Von Freunden lernen….?

10. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Im Krieg um die Ukraine bleiben die USA hart. Das heißt, zunächst setzen sie ihr ganzes Arsenal an taktischen Maßnahmen ein, von Vorwürfen an Russland bis zu Sticheleien gegen Deutschland. Die politischen und wirtschaftlichen Folgen sind absehbar…

…gegenseitige Sanktionen, Wiederaufnahme des Kalten Krieges, das erst zarte Pflänzchen Konjunktur verwelkt, und die meisten europäischen Börsen – besonders die deutsche – tendieren weiter abwärts.

Glauben Sie ja nicht, Deutschland nehme jetzt in erster Linie die Rolle des Vermittlers zwischen den USA und Russland ein.

cover_gDeutschland ist Teil der Nato und damit der amerikanischen Politik unterworfen. Da mögen Konzerne wie Siemens, BASF, Adidas oder Rheinmetall noch so sehr beklagen, dass ihnen große Aufträge der Russen entgehen, gegen das Primat der Politik können sie nichts ausrichten. Dementsprechend wird es hierzulande auf unabsehbare Zeit bei der miesen Börsenstimmung bleiben. So weit meine heutige Antwort auf die eine oder andere Frage aus Ihren Kreisen, ob man das – nur scheinbar günstige – Kursniveau deutscher Aktien zum (Nach-)Kauf nutzen sollte. Tun Sie es nicht, horten Sie stattdessen – neben Gold – bis auf Weiteres lieber Liquidität.

Die einen regen sich ständig über die Großmacht USA auf, die anderen beschäftigen sich eher mit der Frage, welche Absichten hinter deren Politik stecken, um die Großmachtallüren besser verstehen zu können. Ein Beispiel:

Auch wer nur gelegentlich nach Amerika reist, stößt dauernd auf die amerikanische Flagge. Dahinter verbirgt sich ein Patriotismus, den wir in Deutschland so nicht kennen, nicht einmal aus Anlass der Fußball-WM. Ein Großteil davon ist den Terroranschlägen vom 11. September 2001 geschuldet.

Vor allem auf ihre Soldaten lassen die Amerikaner nichts kommen. Als ich neulich vom New Yorker Flughafen LaGuardia in Richtung Westen abflog, entdeckte ich über mir eine Leuchtschrift mit dem Satz „God bless our troops“. Nicht auszudenken, welcher Sturm der Entrüstung durch Deutschland zöge, wenn uns im Frankfurter Flughafen die Aufschrift begegnete, Gott möge die Bundeswehr segnen.

Weitere Beispiele gefällig? Bekanntlich integrieren die USA Menschen aus aller Welt, sofern diese ihnen nützen, von mexikanischen Wanderarbeitern bis zu potenziellen europäischen oder asiatischen Nobelpreisträgern. An einer eindrucksvollen Gedenkstätte in Washington halten sie es besonders mit den Südkoreanern: hier deren Flagge neben der amerikanischen, dort der Slogan „We remember you forever“, dazu überdimensionierte Denkmäler, wohin man blickt. Südkorea ist für die USA in Asien von eminenter strategischer Bedeutung, da pflegt man eben besonders intensive Beziehungen…


Dass es Frieden nicht umsonst gibt, konnte ich immer wieder anhand der stehenden Redewendung „Freedom is not free“ entdecken, die mir in Washington wie auch anderswo und sogar im tiefsten Wilden Westen begegnete. Schießen gefällig? Vor dem Shootout Saloon eines Provinznests in Wyoming direkt neben der Bar kein Problem. Wer im passenden Bundesstaat lebt, darf sogar ohne Vorwarnung den ersten Schuss abgeben, falls sich etwas Verdächtiges bewegt – und sei es, wie vor Kurzem geschehen, ein Mensch, der anschließend starb.

Um die Eindrücke abzurunden: Im Flughafen von San Francisco stieß ich auf eine Gruppe von Mexikanern, frisch eingekleidet in US-Uniformen, nachdem sie die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten hatten. Der einzige Pazifist, den ich während meiner letzten USA-Recherchen auf offener Straße traf, befand sich mutterseelenallein unweit des Weißen Hauses in Washington. „War is not the answer“, stand auf seinem Protestschild. Doch da hatten die USA schon die Antwort gegeben: Indem sie die Nato-Verbündeten, nicht zuletzt Deutschland, aus Anlass des Krieges in der Ukraine auf die amerikanische Linie eingeschworen hatten.

Das bedeutet, auch durch die wirtschaftliche Brille betrachtet, nichts Gutes: Nach dem politischen Wendemanöver zu Beginn der 90er Jahre gab Russland leichtsinnig einen Teil der eigenen staatlichen Souveränität auf, während die Nato – vor allem durch die Mitgliedschaft Polens – sich dem Riesenreich geografisch immer mehr näherte. Die russische Wirtschaft benötigte viele Jahre, um sich zu berappeln. Die Oligarchen waren ja nicht gerade prädestiniert, neben eigenen Interessen auch noch die Russlands zu verfolgen. Immerhin kam es schließlich zu einem regen deutsch-russischen Ex- und Import: Deutschland exportierte 2013 Waren im Wert von gut 36 Milliarden Euro nach Russland und importierte von dort über 40 Milliarden – zwar nicht gerade üppig in Anbetracht von weltweit insgesamt fast 1,4 Billionen Euro an deutschen Exporten und gut 1,2 Billionen an Importen, aber stark ausbaufähig. Dagegen muss jetzt mit erheblich schrumpfenden Ex- und Importen gerechnet werden, wobei der Fall Rheinmetall – Verbot des Exports einer militärischen Anlage nach Russland durch Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel – erst den Beginn eines Wirtschaftskriegs markiert und die Stimmung weit über den verloren gegangenen Auftrag hinaus kippen lässt.

Fazit: Die USA werden ihre Interessen auf der ganzen Linie durchzusetzen versuchen. Deutschland muss sich wegen des Primats der Politik in weiten Teilen fügen. Das deutsche Wirtschaftsklima droht dadurch erst einmal verdorben zu werden. Das kann nicht ohne negative Folgen für die Kurse deutscher – und darüber hinaus auch anderer europäischer – Aktien bleiben. Antizyklische Anleger folgern daraus: Aktien verkaufen. Wobei eine Ausnahme gilt: Wer Aktien vor 2009 gekauft hat, deren Kursgewinne bekanntlich steuerfrei bleiben, sollte dies unbedingt in die individuelle Finanzplanung einbeziehen. Denn in diesem Fall kann es – auch abhängig von den persönlichen Anlagezielen – sinnvoll sein, Aktien über die kommenden Turbulenzen hinaus durchzuhalten.

Manfred Gburek – Homepage




 

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4 Kommentare auf "Von Freunden lernen….?"

  1. bluestar sagt:

    Ehrliche Betrachtung der Lage, die Rolle Deutschlands sehe ich genauso. Schließlich stehen nicht umsonst US-Soldaten in Deutschland und unser Gold „verwaltet“ die Besatzungsmacht.
    Deutschland ist nicht souverän und kann jederzeit für die Interessen des Imperiums verheizt werden. Mit der GROKO geht das natürlich ohne Widerstand wunderbar.
    Die USA als faulendes Imperium können sich nur noch über Kriegsverbrechen und Erpressung der Vasallen ihren Status sichern. Aber die Zeit läuft bereits gegen das insolvente Imperium und mit dem Fall des Dollars geht es zurück auf die Stufe eines Entwicklungslandes. Ob dann auch noch Fähnchen wehen ? Für mich sind das keine Patrioten sondern Idioten. Zumindest haben die Profiteure von 9/11 ja alles richtig gemacht. Wenn es Patrioten wären, würden sie sich mal mit der lächerlichen Version der Regierung beschäftigen und danach die kriminelle Bande des Landes verweisen oder verhaften.
    Die geliebten US-Soldaten sind genauso lächerlich wie das ganze Land. Welcher Krieg wurde bitteschön seit 1945 gewonnen? Bei dieser haushoher technischer Überlegenheit kein einziger. Und den Sieg der Alliierten WK2 hat ihnen auch noch der Russe mit 27 Millionen Toten geschenkt. Nein, diese Armee ist keine Armee die kämpfen kann. Sie können nur mit überlegener Technik Zivilisten und andere Schwachen töten. Und darauf ist dann die Nation stolz und schwenkt Fähnchen. Armseliges Volk.
    Mit Kriegen, Erpressung, Überwachung, Volksverblödung und Dauermanipulation bleiben dem Imperium vielleicht noch maximal eine Generation ? Da sich Europa nicht emanzipieren kann, wird es zwangsläufig verheizt und mit runtergerissen.
    Damit die Masse das dann auch brav erträgt, werden jetzt schon mit der Gleichschaltung der Medien, Einführung der Planwirtschaft, finanzielle Repressalien, Stigmatisierung und Verleumdung Andersdenkender, Überwachung des Volkes, Aufbau von bedrohlichen äußeren Feindbildern, sowie dem Ausbau von Zentralismus klare Merkmale eines Sozialfaschismus fleißig vorbereitet. Wie heißt es so schön ? Wer in der Demokratie schläft wird in der Diktatur aufwachen…

    • Midas sagt:

      Danke bluestar, genau so sehe ich die politische Lage auch. Allerdings glaube ich nicht, daß die Amerikaner EIN Volk sind, so wie eine durch Abstammung, Kultur, Sprache und Geschichte verbundene Gruppe von Menschen, in der Gemeinschaftsgefühl, Tradition und Selbstbewusstsein wirksam sind. Die USA-Patrioten halte ich ebenso wie EU- oder BRD-Gläubige für Ignoranten, die durch noachidistische Umerziehung verführt werden. Die USA entsprechen der Forderung von Couldenhove Kalergi, die er in seinem Buch „Praktischer Idealismus“ vor dem Zweiten Weltkrieg erhob: Wir wünschen uns für Europa eine eurasisch negroide Zukunftsrasse, deren Führer unsere auserwählten Parteigenossen sein sollen. Jeder kann Kalergi im Original lesen. In Johann Maiers Buch, Kriegsrecht und Friedensordnung in noachidistischer Tradition, kann jeder lesen, welches Ziel der sogenannte Westen anstrebt: Das ist die Vereinigung und Versklavung der Menschheit durch das Noachidentum. Dieses Ziel wird unwiderruflich verwirklicht durch Vernichtung aller Völker, Kulturen, Rassen und Religionen mit den Mitteln der Lüge, des Mordes, der Völkervermischung, des Krieges, der Globalisierung, des Sexismus, des Gender Mainstreaming und dergleichen mehr.

  2. Michael sagt:

    Wobei Diktatur ein politisches Phänomen ist. Wirtschaft ist tendenziell anarchisch und das ist gut so. Alles andere ist Planwirtschaft und die Leute in Europa sollten langsam aufwachen und realisieren, dass sie bereits in der Diktatur der Bürokratie vor sich hin dösen. Aber wer will bei solche Aussichten schon aufwachen?

  3. Michael sagt:

    Politik ist nicht die Kunst des Möglichen sondern die Kunst des Unmöglichen. Alles andere ist der billige Schmäh der Sozialisten – das Volk dahingehend zu täuschen – nach vorne zu predigen am besten begleitet von großen Köpfen wie gut es nicht allen ginge, die Schulden sozialisiert sprich auf die Allgemeinheit umlegt (Sozialisten) und sich im Hintergrund beteiligt, dass die Tasuchmittel nachdem sie vom Kredit wurden abgetrennt bei den oberen 10k landet . In dem Sinne alle gewichtigen Parteien grad in Deutschland schwere Sozialisten.

    Wären die Köpfe kleiner und der Geist größer das wäre eher ein liberaler Zugang. Da ist jeder für seinen Kredit selber verantwortlich. In dem Sinne kann man das amerikanische Lebensmodell auch favorisieren. Aber eine Korrektur gehört her …
    https://www.youtube.com/watch?v=Py_-3di1yx0

    Das könnte man von den Freunden lernen. Wohlstand ist immer relativ zum Bezugssystem und lokal. In Deutschland werden Bürger unter abstrusen Bedingungen in einen Wohlstand über Gleichmacherei gequält. Der wesentliche Unterschied zwischen liberalem Modell und sozialistischen System ist, dass man im liberalen Modell sein Vermögen einsammelt, sich zurücknimmt und anderen den Vortritt lässt und nicht im Kollektiv wirtschaftet damit es anderen auch so gut geht. Gut respektive vermögend ist relativ zum Bezugssystem. Geld das man selbst in der Hand hat ist Opportunity. Der unselbstständig Erwerbstätige in Europa ist nicht arm aber chancenlos.

    Zum Artikel: Wird halt weniger verkauft nach Russland… denke die Unternehmen können damit umgehen.

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