Von Banken und Franken

12. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Bankhaus Rott

Franken und Yen-Hypotheken waren bis vor kurzer Zeit noch der Renner, wenn es um Kredite ging. Wer so einen Kredit in einer dieser Währungen aufgenommen hat, der versteht auch, warum eine Währung trotz negativer Zinsen munter weiter steigen kann. Die gefährliche Gemengelage erklärt auch die hektische Betriebsamkeit der Schweizer Nationalbank…

Banken haben einiges mit der Modebranche gemein. Um davon abzulenken, dass ein Pullover immer ein Pullover ist, wird dem Produkt neben einer wechselnden Farbgebung gerne auch mal ein neuer Name geben. Wie die Strickjacke zum Cardigan, so gibt es alle paar Jahre den unvermeidlichen „Olympia-Basket“ mit Aktien von Turnhosen-Fabrikanten. Kommt noch ein einseitige Risikobetrachtung und ein „Zinsvorteil“ ins Spiel so wird auch die schnöde Baufinanzierung zum spannenden Produkt. Besonders beliebt: Hypotheken in Schweizer Franken und japanischen Yen. Und der Zahltag rückt näher.

Nachdem bis in den Herbst 2010 viele Vermögensverwalter, darunter zahlreiche in Österreich,  etwa das „Durchtauchen“ empfahlen, also zum Festhalten am Fremdwährungskredit stehen zigtausende europäischer Kreditnehmer vor dem Trümmerhaufen derartiger finanzieller „Ratschläge“. Hier ein Zitat aus dem „Wirtschaftsblatt“:

(Wirtschaftsblatt.at) Kreditnehmern ist aus derzeitige Sicht trotzdem von einer Umwandlung abzuraten:

„Ich wüsste nicht warum. Wer durchtaucht, wird in drei bis fünf Jahren freudig aus der Wäsche schauen“,

meint Gerhard Massenbauer. Konkret meint Massenbauer damit die aktuell niedrigen Zinsen bei Franken-Krediten. „Vor zwei Jahren betrug die Zinsen vier Prozent, heute zahlt der Kreditnehmer 1,5 Prozent“, so Massenbauer. Nervosität sei also nicht angebracht.

Zur Einordnung der damalige Stand des Euro in Franken.

Für jemanden der seinerzeit schon 10% bis 20% hinten lag, macht das „Durchtauchen“ vermutlich wenig Freude. Aus jeweils €100.000 Kreditsumme wurden seither rund €125.000. Nun, wer weiß schon, wo morgen der Franken steht, mag man denken. Richtig, aber wer das nicht weiß, sollte niemanden zu einem Fremdwährungskredit raten.

Anbei ein Bloomberg Chartverlauf eines von einer Gesellschaft des zitierten Ratgebers verwalteten Investmentfonds.

So bekommt man rasch einen Eindruck, was langfristig mit „Durchtauchen“ gemeint sein könnte. Nicht nur guter Rat ist teuer. Es ist übrigens ratsam, sich vorher genau anzusehen, was entsprechende „Experten“ sonst so zustande bringen. Das Zitat stammt aus dem Jahr 2010. Ein Blick auf das Produkt der Gesellschaft hätte für potenzielle Interessenten gegebenenfalls eine Entscheidungshilfe darstellen können. Ganz nach Gusto versteht sich, jeder verbindet mit der Kapitalanlage bekanntermaßen andere Ziele. Schließlich wollen wir niemanden zu nahe treten.(Seite 2)

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11 Kommentare auf "Von Banken und Franken"

  1. Takuto sagt:

    Wieder mal ein genialer Artikel, der kurz und prägnant die These widerlegt, der Franken sei sicher.

  2. Johannes sagt:

    Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich um das Jahr 2000 um einen Kredit bezüglich meiner Haussanierung angesucht habe.

    Der Großteil der Kreditangebote, insbesondere von Maklern, war jener in CHF.

    Was zu Deinen Ausführungen bei den Angeboten noch dazu kommt Frank, ist die Tatsache, dass diese CHF- Kredite ausschließlich endfällig angeboten wurden. Dh. man bezahlt während der gesamten Laufzeit lediglich die Zinsen und spart gleichzeitig in einen Tilgungsträger (meist Lebensversicherungen) ein.

    Ich brauche wohl nicht zu erwähnen, dass dies ein doppeltes Geschäft für den Makler/Bank ist und auch dementsprechend beworben wurde.

    Aussagen, wie: „Sie zahlen nicht nur weniger an Zinsen, sondern bekommen bei der Tilgung noch tausende von Euros, weil der Tilgungsträger überdeckt ist“ waren Standardaussagen.

    Dh. sicher mehr als 90% der CHF- Kreditnehmer haben nicht nur das Devisenrisiko, sondern auch gleichzeitig das Tilgungsträgerrisiko.

    Ich wurde für meine „konservative“ Entscheidung, den Kredit in Euro, samt Fixzinssatz bis 2015 über Jahre belächelt und auch teilweise aufgezogen.

    Mittlerweile macht sich bei den CHF- Kreditnehmern spürbar Nervosität breit, zumindest bei jenen, die sich für den Kurs interessieren. Viele sind gar nicht in der Lage auszurechnen, wie der aktuelle Schuldenstand aussieht, oder verdrängen es einfach.

    Einen Umstieg in einem Euro- Kredit zum aktuellen Zeitpunkt zieht keiner mit denen ich darüber gesprochen habe, in Betracht. Vielfach hört man auch, dass eine Konvertierung in Euro letztendlich eine Insolvenz bedeuten würde, da die höheren Zinsen und die höheren Schulden nicht mehr bezahlbar wären.

    Durchtauchen ist das richtige Wort, dass Du schon erwähnt hast, Frank.

    Könnte noch seitenlang schreiben, aber im Grunde ist alles gesagt.

  3. matt06 sagt:

    Als jemand der vor ca.2 Jahren aus dem chf-Kredit ausgestiegen ist kann ich den Ernst der Lage nur bestätigen!Sämtliche Freunde hier in unserer Umgebung( Tirol) haben ihr Haus, Bauernhof,Skihütte oder ihr Hotel in CHF und-oder Yen Kredit finanziert,die wenigsten(auch sehr gute Geschäftsleute)sind im Euro.Bei einem meiner letzten Bankbesuche bestätigte mir ein befreundeter Banker das,wenn der Franken nicht zurückkommt, einige Häuser und mehrere Hotels allein in unserer kleinen Region zum Verkauf stehen werden!Nahezu jeder Bauer sei im Franken,aber die können meistens ein Grudstück verkaufen um den Verlust auszugleichen was ja nicht jeder kann.Ich bin gerade jetzt wo der Ernstfall eingetreten ist ,sehr Dankbar auf diesen Blog gestossen zu sein ,wo man ja mehrmals auf dieses Thema hingewiesen wurde.Auch mein Banker sagte warum ich ausgerechnet jetzt mit Verlust austeige,….aber heute wäre ich Konkurs,so bleibt zu hoffen das wir die nächsten Monate und Jahre einigermassen überstehen.Nochmals Danke an alle die in diesem genialen Blog dafür sorgen das die Menschen wach werden und wieder selber zu Denken anfangen!!! L.G Matt06

    • Johannes sagt:

      Lieber matt06,

      Gratulation und meine Hochachtung für Ihre Entscheidung, trotz Verlust zu konvertieren.

      Das schaffen nur die wenigsten.

      Gruss

      Johannes

    • Silberdax sagt:

      Schade um die schönen Gewinne, die sie sich entgehen lassen.
      Aber das ist eben aus Sicht eines Frankenkassierers leicht zu sagen –
      nur wer sich täglich im Käseland aufhält, bekommt mit, das hier ordentlich was aus dem Ruder läuft…
      ..die Schweizer selbst sehen sich auf einer unsinkbaren CH-Titanic.
      Wie die Titanic Geschichten ausgehen, ist bekannt.

      Es wird bald eine Menge Alteisen geben – aus Schweizer Baukränen…
      …und alle werden sich wundern, wie sowas nur passieren konnte.

      Die Freude über den starken Franken wird noch eine Zeit lang anhalten und
      die Grenz-Shopper befinden sich noch im Kaufrausch, im eigenen Land wird der Konsum vernachlässigt… die Zollabfertigungen IN die Schweiz werden immer langwieriger – die EU darf sich freuen, die Schweiz wird auf diese Weise elegant in die Euro-Falle getrieben.

  4. VickyColle sagt:

    Sehr schöner und klar sprechender Artikel.
    Insbesondere möchte ich auf diesen Punkt, der gut rausgearbeitet ist, eingehen:

    „Wer unbedingt noch eine Wette auf Devisenkurse machen will – und nichts anderes ist ein Franken oder Yen-Kredit – der soll ein Konto bei einem vernünftigen Broker aufmachen und das Ganze mit Derivaten abbilden.“

    Ich habe sowieso nie verstanden, wieso etwas völlig normales im Geschäftsleben, nämlich die Währungsabsicherung, von den ganzen Kreditlern nicht gemacht wurde.
    Nun kann man sagen, das der normale Kreditnehmer sich mit diesen Dingen nicht auskennt.

    Dann wende ich als Kritikpunkt jedoch an die sogenannten „Vermögensverwalter/Vermittler“, das sie
    1. dem Kunden hier etwas gutes hätten tun können
    2. sich noch ein zusätzliches Einkommensfeld beim gleichen Kunden eröffnet hätten können.

    Und genau DAS verstehe ich nicht, wo doch sonst diese Branche keine Chance ausläßt Provisonen zu dienen.

    Gruss
    Vicky

  5. Silberdax sagt:

    CHF-Kredit aus österreichischer Sicht:
    Wer heute einen CHF-Kredit aufnimmt, macht das Geschäft seines Lebens !
    Warum ? Verrückt, wer so was behauptet ?

    Nur sind diese kredite mittlerweile im Alpenland verboten – also wird kaum einer mehr daran profitieren. (sogar Bundesländer, Städte (Kommunen) sind in CHF-verschuldet – die haben das gleiche Problem)
    Zum Großteil sind solche Kredite endfällig mit Tilgungsträgern:
    Am Laufzeitende spielt die Musik – nicht heute !
    Wer heute noch 15 jahre Zeit hat – muss eben am Ball bleiben und
    reagieren, die Tilgungsträger überwachen und einen idealen Ausstiegszeitpunkt definieren.

    Wer einen solchen Kredit bedienen muss und von seiner Bank permanent belästigt wird (rückkonvertieren in € , Tilgungsträger auflösen, Verluste akzeptieren?) sollte ganz ruhig bleiben und die Bank einfach ignorieren. Solange die Bank seine Zinsen bekommt, wird sie nichts machen können/dürfen. (diverse Zwangsversuche wurden bereits gerichtlich untersagt)
    Der Rückzahlungen haben sich gegenüber €-Kredit nicht erhöht, „nur“ der Buchverlust sieht negativ aus. Noch.

    Und dieser wird sich auch wieder in Nichts auflösen:

    Wenn man die Schweiz genau ansieht, ist ein „Island-Szenario“ im Anmarsch ! Alleine die zwei Großbanken UBS und CreditSuisse haben
    Kreditausstände, die das Schweizer BIP mehrfach übersteigen – baldige Ausfälle der ersten Auslandskredite der Ost-Eu-Länder (600MRD CHF-Kredite !) bringen die ersten Dämpfer.
    Die ersten Firmen werden bald den starken Franken mit Kündigungen beantworten – es sollen bereits die ersten Käsereien ihren Emmentaler
    nicht mehr exportieren können…weitere Branchen folgen, Tourismus kollabiert…
    Weiter gehts dann mit dem fröhlichen Immo-Blasen-Platzen !
    In der Schweiz wird bei 0-Zins an jeder Ecke, in jedem Kuhdorf, einfach überall nur noch gebaut, als ob es morgen keinen Beton mehr gäbe…

    Die perfekte Situation für einen Sturm :
    DER CHF-FRANKEN ist Opfer seiner eigenen Stärke!
    DER FRANKEN SITZT IN DER FALLE !
    Ausweg : Geld drucken – inflationieren – abwerten…

    Die große Flucht aus dem vermeintlich sicheren Franken wird in 1 bis 2 Jahren voll einsetzen.

  6. Silberdax sagt:

    …das ist doch eine „starke“ Währung – verliert binnen Tagen einfach mal gut 10% an Wert.
    SNB – die sind ja besser als FED+EZB zusammen 😉
    http://www.finanzen.net/devisen/euro-schweizer_franken-kurs

  7. Waldfee sagt:

    Das Problem kennen wir in Osnabrück auch. Bis vor kurzem hat man sich noch feiern lassen, weil die Verantwortlichen so toll gewirtschaftet haben. Im April kam dann die schlechte Nachricht. Aus einem Zinsvorteil ist mittlerweile ein mehrere Mio. Euro schwerer Nachteil geworden. Und wer hat nun kluge Ratschläge gegeben? PWC – PriceWaterhouseCoopers. Durchhalteparolen und anderen Quatsch hats gegeben. Das war bei einem Stand von ca. 1,30 EUR/CHF.

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