Von der Kunst finanziell zu überleben: Das Wichtigste über Gold

26. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Gold ist: Edelmetall, Währungsreserve, internationales Geld, Sachwert, Geldanlage, Spekulationsobjekt, Versicherung, Schmuck, Rohstoff, Sicherheit, Mythos. Mal mehr das eine, mal mehr das andere….

Zurzeit und in den nächsten Jahren steht Gold in erster Linie als Sachwert-Geldanlage einschließlich Funktion als Versicherung gegen immer wertloser werdendes Papiergeld im Vordergrund. Papiergeld im weiteren Sinn umfasst: Geldscheine und -münzen (auch wenn Geldscheine nicht aus Papier, sondern aus Baumwolle bestehen, und Münzen aus Metall), Sparkonten und -briefe, Tages- und Festgeldkonten, Anleihen, Rentenfonds und kapitalgedeckte Lebensversicherungen.

Das Angebot an physischem (echtem) Gold im Gegensatz zum verbrieften oder Termingold stammt in erster Linie von Minen, in zweiter Linie von Altgoldverkäufern. Verbrieftes Gold bedeutet: Minenaktien und -fonds, ETF (Exchange Traded Funds, das sind börsengehandelte Fonds, die Gold kaufen und verkaufen), Zertifikate und sonstige Derivate (abgeleitete Finanzprodukte). Gold wird auch auf Termin gehandelt, wobei die Terminbörse Comex in New York immer für ein paar Schlagzeilen gut ist, weil der Preis dort häufig wild hin und her springt. Wegen des im Vergleich zu den physischen Märkten viel höheren Comex-Handelsvolumens und -Umsatzes heißt es zu Recht: Der Schwanz wackelt mit dem Hund. Ergänzt sei, dass es noch weitere Terminbörsen gibt.

Die Goldnachfrage kommt zum größten Teil aus der Schmuckindustrie, die sich überwiegend in asiatischen Ländern befindet. Da Schmuckstücke dort viel preiswerter hergestellt werden können als in Europa oder Amerika, haben sie wegen des relativ niedrigen Aufschlags zum Goldpreis im Nahen, Mittleren und Fernen Osten nebenbei die Geldfunktion. Auch die Barren- und Münzennachfrage kann sich noch sehen lassen. Dagegen fällt die Nachfrage vonseiten der übrigen Industrie ebenso wie die der Zentralbanken recht gering aus. ETF-Käufe haben den Goldpreis erst stark in die Höhe und von 2012 bis 2014 abwärts getrieben. Preislich gesehen sind sie das Zünglein an der Waage; man sollte treffender formulieren: eine zeitweise ziemlich große aktive Zunge.

Gold wird rund um die Uhr gehandelt, beginnend in Australien und dann über China, Indien, Nahost und Europa bis zur US-Ost- und -Westküste. Eine Sonderstellung nimmt wegen seiner internationalen Bedeutung der Goldhandel in London ein, unter anderem, weil die dort ermittelten Preise den umfangreichen Geschäften mit Derivaten zugrunde liegen, wie Terminkontrakten oder Optionen. Seit dem 20. März dieses Jahres wird der Preis dort nicht mehr geheimniskrämerisch unter Banken, sondern zwei Mal täglich, beginnend um 10:30 und 15:00 Uhr, online ermittelt; seit dem 1. April gilt der „LBMA Gold Price“ als Benchmark (Richtwert). LBMA steht für London Bullion Market Association. Die „ICE Benchmark Administration“ (IBA) passt auf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Für die Online-Abwicklung sind dann Banken bzw. deren Ableger zuständig, und zwar sieben an der Zahl. In alphabetischer Reihenfolge: Bank of Nova Scotia, Barclays Bank, Goldman Sachs International, HSBC USA, JP Morgan, Société Générale und UBS. Der Preis wird in US-Dollar je Feinunze (abgerundet 31,1 Gramm) ermittelt.

Das chemische Symbol für Gold ist Au; es steht für den lateinischen Begriff Aurum. Das spezifische Gewicht (Verhältnis des Gewichts zum Volumen) von Gold ist extrem hoch: 19,32. Das heißt, schon ein kleiner Goldbarren fühlt sich sehr schwer an. Gold kann man folglich mit einem hohen Wert auf kleinstem Raum lagern und in kleinster Verpackung transportieren. Auch der Schmelzpunkt des Goldes ist beachtlich: 1063 Grad Celsius. Es bleibt gegen Chemikalien resistent (Ausnahme: Königswasser, eine Mischung aus Salz- und Salpetersäure). Da Gold relativ weich ist, wird es als Blattgold in extrem dünnen Blättern vielfach zur Verzierung diverser Gegenstände eingesetzt.



Goldschmuck besteht praktisch nie aus reinem Gold, es sei denn, jemand lässt eine Maple Leaf- oder Känguru-Münze einfassen – beide sind reinrassig – und trägt sie so als Schmuck mit sich herum. Der Goldanteil von Schmuck wird entweder in Zahlen oder in Karat angegeben: 750 oder 585 oder 333, wie in Europa und anderswo üblich (aber nicht in allen Ländern). 750 entspricht 18 Karat, 585 steht für 14 Karat, 333 für 8 Karat. Darunter darf sich Schmuck nicht mehr Gold nennen. Zahlen und Karat hängen wie folgt zusammen: 18 sind drei Viertel von 24, so wie 750 drei Viertel von 1000 sind. 14 von 24 entsprechen zwar nicht ganz 585 von 1000, aber mit 583,3 annähernd. Bei 8 von 24, das heißt 333 von 1000, wird es dann wieder etwas runder.

Fast das ganze jemals geförderte Gold ist noch über die Welt verstreut vorhanden. Damit unterscheidet es sich von anderen Rohstoffen, die verbraucht werden, etwa von Industriemetallen, Erdöl und Agrarrohstoffen. Würde man es in einen Würfel packen, hätte er eine Kantenlänge von nur 20,93 Metern, behauptet die Interessenvertretung World Gold Council (Experten streiten darüber, ob eher etwas mehr oder etwas weniger Kantenlänge richtig wären). Dabei handelt es sich derselben Quelle zufolge um 177.200 Tonnen, von denen 48,5 Prozent zu Schmuck verarbeitet sind, 20 Prozent privat gehortet werden, 17,2 Prozent als sogenanntes offizielles Gold in Zentralbanken oder stellvertretend in deren Partnerbanken lagern und 12,2 Prozent anderweitig verarbeitet sind. Das macht zusammen 97,9 Prozent. Die restlichen 2,1 Prozent sind offenbar im Bermuda-Dreieck verschwunden.

Goldlagerstätten gibt es überall auf der Welt, sogar in Deutschland, zum Beispiel in Thüringen, Nordhessen und entlang des Rheins. Doch hier sind größere Funde eher dem Zufall überlassen. Ein paar kleine Goldkörnchen finden Hobbygeologen dagegen immer wieder mal. Der Abbau durch Minenkonzerne ist schwierig und teuer; er findet zu hohen Kosten oberirdisch wie auch bis zu 4 Kilometern Tiefe unterirdisch statt. Auf eine Tonne Gestein entfallen bei oberirdischer Förderung je nach Lagerstätte in der Regel nur 2 bis 5 Gramm Gold. Vielfach kommen noch giftige Stoffe zum Einsatz, damit das Edelmetall leichter vom Gestein getrennt werden kann, zum Beispiel Zyanid und Quecksilber. Verschiedene Umweltorganisationen haben hier und da zwar schon einen Förderstopp erwirkt, aber ihnen bleibt noch viel Arbeit, bis alle Goldproduzenten allgemein geltende Richtlinien akzeptieren.

Es gibt Goldbarren und -münzen unterschiedlicher Herkunft und Größe. Bei den Münzen unterscheidet man zwischen Anlage- und Sammlermünzen. Erstere werden mit einem kleinen Aufschlag zum Goldpreis gehandelt, Letztere wegen ihrer Seltenheit mit einem großen. Goldbarren und Anlagemünzen aus Gold unterliegen nicht der Umsatzsteuer. Falls beim Verkauf ein Gewinn herausspringt, braucht er, wie bereits anderweitig erwähnt, nach einem Jahr Haltedauer nicht versteuert zu werden. Käufe und Verkäufe für weniger als 15.000 Euro sind anonym möglich; von dieser Obergrenze an müssen Banken und Händler ihre Kunden gemäß Geldwäschegesetz registrieren.

Wer sich erst wenig oder noch gar nicht mit der Anlage in Gold beschäftigt hat, sollte den Rat von seriösen Händlern, wie sie im Internet beispielsweise auf goldseiten.de und gold.de zu finden sind, und von auf den Handel mit Edelmetallen spezialisierten Banken einholen. Hier nur so viel: Besonders gängig sind 100- und 250-Gramm-Barren sowie Anlagemünzen mit 1 Unze Gewicht, wie Krügerrand, Maple Leaf, Känguru, Wiener Philharmoniker, American Eagle, Britannia und Panda. Diese Aufzählung ist nicht vollständig; Sonderaktionen einzelner Händler und Banken mit anderen Münzen finden häufig statt. Übrigens sind zum Beispiel Maple Leaf und Känguru aus reinem Gold, während etwa Krügerrand und American Eagle zum besseren Schutz vor Kratzern auch Kupfer enthalten. Wer sich entschlossen hat, einen Teil der Ersparnisse in Gold anzulegen, sollte bei den Anbietern gleich nach dem passenden Ort für die Verwahrung der Schätze fragen. Vom heimischen Tresor bis zum Zollfreilager in der Schweiz ist vieles möglich.

© Manfred Gburek ( Kapitel 14 aus dem Buch „Von der Kunst finanziell zu überleben„) mit freundlicher Genehmigung



Print Friendly

 

Ein Kommentar auf "Von der Kunst finanziell zu überleben: Das Wichtigste über Gold"

  1. waltomax sagt:

    Das „wahre Gold“ ist ja eigentlich nicht-materiell. Es besteht aus der Kreativität des einzelnen, die sich zu der einer Volkswirtschaft bündelt. Vor jeder Wertschöpfung steht die Tätigkeit eines Hirnes, das sich etwas einfallen lassen muss. Leute mit besten Ideen zu fördern ist -genau besehen- viel wichtiger, als sein Geld in Edelmetalle zu stecken und diese dann im Tresor verschwinden zu lassen. Edelmetalle sind konservative Wertanlagen, die man sicher in diesen unsicheren Zeiten benötigt. Doch ist es vielmehr das Risikokapital, das uns wirklich weiterbringt. Und uns unseren Wohlstand nachhaltig sichert.

    Ein gesättigter Markt ist nur durch Ideen und Kapital wieder zu beleben.

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.