Von Glashäusern und Steinewerfen. Wenn die Brandstifter auch noch die Löschversuche behindern

7. Juni 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(vom Smart Investor) Was war das? Der ehemalige Außenminister „Joschka“ Fischer wettert und zetert gegen eine von ihm wahrgenommene Sparpolitik Deutschlands, die angeblich ganz Europa aufgezwungen werde. Die Realität ist – wie so oft bei politisch motivierten Äußerungen – eine völlig andere…

Erstens spart Deutschland nicht, sondern lebt seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse, was unschwer daran zu erkennen ist, dass der Staat beständig mehr Geld ausgibt, als er einnimmt. Bereits eine offizielle Verschuldung von mehr als 80% des Bruttoinlandsprodukts kommt schließlich nicht von ungefähr. Dass die jetzt im Schuldensumpf strampelnden Länder noch weit mehr über ihre Verhältnisse gelebt haben und dort politische Strukturen wuchern, in denen vor allem die Korruption reibungslos funktioniert, ist allenfalls für eine relative Betrachtung interessant. Für den deutschen Steuerzahler ist die Finanzierung derartiger fremder Strukturen jedenfalls unzumutbar, ebenso wie die vollkommen verselbständigte Unterstützung des „Freundeskreises EU“ in den Vorstandsetagen de-facto bankrotter Banken auf dem ganzen Kontinent.

Gespart wird morgen – wenn überhaupt

Die Völker der betroffenen Länder leiden auch nicht unter einem „Spardiktat“ Deutschlands, dessen Regierung – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz – bislang noch vor allen Begehrlichkeiten der Nehmerländer grandios eingeknickt ist. Nein, diese Völker leiden unter ihrer eigenen Nomenklatura. Eine Nomenklatura, die das Leid ihrer Völker nun auch noch schamlos zur Erpressung der Geberländer instrumentalisiert.

Im Ergebnis, da stimmen wir Herrn Fischer schon zu, steht Europa „in Flammen“. Aber bevor man nun auf angeblichen Löschversuchen herumhackt, die wie beschrieben ohnehin nicht stattfinden, würden wir gerne den Blick darauf richten, wer diesen Brand eigentlich gelegt hat:

Am Beginn des Euro-Projekts zündelten die Männerfreunde Kohl und Mitterand – zwei ökonomische Fliegengewichte. Helmut Kohl hat damit die zweifelhafte Ehre, gleich als Vater zweier dysfunktionaler Währungsunionen in die Geschichte einzugehen. Den wirklichen Brandbeschleuniger legte aber die Regierung Schröder mit ihrer Zustimmung zur Aufnahme Griechenlands in den Euro.

Zwar wurde das Finanzministerium als zuständiges Ressort von Hans Eichel geführt, Vizekanzler war jedoch jener gelernte Taxifahrer Joschka Fischer, der jetzt den Oberlehrer in Finanzfragen gibt. Dabei könnte doch gerade Fischer wissen: Wenn man schon Steine wirft, dann sollte man besser nicht im Glashaus sitzen, sondern vielleicht auf die Straße gehen. Im deutschen Interesse sind Fischers Äußerungen jedenfalls nicht, was die immer wieder interessante Frage aufwirft, in welche Netzwerke unsere Politgrößen so eingebunden sind bzw. verstrickt wurden.

Jürgen Trittin etwa, aktueller Grünen-Vorturner, war zum Beispiel beim diesjährigen Bilderberger-Treffen dabei – der neue Vizekanzler? Lesen Sie mehr über das verschwiegene Machtgeflecht der Bilderberger in unserer aktuellen Ausgabe Smart Investor 6/2012 ab Seite 14. Auch zur immer häufiger und sehr martialischen Euro-Rhetorik haben wir uns unsere Gedanken gemacht. Nachdem die Propaganda von den angeblichen, großen Vorteilen des Währungsexperiments angesichts der Billionen-Summen für ebenso verzweifelte wie zweifelhafte „Rettungsmaßnahmen“ nur noch peinlich wirkte, wird vermehrt die Kriegskeule ausgepackt: Dabei entspricht die Alternative „Euro oder Krieg?“ formal und inhaltlich der Drohung ganz gewöhnlicher Straßenräuber: „Geld oder Leben?“ Lesen Sie hierzu den Kommentar in Smart Investor 6/2012 auf S. 82. (Seite 2)

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6 Kommentare auf "Von Glashäusern und Steinewerfen. Wenn die Brandstifter auch noch die Löschversuche behindern"

  1. Fnord23 sagt:

    „Erstens spart Deutschland nicht, sondern lebt seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse, was unschwer daran zu erkennen ist, dass der Staat beständig mehr Geld ausgibt, als er einnimmt.“

    Ich hab nicht über meine Verhältnisse gelebt. Das behaupten zwar einige Politikerdarsteller hin und wieder.

    Lieber Smart Investor,
    in einem inflationistischen Schuld“geld“system kann man nicht sparen, im Sinne von weniger ausgeben als einnehmen. Im privaten Sektor geht das natürlich. Aber der Staat muss dies durch die Erhöhung der Verschuldung ausgleichen.Die Gesamtverschuldung muss steigen. Insofern werden wir Bürger zwangsverschuldet. Weil dieses System ständig und mit steigenden Druck vor dem deflationären Kollaps steht. Stichwort: Liquiditätsmangel

    aktueller Beweis für diese These: Was passiert gerade an den Märkten? Auf was warten alle? Auf neue Liquidität.

    Ich empfehle dringend die Beschäftigung mit dem „Debitismus“. Ein von Dr. Paul C. Martin geprägter Begriff und das Lesen seiner Ausführungen: Kapitalismus, ein System das funktioniert.

    VG ins Land

  2. stephan sagt:

    hallo Fnord23,

    Du sagst: „Ich hab nicht über meine Verhältnisse gelebt.“

    Du hast völlig Recht. Die ganze Absurdität dieses von der Politik initiierten und rücksichtslos immer weiter vorangetriebenen Schuldensystems, offenbart das nunmehr beschlossene Betreuungsgeld.

    Frontal21 hat mit seinem Toll!-Beitrag vom 05.06.12 den (Schulden-) Nagel auf den Kopf getroffen: Wir (die Eltern) machen Schulden für die Betreuung unserer Kinder, welche diese Schulden später zurückzahlen müssen. Man weiß wirklich nicht mehr, ob man über diesen politischen Schwachsinn noch lachen oder besser weinen soll.

    „Betreuen für die Profis“: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/kanaluebersicht/aktuellste/1319706#/beitrag/video/1657416/Toll!-Betreuen-für-Profis

    Viel Spaß beim Lachen und / oder Heulen
    Stephan

  3. An dieser Stelle nicht fehlen darf ein Verweis auf das brillante Interview, das Prof. Dr. Thorsten Polleit dem Schweizer Magazin „Cash“ gegeben hat:

    http://www.cash.ch/news/boersenticker/rss/der_fulminante_knall_kommt_in_drei_jahren-1178664-450

    • MARKT sagt:

      und wenn die Hoffnung auf eine baldige Inflation nicht gestorben ist,… dann kommt sie vielleicht doch noch irgendwann. Aber für die Meisten wird es zu spät sein.

      Komisch, dass außgerechnet ein „Golverkäufer“ Inflation erwartet. Ich kenne auch noch ein Paar die Aktien und Immobilien verkaufen. Auch die werden nicht müde die Inflation herbeizureden.

      • FDominicus sagt:

        Was glauben Sie passiert mit den neuen Billionen der FED und der EZB. Also eine Kontraktion der Geldmenge halte ich für dicht an ausgeschlossen. Helikopter Ben hat doch klar gemacht, er lässt drucken bis die Rollen glühen. Inflationiert wird also wie wild, es schlägt sich aber offensichtlich noch nicht so schnellt in den Preisen nieder (das ist wahrscheinlich die Inflation die Sie meinen)

        Und nein wir „wollen“ keine hochschnellenden Preise nur spielt das was wir „wollen“ keine Rollte. Die Zentralbanken können die Geldmenge beliebig inflationieren, was Sie nicht können ist die vorhandene Gütermenge erhöhen. Ergo muß man wohl mehr Geld aufwenden um an eine bestimmte Menge von Gütern zu kommen..

        Wenn man sich mal den „Spaß“ mach einfach nur die Schulden auf die vorhandene Goldmenge umzurechnen kommt man auf erstaunliche Zahlen. Rechnen wir der Einfachheit halber mit den „offiziellen“ 2 Billionen an Schulden und ungefähr 3500 t Gold (ja ich weiß keiner will offenbar genau wissen wo dieses Gold ist) kämen wir auf einen Preis für ein kg Gold von 571 428 €. Heutiger Preise so um die 41500 €/kg
        also müsste man nur die Geldmenge um ca das 13 fache, steigern, dann könnte der Staat seine Schulden mit dem Gold abbezahlen 😉 Das Vermögen der Deutschen wird auf ca 4.5 Billionen „geschätzt“ wenn wir das Ganze ver 13 fachen wären wir 58,5 Billionen „schwer“.
        Oder anders herum jeder der heute ca 76923 € hat, wäre Millionär….

        Also kurz mit einer ordentlichen Inflation sind die Schulden „Peanuts“ … ;-(

        Hier mal eine kurze Preisansage nach der Wikipedia
        https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Goldpreis_in_Papiermark.png&filetimestamp=20120531082149

        Eine Unze (31,1 g 1!!) gold = 100 000 000 000 000 Papiermark. Also „schlappe“ 100 Billionen für eine Unze. Das sage mal einer gab es nicht oder kann es nicht geben.

  4. Frank Meyer sagt:

    …und es gibt Leute, die managen einen Fonds, indem sie Wertpapiere kaufen und verkaufen. Der Erfolg sollte ihnen anhand der Performance Recht geben. Tut es aber meist nicht. Viele Grüße

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