Von Finnen und Wahrheiten

13. Mai 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Der Vorsitzende der True Finn Party (Perussuomalaiset, Herr Soini, äußerte sich kürzlich offenherzig im Wall Street Journal zu den öffentlichen Stützungen des Bankensektors und technisch insolventer Staaten. Die Aussagen der privaten und GEZ-finanzierten Medien hingegen orientieren sich bezüglich politischer Aussagen wie so oft allein am Muster der Platitüden vom „Linksruck“ oder in diesem Falle vom „Rechtsruck“…. Das ist schade, denn wie so oft gehen – entweder aus Unwillen oder Unfähigkeit – bei dieser sehr oberflächlichen Betrachtungsweise einige durchaus lesenswerte Aussagen zum Thema bail-out unter.

Werfen wir einen Blick auf die Aussagen von Timo Soini.

Der Titel des im WSJ veröffentlichten Artikels lautet Why I Don’t Support Europe’s Bailouts, er wird gefolgt vom Satz: Our political leaders borrow ever more money to pay off the banks, which return the favor by lending ever more money back to our governments. Somit ist gleich zu Beginn recht klar, was Herr Soini von so einigen Maßnahmen hält.

Diese Meinung wird – im Gegensatz zu den inhaltsleeren Alternativlos-Brabbeleien überforderter Abgeordneter – im weiteren Verlauf des Artikels begründet.

Europe is suffering from the economic gangrene of insolvency—both public and private. Unless we amputate that which cannot be saved, we risk poisoning the whole body.

Das mag martialisch formuliert sein, trifft aber die strukturelle Problematik im Kern. Auch ist die Bezeichung Wundbrand (gangrene) zutreffend. Eine Umverteilung von Schulden beseitigt kein Problem. Das lässt sich leicht in der Praxis ausprobieren. Dazu genügt es, einen kleinen Tomatensoßenfleck auf Ihrer Krawatte oder einem beliebigen empfindlichen Kleidungsstück zu verteilen. Problem gelöst?

Weiter heißt es im Text:

To understand the real nature and purpose of the bailouts, we first have to understand who really benefits from them.

Eine Frage, die in der Tat selten gestellt und noch seltener beantwortet wird. Ein bail-out hilft zuallererst den Anleihegläubigern, die sich aus Dummheit, Gier oder aus welchen Gründen auch immer verkalkuliert haben.

At the risk of being accused of populism, we’ll begin with the obvious: It is not the little guy who benefits. He is being milked and lied to in order to keep the insolvent system running. He is paid less and taxed more to provide the money needed to keep this Ponzi scheme going. Meanwhile, a symbiosis has developed between politicians and banks: Our political leaders borrow ever more money to pay off the banks, which return the favor by lending ever more money back to our governments.

Sehr schön ist die beiläufige Bemerkung “At the risk of being accused of populism”, angesichts der von den so genannten Repräsentanten hochgehaltenen Alternativlosigkeiten und dem Motto “wer nicht für uns ist, ist gegen uns” spricht aus diesem Satz wohl eine Menge Erfahrung… (—>Seite 2)

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11 Kommentare auf "Von Finnen und Wahrheiten"

  1. Hauki sagt:

    Lieber Herr Ponzi,

    ein wieder einmal sehr gelungener Artikel.
    Die Radikalisierung der Bevölkerung wird – obwohl genau das angeblich verhindert werden soll – in extremem Ausmaß befördert. Wenn der ganze Schlamassel zusammen kracht, bin ich sehr gespannt, was die „Volksvertreter“ in den westlichen Ländern für Ausreden parat haben werden.

    Die Aussagen eines Norbert Walter den Betrug zu legitimieren, kann höchstens nachvollziehen, wer den Überlebenskampf der Mächte begreift. Wie dieser Mann dann aber darauf kommt, man müsse der Bevölkerung erklären, warum dies so sei, und es gleichzeitig nicht tut (ebenso wenig wie andere Protagonisten), gibt sich der Lächerlichkeit preis.

    Der mit dem Betrug einhergehende Betrug ist noch das Tüpfelchen auf dem i. Der dem System von Anbeginn an innewohnende Betrug ein grundlegendes Thema, an das sich kaum einer heran wagt. Warum wohl … ?

    Beste Grüße, Hauki

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo,

      @hauki

      da gilt wohl in der Tat der ebenso alte wie zutreffende Satz: Beiß nicht in die Hand, die Dich füttert…

      Auf die ex-post Erläuterungen darf man wirklich gespannt sein, gerne genommen werden ja „externe schocks“ jeglicher Natur. Wenn man so will eine fast schon alternativlose Ausrede.

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

  2. conan sagt:

    Liebes Bankhaus Rott,

    mal wieder ein sehr guter Artikel in einer sehr deutlichen Sprache, der den Nagel VOLL auf den Kopf trifft.

    Ich bin heute schon sehr gespannt welches schwarze Schwänchen, das sich gerade im Heranwachsen befindet, als große Ausrede dienen wird.

    Meine großen Sorgen sind:

    1. Wird’s der Großteil der Bevölkerung mal wieder glauben — „Wir“ sind schliesslich immer noch WEIT in der Minderheit!

    2. WER soll denn in der „Zeit danach“ den Neuanfang organisieren???? Ich sehe derzeit keine politischen Alternativen!!!

    Bei den letzten Wahlen konnte ich nur den Wahlschein durchstreichen und „Scheindemokratie“ ‚draufschreiben. Tut mir leid aber für diese Schwachsinnigen (Hoffe der Blo[g|ck]wart kann damit leben? 😉 ) konnte ich mich wirklich zu keinem Kreuzchen durchringen und meinen Protest wollte ich schon zum Ausdruck bringen.

    Wie wär’s mit einer groß angelegten Aktion bei der nächsten großen Wahl?? Wenn plötzlich 20-30% der Wahlberechtigten die Wahlscheine annulieren MUSS das doch eine Auswirkung haben — Ändert aber leider alles nichts am Grundproblem — Wer soll’s machen????

    • Mo sagt:

      Hallo Conan.

      Ich glaube, das ändert gar nichts.
      In diesem Fall werden sie die Stimmen abschreiben und trotzdem
      die Prozente daraus machen.

      Die Wahlbeteiligung ist durch die immer größer werdende
      Unterschicht der Bevölkerung eh schon sehr gering.

      lg Mo

      • conan sagt:

        Hallo Mo,

        nein, das glaube ich nicht!

        Bisher ist die übliche ausrede unserer „Voksvertreter“, wenn es um die Nichtwähler geht ja immer, dass da ja nichts machen könne, wenn die Leute zu faul sind um zur Wahl zu gehen — und überhaupt können wir ja eigentlich ganz froh sein, dass es die „Unterschicht“ nicht zu den Wahlurnen schafft — wer weiss was die wählen würden!!

        Wenn wir nun alle Nichwähler motivieren würden zur Wahl zu gehen (ca. 40% der wahlberechtigten Bevölkerung) und ALLE ihren Stimmzettel ungültig machen würden, wäre das meiner Ansicht nach eine BOMBE. Was meinst Du was in der Presse los wäre?

        Die Ausrede „Die sind einfach nur zu faul ….“, würde nun nicht mehr zählen. Unsere Politiker wären vielleicht das erste mal gezwungen wirklich über das von Ihnen eingerichtete System nachzudenken und Änderungen einzuleiten.

        Die Alternative ist natürlich so lange zu warten bis sich die Wut in der Bevölkerung so weit angestaut hat, dass Sie zur Wahl geht und radikale Kräfte wählt.

        Das Grundproblem bleibt dennoch bestehen: In Deutschland gibt es meines Wissens nach derzeit keine demokratische (WIRKLICH DEMOKRATISCH) Geldsystem-/ und evtl. EU-kritische (in Ihrer derzeitigen Ausprägung) Partei.

        Inzwischen würde ich sogar so weit gehen und die demokratie-Fähigkeit der im Bundestag vertretenen Parteien anzweifeln. Hier muss sich ganz dringend etwas ändern!!!!

    • p.koslowski sagt:

      meine Rede. Ungültig machen! Hingegangen ist man schließlich! Meine Oma sagte immer, „Du musst mit den Männern tanzen die auf der Hochzeit sind, es gibt keine anderen“ umgemünzt auf unser Wahlvolk, es gibt nur das Eine. Das die jetzt plötzlich „sinnvoll“ wählen, also Parteien an ihren Ergebnissen messen und nicht an den Versprechungen, wird nicht so schnell passieren. Der Nichtwähler ist mir auf Landes- und Bundesebene immer noch der mit den besten Taten die am Ende herauskommen.

  3. Adeke sagt:

    @ conan wie auch generell:

    Natürlich fehlt es an der Fähigkeit zur Demokratie, und zwar in allen verwaltenden und regierenden „Eliten“ und nicht nur in den „Eliten“ – schon immer, wird auch so bleiben.
    „Demokratie“ wurde auch und gerade im Mutterland der Demokratie, als welches die USA sich selbst so gerne bezeichnet, schon von den Gründungsvätern als zum Scheitern verurteiltes Experiment gesehen,
    “Remember, democracy never lasts long. It soon wastes, exhausts, and murders itself. There never was a democracy yet that did not commit suicide.”
    John Adams (1735-1826), American President

    Soweit mir bekannt ist, wurden die westlichen Staaten, die „developed countries“ noch nie von geistigen (= moralisch-ethisch orientierten) Eliten geführt – schon seit den Adelsprivilegien des Mittelalters nicht.
    Im alten China übrigens, gab es seit alters her ein offenes Prüfungssystem für die regierende und verwaltende Elite. Geprüft wurde die humanistische Ausbildung, die den Blick für das Ganze und die ethische Staatsaufgabe bewahren sollte, insbesondere die Klassiker des Konfuzianismus – die westliche Entsprechung wären die Kantsche Philosophie! … !
    Ein Denken, das übrigens auch unter den Konservativen des heutigen China weit verbreitet ist.
    Wer von den verwaltenden und regierenden „Eliten“ der westlichen „developed countries“ hätte Chancen gehabt, an seinen Job zu kommen?

    Vielleicht wären einige „geistige commodities“ doch gar nicht so schlecht, von welchen in einem Kommentar vor einiger Zeit gesprochen wurde, der – bezeichnenderweise für die vorherrschende Mentalität in unserer Gesellschaft? – als Spruch des Tages disqualifiziert wurde.
    Schade eigentlich, dass auch in diesen Blogbeiträgen bestenfalls Gesetzesbrüche angeprangert werden, doch der Blick auf die eigentlich faulen Wurzeln des Systems so grundsätzlich ausgeblendet wird, dass ich mich kaum traue auf die fehlenden moralisch-ethischen Grundlagen hinzuweisen.

    • Frank Meyer sagt:

      Das ergänzt die Sache perfekt und macht sie rund und verständlicher zum besseren reflektieren und darüber nachzudenken, in welchem Bergbau sich diese G.C. holt – und welche passend sind.

      Ein weites Feld, würde Theodor Fontane zurufen, aber lohnend für die eigene Ergänzung – als Begleiter über die Zeit, in der man sich bewegt, die wellenförmig an einem vorbei zieht und man selbst Teil einer Welle ist, die sich auf – und ab bewegt.

      „Geistige Commodities“ zu sammeln und daraus Werte für sich zu weben, ist vielleicht die größte Aufgaben für jeden, der über diese Erde trampelt. Es kommt darauf an, in welchem Bergbau man unterwegs ist, um in diesem Bild zu bleiben. Und was man daraus macht.

      Vielleicht liege ich komplett falsch, aber ich spüre so etwas wie eine Bestandsaufnahme, der viele inzwischen nachgehen. Damit beginnen etliche Veränderungen.

      Die meisten fischen in fremden oder gefährlichen Gewässern und wundern sich über Magenkrämpfe.

      • Adeke sagt:

        Meine „Bestandsaufnahme“ wurde mit dem Entschluss zum Erwerb von edelmetallischen commodities abgeschlossen.

        Respekt denen, die es schaffen, die jeweils aktuellsten skandalösen Vorkommnisse in sprachlich korrekten Formen zu vermitteln und damit auch die Geisteswissenschaftler mit der Basis für notwendige „Überlebensstrategien“ versorgen! Offen gestanden, ich würde wahrscheinlich ins saloppe abgleiten, wenn ich es nicht mit (Galgen-) Humor betrachten dürfte.

        Zwar kann ich leider nicht mit Voltaires Candide sagen, dass wir in der allerbesten aller möglichen Welten leben; dennoch: Die Welt an sich ist schön! Let’s enjoy it!

  4. elaide sagt:

    Die Darlegung dessen, was die „Wahren Finnen“ tatsächlich anprangern bzw. fordern, sehe ich als höchst engagierte Aufklärungsarbeit und im Zusammenhang mit dem unmittelbar vorausgegangenen ebenfalls sehr dankenswerten Artikel „Wer in der Demokratie schläft …“.

    Vielleicht liest der Monsieur de Düsseldorf ja noch weiterhin Kommentare, um zu sehen, was so manche Leser plötzlich so „raushauen“ können? Deshalb wie auch generell:
    Der gewählte Titel „Wer in der Demokratie schläft ….“ kann m.E. in Anbetracht der Gesetzesbrüche und auch verfassungsrechtlichen Verstöße unserer Regierenden nur noch in einer Wachrüttelfunktion gewählt werden.

    Die Arroganz unserer Regierenden gegenüber Rechtsstaat und Parteiendemokratie kann „eigentlich“ den Wählern – trotz Mainstream in den Medien – seit vielen, vielen Jahren nicht entgangen sein.

    Aufschlussreich ist meines Erachtens z.B., wenn bei den Rücktritten von Ämtern erklärt wird, dass dadurch die „Verantwortung“ für das skandalöse Handeln übernommen wird.
    Es muss die Frage erlaubt sein, welches Verantwortungsbewusstsein der Wähler dann überhaupt noch voraussetzen darf!!! Oder auch z. B. das reumütige Eingeständnis unseres Altkanzlers Herrn Kohl, welcher nach seiner Bankrotterklärung doch tatsächlich sagte, er habe das nicht „gewollt“. Ja handelt unsere „Elite“ denn willenlos?

    Auch möchte ich den Verweis auf Konfuzius und Immanuel Kant aus einem anderen Kommentar aufnehmen. Kant wird übrigens in China als „Königsberger Chinese“ verehrt.

    Konfuzius sieht als Grundlagen einer guten Regierung ausreichende Nahrung, eine ausreichende Armee und Vertrauen in die Regierung.
    Auf die Frage, welche er opfern würde, antwortete er 1. die Armee, 2. die Nahrung, denn sterben müssten die Menschen ohnehin.
    Das Vertrauen in die Regierung sei aber unverzichtbar. Ohne Vertrauen des Volkes kann kein Staat bestehen.

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