Von Entspannung keine Spur…

9. August 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Börsianer mit Weitblick sind gut beraten, während des Sommers das Spektakel auf dem Parkett nur zu beobachten. In diesem Jahr scheint das ganz besonders zu gelten. Vermutlich könnte in diesen Tagen nur eine deutliche Entspannung in der Ukraine-Krise die Lage an den Börsen merklich aufhellen. Leider sieht es danach überhaupt nicht aus. Ganz im Gegenteil…

Es deutet immer mehr darauf hin, dass die malaysische Verkehrsmaschine MH 17 von einer Luft-Luft-Rakete abgeschossen wurde. Schweres Maschinengewehrfeuer habe dem Flugzeug dann den Rest gegeben. Das berichten Zeitungen in Malaysia unter Berufung auf Untersuchungsergebnisse am Absturzort. Dies würde bedeutet, so die Zeitungen weiter, dass die ukrainische Regierung die Tragödie zu verantworten habe.

Sollte sich die Meldung in den kommenden Stunden bestätigen, wäre die Russlandhetze westlicher Medien im Zusammenhang mit dem Absturz als peinliches Lügengebäude entlarvt. Ob ein Krieg dadurch unwahrscheinlicher wird, ist allerdings fraglich. Nach aller Erfahrung ist eher zu erwarten, dass sich die Lage weiter zuspitzen wird. Wenn das mit MH 17 nicht geklappt hat, dann wird man eben andere Gründe konstruieren, die ein militärisches Eingreifen „dringend erforderlich“ machen…

Ein interessantes Video zu dem Themenkomplex hat der in den Massenmedien stark angefeindete unabhängige Journalist Ken Jebsen kürzlich mit dem ehemaligen CDU-Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Willy Wimmer, geführt. Der 71järige Wimmer gehörte 33 Jahre dem Deutschen Bundestag an und war von 1985 bis 1992 verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU. Es ist ausgesprochen erhellend, einmal zu erleben, dass es noch Politiker gibt, die keine Scheu haben, die ungeschminkte Wahrheit in klaren Worten auszusprechen:

Dem DAX hat die Nachrichtenlage in dieser Woche überhaupt nicht geschmeckt: Rund zehn Prozent hat der deutsche Leitindex seit seinem Jahreshoch eingebüßt. Beim MDAX ist die Lage inzwischen sonnenklar, wie die aktuelle Version des sehr langfristigen Kursverlaufs auf Monatsbasis zeigt, den wir Ihnen kürzlich an dieser Stelle schon einmal gezeigt hatten:

Die Werte aus der zweiten Reihe befinden sich jetzt in der Baisse. Dazu einige technische Beobachtungen: Der MACD hat Anfang August ein glasklares Verkaufssignal geliefert. Und wenn kein Wunder geschieht, dann wird der MDAX den gleitenden Zwölf-Monats-Durchschnitt zum Monatsende sehr deutlich von unten betrachten. Dazu die folgende Abbildung. Achten Sie auf die beiden roten Markierungen:

WK MDAX  0808 JPG

Die Schwäche der mittelgroßen Unternehmen ist nur folgerichtig, denn Konzerne wie Rheinmetall oder auch die im MDAX stark vertretenen Maschinenbauer werden von den Sanktionen des Westens gegenüber Russland teilweise noch härter getroffen als die DAX-Schwergewichte.

Doch da auch der Leitindex selbst allmählich in die Knie geht und nun eine ähnlich bedrohliche Signallage aufweist wie der MDAX, sind langfristig agierende Investoren gut beraten, die Füße jetzt konsequent still zu halten: An der Börse hat man noch selten etwas verpasst, wenn man den klassischen Ferienmonat August am Badesee verbracht hat, anstatt vor dem Kursmonitor. Wer bei dem jüngsten Kursgewitter ausgestoppt wurde, der bleibt deshalb vorerst draußen und überlässt das Terrain den kurzfristig agierenden Tradern.

Kontra-Anleger wissen, dass man erst dann wieder einsteigt, wenn Angst und Verzweiflung ihrem (vorläufigen) Höhepunkt entgegeneilen. Der Herbst könnte sich hierfür anbieten.

Doch bleiben wir noch einen Moment bei den gerade erwähnten Sanktionen des Westens gegenüber Russland. Hier zeigt sich nämlich, dass Wladimir Putin ein cleveres Bürschchen ist: Als „Antwort“ auf die westlichen Daumenschrauben hat die russische Fluglinie Dobrolet in dieser Woche beim US-Flugzeugbauer Boeing 16 Linienmaschinen bestellt – und bereits angezahlt. Handel statt Sanktionen. Derartigen Weitblick würde man sich von den USA und den EU-Politikern in der aktuellen Lage auch wünschen…


Mario rettet die Börsen…

Ein zentrales Thema der Woche war naturgemäß die Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstagnachmittag. Schon in den Morgenstunden konnte man den hoffnungsvollen Kommentaren der Börsen-TV-Sender die weit verbreitete Erwartungshaltung entnehmen, Mario Draghi werde die Börsen jetzt „bestimmt wieder retten“.

Schließlich sei die konjunkturelle Lage in Europa alles andere als rosig. Beispiel Italien: Dort trübt sich die Situation weiter ein. Zwei Quartale mit Minuswachstum in Folge, so etwas mögen unsere Politiker gar nicht. Zumal es im Vorjahr noch „ganz gut“ ausgesehen hatte – wobei das bei „Wachstumsraten“ im Promillebereich natürlich so eine Frage ist. Hinzu kämen die Unsicherheiten in der Ukraine. Mit einem Wort: Niedrige Zinsen und billiges Geld sollen es wieder einmal richten. So jedenfalls die weit verbreitete Hoffnung der Börsianer…

Dazu einmal ein paar grundsätzliche Gedanken: Zu glauben, die Notenbanken könnten mit immer mehr billigem Geld Wohlstand aus dem Nichts herbeizaubern, ist ungefähr so intelligent, wie die Annahme, einige Tulpenzwiebeln könnten in etwa so wertvoll sein wie zwei oder drei herrschaftliche Häuser in bester Innenstadtlage von Amsterdam.

Während letztere Annahme als eine der größten Dummheiten aller Zeiten in die Börsengeschichte eingegangen ist, steht den in unseren Tagen schwandronierenden Propheten des billigen Geldes der Moment der Erkenntnis erst noch bevor. Doch so etwas kann dauern.

Lehrreiche Bühnenstücke…

Wer sich die Wartezeit ein wenig vertreiben und dabei noch etwas lernen möchte, dem empfehlen wir für stimmungsvolle Stunden am Badesee die Lektüre einschlägiger Finanzliteratur. Dort zeigt sich nämlich, dass die Börsengeschichte abseits von Tulpenzwiebeln zahlreiche andere höchst lehrreiche Bühnenstücke für unverbesserliche Daueroptimisten in Petto hat. Sogar solche, die in der aktuellen Lage sehr erhellend sein können.

So haben Turbulenzen an den Börsen in den vergangenen Jahrhunderten so gut wie immer (!) im Finanzsektor ihren Anfang genommen. Gerne auch als „Kettenreaktion“, wenn etwa ein kleineres Institut gestolpert war und im Fallen den gesamten Sektor mit sich gerissen hat. Und wir reden hier nicht von der Pleite bei Lehman Brothers.

Schon mehr als 130 Jahre zuvor hatte die „Große Depression“ der 1870er Jahre mit der Pleite einer Regionalbank in Wien begonnen. Am 9. Mai 1873 musste das relativ unbedeutende Bankhaus Mayersberg & Russow Insolvenz anmelden. Es war der entscheidende Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Wie stets endete ein spekulativ getriebener Boom in einer Katastrophe: In Deutschland waren Ende des Jahres 1873 61 Banken, 116 Industrieunternehmen und vier Eisenbahngesellschaften pleite. Die deutsche Wirtschaft brauchte mehr als zwei Jahrzehnte, um sich von dem Schock zu erholen.

Am 9. Mai 1873 kam es vor der Wiener Börse zu tumultartigen Unruhen. Eine eigentlich unbedeutende Regionalbank war pleite gegangen. Jetzt kamen die Börsenkurse ins Rutschen – was folgte war die „Große Depression, die mehr als 20 Jahre dauerte…

Warum die Geschichte von der kleinen Wiener Regionalbank heute wichtig sein könnte? Weil besagte Daueroptimisten uns in diesen Tagen gerne das Märchen erzählen, die Pleite der portugiesischen Banco Espirito Santo sei für die Märkte im aktuellen Umfeld überhaupt kein Problem. So ähnlich klingt das immer, wenn die größten Probleme scheinbar keine sind.

Im Sommer 2007 etwa wurden auch DAX-Prognosen von 20.000 Punkten herumgereicht, obwohl der Immobiliensektor in den USA zu diesem Zeitpunkt längst lichterloh brannte. Heute brennen eben die ersten europäischen Banken, während gleich daneben an anderer Stelle nicht minder gefährlich gezündelt wird.

Aber wer die Pleite einer europäischen Großbank für unproblematisch hält, der wird natürlich auch davon ausgehen, die brandgefährliche Lage in der Ukraine sei für die Börsen gar kein Problem. Bedauerlich, dass viele von uns immer erst auf der Nase liegen müssen, ehe ihnen ein Licht aufgeht…

© Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief





 

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5 Kommentare auf "Von Entspannung keine Spur…"

  1. Reiner Vogels sagt:

    Dass MH17 von Bordkanonen getroffen wurde, kann man an diesem Foto der Außenhaut erkennen:

    http://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-2014/gefaelschte-nachrichten-zu-mh-17-absturz/

    Die kleinen, regelmäßigen und Runden Löcher mit nach innen gebogenen Rändern sind wohl kaum mit Schrapnells, wie sie von einer Boden-Luft-Rakete ausgestoßen werden, zu erklären.

    Ob die großen unregelmäßigen Löcher mit nach außen gebogenen Rändern von einer Explosion im Innenraum des Flugzeugs verursacht wurden oder ob sie, wie Peter Haisenko

    – siehe: http://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-2014/gefaelschte-nachrichten-zu-mh-17-absturz/

    meint, Austrittslöcher von Geschossen sind, die auf der gegenüberliegenden Seite eingeschlagen sind, kann wohl nur eine genauere Untersuchung klären. Leider wird diese Untersuchung verhindert, weil Kiew sich weigert, einer Feuerpause rund um die Absturzstelle zuzustimmen.

    Für die weitere Zukunft macht das keinen Mut. Der Westen will die Wahrheit nicht wahrhaben und setzt weiter auf Eskalation. Entspannung an der Börse ist nicht in Sicht.

    • Michael sagt:

      Kiew versucht die Geschichte im Moment in die Richtung zu entwickeln, die ‚Pro Russischen Separatisten‘ hätten eine falsche Maschine abgeschossen um damit mehr Unterstützung von Moskau zu erhalten. Autsch … das glaubt mittlerweile keiner. Interessant ist aber der Hinweis auf die ‚andere‘ Maschine.

      Es wäre schon kühn Putins Maschine mit einem Abfangjäger vom Himmel holen zu wollen und zu versuchen, das den PRS in die Schuhe zu schieben. Wie man die Untersuchung hätte in diesem Fall so biegen können – schwer. Diese Theorie würde ich mal nicht favorisieren. Also welche ‚andere‘ Maschine wäre das gewesen und wer war an Board?

      Die MH17 ist einfach abgeschossen worden von der ukrainischen Abwehr. Das ist eine Art Joker. Egal ob sich die E.U. mit Russland oder der Ukraine in die Haare kriegt das genügt. Damit kontrolliert ein lachender Dritter sämtliche spannende Verbindungswege zwischen der Eurasischen Union und E.U. Ich will gar nicht sagen es seien die ‚U.S.‘ es sind vermutlich Oligarchenverbände. Es läuft ja auch in Bulgarien eine Schlacht zwischen Oligarchen im Bereich der Banken.

      Kann mir aber nicht vorstellen, dass die ‚Ukraine‘ als Nation dahintersteht. Es Reicht allein die Kontrolle über die Gebiete der Krim zu bekommen. Die Krim in der Historie nicht nur die Halbinsel sondern war eine relativ kompakte Gegend insbesondere ein Partner des Osmanischen Reichs.

      Schaut eher nach einer Route aus Gas und Öl aus den Gebieten der Kaspischen See zu liefern. Die Becken erstrecken sich bis Russland rein.

  2. bluestar sagt:

    Der von den USA finanzierte Putsch in Kiew hat logischerweise die korruptesten und kriminellsten Kräfte dieses Landes an die Macht gespült, die weder vor dem nationalen Ausverkauf noch vor der Vertreibung und Vernichtung der eigenen Bevölkerung zurückschrecken. Wer sich mit Vita, Aussagen und Niveau dieser Leute einmal beschäftigt wird mit dem Kopf schütteln, dagegen ist die NPD bei uns regelrecht sympathisch.
    Natürlich werden Maidan-Morde und MH 17 niemals aufgeklärt. Das Ziel dieser Aktionen wurde doch schon erreicht.
    Und diese CIA-Kalfaktoren werden von den GROKO-Leuten hofiert und mit Steuergeldern gefüttert !!!
    Armes Deutschland kann ich da nur sagen.

  3. Michael sagt:

    Wir sind im Paradigmenwechsel. Crashes von Banken und Märkten, das Platzen von Blasen sind die Symptome. Sauber recherchiert. Das kommende Paradigma wird meines Erachtens dynamisches Chaos. Momentan wird einfach Fragmentiert …

    http://de.wikipedia.org/wiki/Oesterreichische_Nationalbank

    Bestehende Denkmuster lösen sich in einem chaotischen Erneuerungsprozess auf. Die Neuorientierung wird nicht mehr in geordneten Strukturen erfolgen sondern in anarchischer aber durchwegs dynamischer multidimensionaler Fragmentierung.

    Die Jugend tritt aus der Sicht des Gestern aus der Industriegesellschaft heraus. Die Zukunft gehört der Jugend. Auch wenn sie im Moment noch die Geburtswehen spürt …
    https://www.youtube.com/watch?v=ttqMGYHhFFA
    (Youth without Youth falls VEVO nicht funktioniert)

    aber der Erneuerungsprozees beschleunigt sich für alle …
    https://www.youtube.com/watch?v=7jiQ1QpNSkA
    (Speed Of The Collaps)

    Paradigmenwechsel haben so Eigenschaften – man weiß nicht was kommt. So ähnlich wie man schnarchte fröhlich noch im Bettchen vor sich hin. Auf einmal kommt jemand, grabt den Garten um und Verkündet die Befreiung der Regenwürmer – das Auditorium jubelt und die Regenwürmer machen Likes im Portal der Earthworm Community. Sie greifen zum Telefonhörer rufen die Grünne Minna an, die nimmt aber sie mit und nicht den Befreier der Regenwürmer. Sie haben weniger Likes. Dann ist das Paradigma geshiftet und Welt erblüht im neuen Glanz der aufgehenden Morgensonne. Die Nacht gehört den Eulen, das ist die Zeit zum Beginn eines neuen Jahrhunderts.

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