Von der Geschichte verfolgt

23. Oktober 2012 | Kategorie: Gäste, Kommentare

(von Bill Bonner) Ich werde wieder einmal von der Geschichte verfolgt. In der gleichen Straße in Paris in der auch mein altes Büro lag, befindet sich die erste Zentralbank der Welt, von John Law errichtet…

Um die Ecke von meinem neuen Büro liegt das Crillon Hotel, wo Franklin Roosevelt, damals Aushilfssekretär bei der Marine, fürstlich tafelte, während er vortäuschte, hinter Informationen her zu sein, wie es den Infanteristen in den Schützengräben erging…

Im nächsten Krieg behauptete Hemingway, dass er die Bar des Crillon von Nazis befreit hätte, als diese sich wieder Richtung Rhein zurückzogen…

Aber in Baltimore bellen die Hunde am lautesten. Laut den örtlichen Geschichtsfans traf sich Woodrow Wilson in meinem Büro mit dem belgischen Botschafter, um eine der großartigsten Wunschlisten aller Zeiten abzuschließen – den Völkerbund.

Ich hatte einmal über zwei kaum bekannte US-Präsidenten berichtet: Chester A. Arthur, Warren Gamaliel Harding. Während die großen Tiere überall ihre Spuren hinterließen und praktisch alles niedertrampelten, was sich ihnen in den Weg stellte, ist es diesen kleinen Fischen gelungen, ihren Weg durch das höchste Büro des Landes zu machen, ohne die geringsten Spuren zu hinterlassen. Das soll heißen, dass sie die Menschen in Ruhe ließen…und die Nation so gut zurückließen, wie sie sie vorgefunden hatten.

Dann gibt es einen Mann, den ich persönlich für den schlechtesten Präsidenten Amerikas halte…Thomas Woodrow Wilson. Bei dem völlig überlaufenen Wettbewerb um den Posten des schlechtesten Präsidenten der Vereinigten Staaten, sticht Wilson hervor. Als Weltverbesserer ist Wilsons Figur Weltklasse. Er hatte keinen Humor, er war unbescheiden und selbstgerecht – auf einer Stufe mit den großen Verbrechern des 20. Jahrhunderts – Che, Mao, Lenin, Mussolini, um nur einige zu nennen. Alle hatten nur die besten Absichten, oder zumindest behaupteten sie das.

Amerika hat auf der Welt eine herausragende Position eingenommen. Amerika ist der größte Schuldner der Welt. Amerika ist der größte Verbraucher der Welt. Amerika hat die aggressivste Armee der Welt und mischt sich am meisten ein. Kein Land der Welt liegt weit genug abseits, um der amerikanischen Beachtung zu entgehen…und kein Land ist zu arm, um Amerika Geld leihen zu können. Ich halte einen Moment inne und wundere mich, wie wir hier hingeraten konnten. Ich gehe zum Tatort und suche nach Beweisen. Dort nehme ich ein paar Proben und bringe sie ins Labor. Und was ist das Ergebnis? Die DNA Spuren stammen von Thomas Woodrow Wilson.


Ich mache dem Mann keinen Vorwurf. Auch halte ich ihn nicht für ausschließlich verantwortlich. Sein Günstling bei der Marine – Franklin Roosevelt – war ein eifriger Komplize. Lyndon Johnson fuhr das Fluchtauto. Auch Ronald Reagan, Alan Greenspan und George W. Bush waren mit Sicherheit Mitglieder der Bande. Aber Wilson war der Kopf der Bande. Und heute soll er meine Aufmerksamkeit bekommen.

„Ein geistig kranker, bemitleidenswerter Mythomane…ein erleuchteter Mann, der glaubte, er stünde in direkter Kommunikation mit Gott, geführt von einer starken äußeren Macht.“ So beschrieb der Vater der Psychoanalyse den 28. amerikanischen Präsidenten. Aber Freuds Urteil war zu großzügig. Wilson war ein selbstzufriedener, scheinheiliger Stümper, der das Land mit links in eine blasse, spöttische Parodie dessen verwandelte, was es eigentlich sein sollte.

Ich leite die Untersuchung mit einem Zitat von Wilson, nach dem Wahlsieg, ein: „Ich möchte sie daran erinnern, dass ich von Gott zum nächsten Präsidenten auserwählt wurde, daran haben weder sie noch irgendein anderer Sterblicher etwas ändern können.“

Gibt es den geringsten Zweifel darüber, dass Wilson verrückt gewesen sein muss? Er behauptete Demokrat zu sein. Später behauptete er, er wollte die Demokratie für die Welt sicherstellen. Aber hier kann man erkennen, dass er eher an göttliche Vorsehung glaubte, wenn es um das Thema der Führung ging. Er war nicht vom Volk gewählt worden, er war von Gott auserwählt. Warum soll man sich dann überhaupt noch um Wahlen bemühen?

Ich halte inne, um mich zu fragen, wie ein ehemaliger College Professor wissen kann, was in Gottes Kopf vor sich geht. Ich habe es selbst schon viele Male versucht. Will Gott die Aktienkurse steigen lassen, fragte ich mich. Wird Gott dieses Flugzeug sicher landen lassen? Wo zur Hölle hat Gott mich die Autoschlüssel verlieren lassen? Und obwohl ich es wirklich ernsthaft versucht habe, … ist es mir nie gelungen. Jedes Mal höre ich nur eine donnernde Stimme, die sagt: „Such Deine verdammten Autoschlüssel doch selber.“

Sicherlich muss Wilson mit Gott zu Abend gegessen haben. Vielleicht hatte er Gottes Ohr…oder gar seine Stimme. Denn der Mann sah mit der gleichen Leichtigkeit in die Zukunft, wie ich in ein leeres Glas Bier. Er wusste nicht nur, dass er dazu ausersehen war, Präsident zu werden, sondern auch, dass er eine Welt aufbauen konnte, die noch besser war als die, die Gott ihm überlassen hatte – indem er die Pläne von Millionen durch seine eigenen ersetzte.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Von der Geschichte verfolgt (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

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