plötzlich US-amerikanische Staatsanleihen in einem Umfang, der die Bestände an US-Schuldpapieren der Bundesrepublik Deutschland etwa um das Fünffache übersteigt.

Der Präsident des EU-Parlaments fordert die Abschaffung der Maastricht-Kriterien.

Der Münchner Merkur findet die Nachricht großartig, dass in Deutschland mittlerweile drei Millionen Menschen von einem Zweitjob „profitieren“.

Griechenland braucht wieder mal mehr Geld.

Die Ukraine ist zwar pleite, soll aber endlich auch der EU beitreten.

Und der Internationale Währungsfonds diskutiert “lediglich” über eine zehnprozentige Vermögensabgabe für die Bürger Europas.

Also kein Goldverbot in Sicht und auch keine Guillotine – nicht einmal konfiszierte Bankschließfächer.

Was haben wir es gut in diesem April 2014…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

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